Vier Wochen in Florenz (Firenze), die Hauptstadt der Toskana, in der sich Kunst und Architektur übertrumpfen. Das historische Zentrum der Stadt wurde 1982 zum UNSECO-Weltkulturerbe erklärt, und war vier Wochen das Ziel unseres Langzeiturlaubs.

Dass Italien schon seit vielen vielen Jahren mein erklärtes Lieblingsland ist, ist auf meinem Reise- und Fotoblog nicht auf den ersten Blick erkennbar. Kein Wunder, hat er doch erst im Juni 2019 das Licht der Web-Welt erblickt und alle unsere Reisen, vorwiegend nach Südtirol und an den Gardasee liegen vor dieser Zeit. Bereits in meiner Ehezeit war ‚Bella Italia‘ das Ziel der Familienurlaube. Aber weiter bis nach Oberitalien kam ich nie.

Als wir im Frühjahr 2022 das Ziel unserer nächsten Langzeitreise überlegten – unsere letzte im Herbst 2021 ging nach Prag – lockten alle Überlegungen keine wahren Begeisterungsstürme bei mir hervor. Berlin? – ja, irgendwann, aber jetzt? Hmm, München? Nein! Wien? jetzt nicht. Meine Augen wanderten auf der Landkarte umher, und meine Gedanken ratterten, als ich ein Ziel entdeckte, welches mich sofort in den Bann zog – Florenz! War bisher der Gedanke an eine Reise in die Toskana mit dem Stempel ‚zu weit‘ versehen, kam ich ins Nachdenken, als ich mich über die Stadt näher informierte. Wir könnten doch …. Ihr kennt diesen Satz sicher aus meinen Berichten, und mein Mann legt schon den Kopf schief, wenn ich ihn ausspreche. Aber auch seine Augen leuchteten auf, als ich den Gedanken aussprach: man könnte doch die Fahrt mit einem Zwischenstopp teilen. Denn so gerne ich auch Auto fahre (ihr wisst ja, ich bin die Frau am Steuer 😀 ), in einem Rutsch nach Florenz war mir dann doch zuviel. Und die Erfahrung zeigt, auch wenn Google maps nur 8,5 Stunden auswirft, können es doch locker 10 Stunden werden. Eine Wohnung auf Zeit war dann auch schnell gefunden, und der Weg vom Gedanken bis zur Buchung dauert bei uns nicht lange.

Mitte Juni 2022 ging es auf nach Florenz. Die Autobahnen in Italien waren alle kein Problem, und auch das letzte Stück Weg von der Autobahn zu unserer Wohnung auf Zeit in einem Vorort von Florenz bescherte keine Probleme. Wie sich das alles in vier Wochen dann aber doch noch änderte, könnt ihr jetzt mitverfolgen:

Mein Erlebnisbericht – vier Wochen in Florenz (Firenze)

‚Lotte‘ (unser Navi) lotste ‚Fridolin‘ in eine kleine enge Straße, wo ich bereits kurzfristig die Luft anhielt. „Und wenn da jetzt ein Auto entgegenkommt?“ Bitte nicht! Es ging gut, bis zu dem Moment, als Lotte sich meldete: „Nach links abbiegen“ – Allmächtiger! Spinnst du?

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Dieses Foto wurde zu einem anderem Zeitpunkt gemacht, zum Zeitpunkt unserer Ankunft, war die Straße links und rechts komplett mit Autos gesäumt. Mit einem Blick erkannte ich am Ende der Straße ein Fahrzeug, das sich noch unschlüssig war, wo es hin wollte, und hielt am Anfang der Straße an. Denn wo wollten wir sonst anhalten, um unserer Vermieterin zu signalisieren, wir sind da, aber etwas früher als ausgemacht? Denn anhand der Inseratbeschreibung wusste ich, Fridolin bekam einen Platz in einer mit Barke abgesperrten Straße, in die wir ohne ‚Sesam öffne dich‘ nicht hinein kommen.

Tief durchatmen, warten und nach einiger Zeit konnten wir Fridolin auf Endposition lotsen und wir unsere schöne Wohnung auf Zeit beziehen.

