Der wichtigste und älteste Kirchenbau in Erfurt – der Erfurter Dom ist stattliche gut 81