Innerlich jubelte ich über unseren Plan, dass wir in die Innenstadt nach Florenz mit dem Bus fahren werden, so wie wir es auch schon in Prag gemacht haben. Noch am Abend holten wir uns die ersten Fahrkarten in der Tabaccheria im Ort, damit wir diese am nächsten Morgen nicht suchen mussten und sofort zur Haltestelle konnten. Suchen? Wunschdenken – nix als Wunschdenken, sag ich euch 🙈 🙈 🙈

Um es gleich vorweg zu nehmen, mein Mann, sein Handy mit Google wurden in diesen vier Wochen keine wirklichen Freunde. Vielleicht ging es an diesem Morgen in den ersten Arbeitsstreik? Vom kühlen Schwabenland ins heiße Florenz muss selbst das intelligenteste Handy erstmal verdauen. Denn das führte uns am nächsten Tag erstmal in die falsche Richtung.

Der öffentliche Nahverkehr in Florenz

wurde ja zu unserem bevorzugten Fortbewegungsmittel erklärt, zumal in die Altstadt von Florenz eh keine Autos rein dürfen, also keine von Touristen. Und unsere recherchierte Info lautete: es fahren in Florenz zwei S-Bahnen, und eine davon direkt durch unseren Stadtteil. Die hätte uns direkt zum Bahnhof in Florenz gebracht, der an diesem Morgen unser Ziel war. Denn wir wollten uns dort (so wie in Prag) eine Monatsfahrkarte, die es lt. Info der Verkehrsbetriebe gibt, abholen.

Irgendwann merkten wir, dass die Wegeführung von ‚Lotte‘ nicht stimmen kann. Weit und breit waren keine Schienen zu sehen. Also Planänderung, mit dem Vorsatz, um dann eben mit einem Bus in die Innenstadt zu kommen. Mit ein bisschen durchfragen stiegen wir auf der richtigen Straßenseite in den RICHTIGEN Bus ein und fuhren gen Innenstadt. Mit der Zeit wurden wir fast ‚Profis‘, denn wir durften uns gleichmal von deutschen Verhältnissen verabschieden: steht da jemand an der Haltestelle, hält der Bus. Pfff, denkste! Der hält nur, wenn du ihm ein Handzeichen gibst, was bedeutet, ich will rein. Und bitte ‚pronto, pronto‘, denn ein Bus hält nie sehr lange. Was verschiedene Fahrgäste beim Aussteigen merken durften. Bis die sich zum Ausgang durch einen vollen Bus gekämpft hatten, war der schon wieder am Türen schließen. Da half nur lautes Rufen ‚ich will da auch noch raus‘.

Je nach Uhrzeit war der Bus rappelvoll. Ich hab oft scherzend gedacht – einer allein kann da bei starkem Bremsen nicht umfallen. Ist so ähnlich wie beim Kegelspiel, und wir haben uns vorausschauend meist aus der Schusslinie genommen 😉 Denn Busfahrer in Florenz haben es bei dem Verkehr wirklich nicht einfach, auch das sollte man als Mitfahrer wissen. Bedeutet, zackig, damit man den Zeitplan einhält … naja zumindest, weitgehendst 😀

In vier Wochen lernt man einiges – und so wussten wir dann doch recht schnell,  nachdem wir noch weitere zweimal eine Haltestelle gesucht haben, dass wir ab „Porto Prato“, wo uns der Bus rausließ,  mit einer S-Bahnline weiter zum Bahnhof kommen, oder mit den kleinen Stadtbussen in die Altstadt. Naja, ganz ehrlich, das Busnetz in Florenz ist (zumindest für uns) etwas verwirrend, da es auch viele Über-Land-Busse gibt. 

Wisst ihr noch – wir wollten eine Monatskarte. Als wir die Verkaufsstelle nach mehrfachem Rumirren und fragen dann endlich gefunden hatten, hieß es: no, no – nur für Leutchen mit einer Steuernummer in Italien, und die haben wir nunmal nicht. Aber hey, man kann wirklich auch über die Einzelpreise nicht meckern:
Für 1,50 € kann man 90 Minuten quer mit allen Bussen durch Florenz oder über Land fahren. Liebes Deutschland, ihr könnt euch da was abgucken!

Meine Bewunderung für die Florentiner Stadtbusfahrer wuchs in diesen vier Wochen extrem. Dass er des öfteren die Hupe betätigen musste, wurde klar, als man die engen Gassen sah, durch die er unbeirrt durchfuhr. In mancher Situation dachte ich mir, das schafft der nie im Leben, da durchzukommen. Doch, er hat es immer geschafft. Hochachtung, wirklich!

Mein Tipp zu Stadtrundfahrten in Florenz

Da gibt es vielfältige Möglichkeiten: entweder kann man sich mit einem kleinen Wagen durch die Altstadtgassen kutschieren lassen, oder per Pferd, die am Dom ihren Standort haben. Mir taten die Vierbeiner im Herzen leid, bei der Hitze durch die Stadt traben zu müssen. Des öfteren haben wir auch einen Hopp on – Hopp off Bus fahren sehen.

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Hier kann man an verschiedenen Haltestellen aussteigen, besichtigen und dann weiterfahren. Ich will ja niemand das Geschäft versauen, aber ganz ehrlich – mit einem Busticket für 1,50 € kann man 90 Minuten durch die Stadt fahren. Es werden bei vier Stadtbuslinien die Hot-Spot Haltestellen angefahren, oder man verschafft sich einfach mit einer kompletten Fahrt durch die Altstadt einen Überblick. Ganz viele Sehenswürdigkeiten sind sowieso zu Fuß vom Hauptbahnhof in kurzer Zeit zu erreichen.

Da wir von Porto Prato eh mit einem Stadtbus weiter mussten, haben wir uns dann natürlich direkt an unser Besichtigungsziel bringen lassen 🙂 Allein diese Fahrten sind schon ein Erlebnis für sich. Denn

die Altstadtgässchen in Florenz (Firenze)

haben es in sich. Nein, nicht durch jede kleine Straße darf (oder kann) ein Bus fahren, das seht ihr bei meinen nachfolgenden Fotos. Wenn man in der Altstadt unterwegs ist, dann muss man sich zwingend an ein Geräusch gewöhnen: Dauerpiepston der Taxis, teilweise auch der Busse. So machen sie auf sich aufmerksam, wenn die Menschen die oft überfüllten schmalen Gehwege verlassen, und ihren Weg unbekümmert auf der Straße fortsetzen. Vielleicht wiederhole ich mich – ich möchte hier auch kein Taxifahrer sein. Nein, ich möchte in diesem Gewusel überhaupt nicht fahren müssen. Aber Touristen dürfen hier ja eh nicht rein.

Wenn’s mal wieder länger bei uns dauert, sind in diesem Fall nicht die gigantischen Kirchen oder Sehenswürdigkeiten von Florenz schuld, sondern die kleinen Gässchen abseits der Hauptrouten. DAS gibt mir einen Teil des Flairs, das mir in Italien gefällt. Ich lass die folgenden Fotos einfach wortlos wirken. Treiben lassen, hab ich das immer genannt – irgendwo kommt man schon wieder raus ….

Genauso faszinierend wie die kleinen Gässchen, war für mich der Blick nach oben zu den eng zusammengebauten

Häuser in der Altstadt von Florenz

Wir haben wettertechnisch in diesen vier Wochen das große Los gezogen. Naja man könnte auch sagen, wir wurden von null auf hundert vom kühlen Schwabenland ins heiße Italien geworfen – eine große Umstellung. Das Thermometer zeigte ständig zwischen 32 und 39 Grad. Regen oder Gewitter? Pustekuchen! Einmal eine halbe Stunde war der Himmel undicht, was eine unssagbare Schwüle zur Folge hatte. Ihr könnt euch vorstellen, dass so ein kleiner Gassenrundgang im Schatten auch erholsam war 😉

Wie in südlichen Ländern so üblich, flattert auch mitten in der Stadt die Wäsche am Fenster. Man sollte sie tunlichst gut festmachen, der Weg nach unten ist weit 🙂

In unserer Wohnung auf Zeit hatten wir eine kleine Gartenterrasse dabei und einen Balkon. Und wie es bei den ganzen Wohnungen so üblich ist, wird auch hier die Wäsche an die Leine um den Balkon gehängt. An manchen Tagen konnte man die Wäscheklammern auf dem Hof sammeln 😀 😀

Ich hab mich dieser Gepflogenheit gerne angepasst, war die Wäsche bei den Temperaturen doch ratz fatz trocken, nur die T-Shirts wollte ich dann doch nicht ‚vom Winde verweht‘ wissen 😅😂

Aber noch etwas anderes, ließ mich als „Hans-guck-in-die-Luft“ durch die Gassen laufen.

Ihr werdet es bei meinen vielen Kirchenberichten noch merken, wir sind in einem katholischen Land. Zur Zeit der Renaissance wurden einzigartige Kunstwerke geschaffen, die sich nicht nur in Kirchen, den Palazzos oder in den vielen Galerien der Stadt zeigen.

waesche waschen gehoert auch im urlaub dazu – Inges Reiseblog

Die Heiligenbilder an den Häusern in Florenz

haben sehr schnell meine Aufmerksamkeit bekommen. Sieht man doch auch an ihnen die Frömmigkeit ihrer Bewohner. Und nicht nur hier, wenn man die kleineren Kirchen in Florenz besuchen will, haben wir sehr schnell gemerkt, dass man hier nach der üblichen italienischen ‚Mittagspause‘ besser dran ist. Am Vormittag, aber auch am späten Nachmittag werden in sehr vielen der kleinen Kirchen Gottesdienste abgehalten. Wir durften dies an einem (sehr heißen) Tag in der Basilika della Santissima Annunziata erleben, die neben dem Museum San Marco das einzige Ziel an diesem Tag war. Denn in Florenz eine Kirche mit ihren Schätzen genau anzuschauen, kann locker bei uns auch mal bis fast drei Stunden dauern.

Kaum waren wir jedoch eine halbe Stunde in der Basilika und hatten noch lange nicht alles gesehen, wurden die Besucher zum Ausgang befördert: Gottesdienst. Ein Pater hielt vor der Türe ‚Wache‘ und wies jeden ab, der an diesem nicht teilhaben wollte. Okay, warten wir eben, so lange wird das ja nicht dauern, zumal es auch noch im Außenbereich einiges zu sehen gab. Irgendwann wurde die Wartezeit doch sehr lang, ich kramte mein Italienisch zusammen und fragte den Pater, wann man denn wieder in die Kirche könne. Die Antwort war ernüchternd – nach diesem Gottesdienst, gibt es noch einen weiteren Gottesdienst und dann wird zur Mittagspause geschlossen. Am Nachmittag um 16 Uhr wird wieder geöffnet. So sehr wir uns auch bemüht haben, diese Zeit zu überbrücken, 1,5 Stunden vor Öffnung haben wir bei stehender Hitze von 39 Grad aufgegeben und sind zwei Tage später zur Nachmittagsöffnung nochmal zur Kirche. Also Achtung, solltet ihr die Kirchen von Florenz auf eurem Besichtigungszettel stehen haben.

 

An vielen Häuser von Florenz sieht man das

Wappen der Familie der Medici in Florenz

jener Familie, die über 300 Jahre die Stadt bestimmte, förderte, grandiose Bauwerke errichten ließ und in Florenz die Renaissance geprägt hat. Ihr werdet sie in meinen Berichten noch näher kennenlernen. Ihr Wappen hat eine besondere Form, die man nur in Italien findet. Fünf rote Kugeln auf Gold (oder auch nur auf Stein) – und man erkennt sofort, wer seine Finger mit im Spiel hatte.

Eher zufällig habe ich das Flachrelief von Guiseppe Dolfi an einem Haus im Stadtteil San Lorenzo in Florenz entdeckt. Als nach der Ära der Medici die Toskana zu Habsburg-Lothringen kam, kämpfte Dolfi, ehemals ein Bäcker, 1859 dafür, dass die Toskana zum Königreich Sardinien kam. Nachdem er dieses Ziel mit einer Volksabstimmung erreicht hatte, setzte er sich in seinen letzten Lebensjahren für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Armen in Florenz ein. 1869 verstarb Dolfi in Florenz.

Kommen wir wieder zum ‚bürgerlichen Leben‘, und wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, dann müssen

Wandmalereien in Florenz

nicht unbedingt von großen Künstler stammen.

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Der

Straßenverkehr in Florenz

ist für uns Deutsche dann doch etwas gewöhnungsbedürftigt. Ich hab euch ja schon weiter oben geschrieben, ich war wirklich froh, dass wir so eine gute Busanbindung an die Innenstadt hatten, auch wenn wir ca. 30 Minuten unterwegs waren. Aber diese Zeiträume kannten wir ja schon von Prag. Und in Italien und dazu noch Innenstadt mit einem großen Auto wie Fridolin, puuuhhh, ich bekomme nur in der Erinnerung noch kleine Schweißausbrüche. Normalerweise bin ich ja die Frau am Steuer, wenn ihr meine Berichte schon verfolgt habt, dann wisst ihr das. Mein Mann lotst mich dafür kreuz und quer dahin, wo wir hin müssen.

Doch in Italien war alles anders. Glaubt ihr, es interessiert einen, ob du schon im Kreisverkehr drin bist? Oder dass du als Auswärtiger vielleicht auch ein bisschen langsamer fährst, weil du den Abzweig nicht verpassen willst? Pfff … da wirst du sofort ausgehupt, oder es schlängelt sich knapp vor dir noch einer in die Straße. Allmächtiger, meine Nerven! Und ich hatte wahrlich keine Lust, hier in Italien ein Knöllchen zu holen, nur weil ich mich dem Tempo anderer anpasste. Das kann nämlich hier ganz schön teuer werden. Ich hab bei unseren Einkaufsfahrten oder raus aus der Stadt für unsere Über-Land-Touren das Steuer gerne an meinen Mann abgegeben und seine Position übernommen. Ganz ehrlich, es fiel mir nicht leicht (da schlummern halt immer noch so doofe Altlasten in mir), aber es klappte auf jeden Fall nervenschonender. Lachend meinte mein Mann ‚Schatz, du musst dich halt nur wie ein Italiener fühlen.‘

Ob er sich da in der Stadt schon aus der Auswahl der italienischen Fortbewegungsmittel einen ausgeguckt hat? Keine Ahnung, aber fein säuberlich aufgereiht standen DIE Verkehrsmittel, die die Florentiner in ihrer Stadt brauchen 🙂

Immer wieder meldete sich in diesen vier Wochen mein Träumerle zu Wort: „Hier leben, boahh muss das schön sein!“ Keine Ahnung, ob mein Träumerle männlich ist, einmal laut ausgesprochen fand er in meinem Mann sofort einen Verbündeten. Tzzzz, ja klar wäre das schön, meinte mein Realist, aber gell, du weißt schon …. 38 Grad und so, und das jetzt im Mai und Anfang Juni. Und im Hochsommer haste es noch wärmer. Stinkstiefel ☹️😠

Denn jetzt kommen wir zu etwas, da schlägt unser Herz einfach ganz schnell und hoch, und hat unsere Träumer immer wieder aktiv werden lassen –

die kleinen Einkaufsläden in Florenz

Ich schwör euch, ich habe nichts (außer Reisemitbringsel) in dieser wirklich tollen Einkaufsstadt gekauft. Aber die kleinen Lädelchen, in denen Geldbörsen und Taschen noch von Hand gefertigt werden – oder die kleinen Papiermanufakturen, die die Einbände noch von Hand hergestellt haben. Hey, da geht einem das Herz auf. Da ist ein Laden in der Altstadt genauso breit wie eine Türe. Oder gibt es einen ‚Tante Emma Laden‘ mit einem Durchgang von nichtmal einem Meter Breite, der aber schon bei der Auslage vermuten lässt, dass man alles darin bekommt. Schaut mal ….

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So gut wie jede größere Stadt hat sie.

Die Nobelmeile in Florenz

in der man so richtig viel Geld liegen lassen kann. Nein, ich meine jetzt nicht die Schmuckläden auf der Ponte Vecchio, sondern die Via degli Strozzi. Zu beiden Seiten des Palazzo Strozzi, den der Florentiner Kaufmann Strozzi hat erbauen lassen (mehr dazu könnt ihr in meinem ausführlichen Bericht darüber lesen und sehen), reihen sich die Nobelmarken wie an einer Perlenkette auf. Manchmal kaum wahrnehmbar, manchmal offensichtlich herrscht Security über den Eingangsbereich.

Sicherheit, so hatte ich das Gefühl, wird in Florenz sehr hoch geschrieben. Überall in der Stadt sah man Polizeipräsenz, vor dem Dom stand (schwerbewaffnet) Militär, die MPs im Anschlag. Auch abends fuhren quer durch die Stadt Polizeifahrzeuge. Bei den größeren Besichtigungsobjekten haben wir uns schnell daran gewöhnt, sich wie auf dem Flughafen zu fühlen. Alles wird auf ein Förderband gelegt, und nach der Schleuse konnte man es sich durchleuchtet wieder abholen.

Haben wir uns über die Sicherheit in der Stadt gefreut, haben wir diesen Nobelgeschäften nur einen kurzen Seitenblick gegönnt. Es ist nicht unsere Welt. Uns hat es auf die

Märkte in Florenz (Firenze)

gezogen. Wäre ich ein Handtaschenfan, dann hätte ich mich an den vielen Marktständen in der Stadt wie ein kleines Kind freuen können. Doch auf Reisen habe ich ganz praktisch meine Gürteltasche um, daheim reichen mir ein oder zwei Handtaschen. Ihr merkt schon, ich schaue zwar gerne, aber Shopping mit mir macht keinen Spaß 😀 😀

Ein Dauermarkt befindet sich in der Loge des Mercato Nuovo, und am Rand dieses Marktes zog eine Skulptur die Menschen an –

der Brunnen des Ferkels (Fontana del Porcellino) in Florenz

Also, ein Ferkel ist das ja nicht, eher ein ausgewachsenes Wildschwein 😀 das Papst Pius IV. 1560 Cosimo I. de Medici als Marmorskulptur geschenkt hat. Das Original findet man heute in den Uffizien. Es wurde aber eine Nachbildung erstellt, und 1640 entschied Ferdinando II. de Medici, dass diese Bronzeskulptur auf den Brunnen, der in erster Linie der Wasserversorgung für die Händler diente, bei der Loggia aufgestellt wird. Das „Porcellino“ wurde zur Glücksfigur, so wie wir es z.B. auch in Prag auf der Karlsbrücke mit dem Nepomuk, oder in Verona mit der Julia gesehen haben. Ganz blankgescheuert ist das Maul des Wildschweins, denn es bringt Glück, wenn man eine Münze in das Maul des Wildschweins legt, zuvor aber diesem über die Nase reibt. Fällt die Münze dann beim Herunterfallen durch das Gitter ins Wasser, soll es Glück bringen. Bleibt es auf dem Gitter liegen, muss man das mit dem Glück noch ein bisschen üben 😉

Die Figur war so belagert, dass ich euch nur das blankgescheuerte Gesicht des Wildschweines zeigen kann, denn egal auch auf den Märkten, wie sonst auch bei allen Objekten, bleibe ich meinem Vorsatz treu – kein schmückendes Beiwerk in Form von Menschen auf meinen Fotos.

In Florenz gibt es zwei große Markthallen, die uns als kleine Genießer und Hobbyköche das Herz haben höher schlagen lassen. So etwas sollte es bei uns hier auch geben. Kein Wunder, dass sich in solchen Momenten mein Träumerle wieder bemerkbar machte. Ach seht einfach selber in meinem Bildermix. Und bei vielen Händlern hieß es am Abend … zusammenpacken, damit die Karawanne ins Depot fahren kann.

„Dolce Vita“, für die Augen und für den Magen 🙂 Da wir meistens schon früh in die Stadt sind, um in der starken Nachmittagshitze wieder in der Wohnung zu sein, machte sich so um die Mittagszeit auch der Magen bemerkbar. Ganz ehrlich, diese Genüsse sind mir (und meinem Mann) viel wichtiger als Shoppingtouren – Genießer halt 😀

Abseits der großen Piazzas in den kleinen Nebensträßchen finden sich kleine, einladende

Restaurants oder Trattorias in Florenz

die über Mittag einen günstigen Mittagstisch anbieten. Hatten wir mal keine Lust auf ein größeres Mittagsessen, so gibt es in der Stadt (fast an jeder Ecke) leckere Kleinigkeiten in die Hand. Die Auswahl ist unbeschreiblich groß.

Kleiner Tipp: Bei Hitze soll man ja viel trinken. Geht euch das aus, so seid ihr günstiger dran, wenn ihr anstatt in den unzählig vielen kleinen Essenslädelchen in den kleinen Supermercatos in der Stadt nachfüllen geht. Die gibt es reichlich, ohne dass man lange suchen muss. Ja, da kommt die Schwäbin vielleicht durch, aber Florenz ist ja bekanntermaßen nicht unbedingt als günstig zu bezeichnen, und zwei Euro an so einem kleinen Fläschchen zu sparen, hat schon was, oder?
Noch günstiger wird es an den vielen Brunnen in der Stadt 🙂 … Also, ganz bequem aus dem Hahn 😀

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Manches ist in Italien aber tatsächlich Luxus, was für uns selbstverständlich ist – Kuchen (Dolce)!

Da kann man für einen Minikuchen schonmal bis zu 20 € über den Tresen schieben. Von wegen aber Durchmesser von 26 cm 😀 😀 An unserem letzten Tag in Florenz kam der Wunsch nach einem Kuchen aber trotz diesem Wissen doch sehr extrem bei mir hoch. Ein schnuggeliges Café war schnell gefunden, gleich um die Ecke der weltbekannten Ponte Vecchio. Oh Inge 🙈 die Hitze muss dir schon heftig das Hirn trockengelegt haben – dieser Standort UND Kuchen! Mein Mann hat nur gegrinst. Mir ist es mit Blick auf die Karte dann aber doch etwas vergangen – 8 € für ein kleines Erdbeertörtchen 🙈 Ihr könnt euch vorstellen, ich hab jeden Krümel genossen 😀

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Ja, aber dafür geht man ja in Urlaub. Und da nimmt man auch schonmal hin, dass man für einen kleinen Eisbecher to go 6 € hinlegt.

Feste und Veranstaltungen in Florenz

gibt es unzählig viele. Allein in unserem Wohnviertel drang am Wochenende Musik und Fröhlichkeit in unseren kleinen Garten. Als wir an einem Abend noch in der Stadt waren, und zufällig am Palazzo Vecchio vorbei kamen, sahen wir im Schatten des großen Palazzos unzählige Stuhlreihen. Im Inneren des Palazzos war ein Cello-Orchester noch fleißig am üben. Hmm … „wir könnten doch?“ Ihr kennt ja meinen Satz bestimmt schon aus vielen meiner Berichte. Und dieser Satz endet ja dann auch meistens mit „wir machen“. Da ich aber weiß, dass die Veranstaltungen in Italien meist erst um 21 Uhr beginnen, blieb uns noch viel Zeit für ein ausgiebiges Abendessen in einem der vielen Restaurants auf der Piazza della Signoria vor dem Palazzo. Genuß pur, sag ich euch!

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Obwohl man sonst die Lebensfreude in Florenz an allen Ecken und Enden spürt, schien es mir doch, dass ich diese Veranstaltung nicht in dieser Kategorie einordnen kann. Dafür erschien mir das ganze drum herum zu ernst und doch sehr offiziell. Einige Wortfetzen aus der italienischen Rede haben wir verstanden, aber so sehr ich im Internet gesucht habe, Licht ins Dunkel brachte mir erst Lucia, unsere Vermieterin, die mir den Anlass dieses Konzerts erklärte:

Jedes Jahr am 26. Mai wird diese Gedenkfeier abgehalten. Denn vor 26 Jahren wurde von der Mafia unter dem Torre de Pucci eine Bombe platziert, die nicht nur 5 Menschen den Tod brachte und 41 verletzte, sondern auch den Palazzo Vecchio, die benachbarten Uffizien und die Ponte Vecchio samt vielen Häusern beschädigte. Viele Familien wurden dadurch obdachlos. Jedes Jahr werden die Namen derer vorgelesen, die den Tod gefunden haben, und alle Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen zu den Fanfaren die erklingen. Und warum so ein Terroranschlag? Es passte der Mafia nicht, wie sich das bürgerliche Leben in einer Demokratie entwickelte. Traurig! Passend war dann zu diesem Gedenken das Konzert.

Irgendwann hieß es dann aber doch, raus aus der Stadt, damit uns noch ein Bus in unseren Stadtteil bringt. Ein besonderer Flair liegt am Abend über der Stadt … auf der einen Seite kehrt in manchen Teilen Ruhe ein, die Stadtreinigung bahnt sich ihren Weg durch die Gässchen (übrigens haben wir Florenz als eine sehr saubere Stadt erlebt) – und in anderen Teilen steppt der Bär bis weit in die Nacht. Eine Stadt mit vielen Gesichtern.

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Lasst euch in meinen Berichten mitnehmen in eine unfassbar vielfältige, liebenswerte Stadt. Wir haben zwar viel gesehen, aber in vier Wochen doch nur einen Bruchteil der unzählig vielen Sehenswürdigkeiten geschafft.

Da dieser Bericht der Einstieg in alle anderen Berichte ist, die locker bei über 50 Beiträgen liegen werden, kommt gerne immer wieder schauen, was sich neues in Florenz tut 🙂

So kommt ihr nach Florenz (Firenze)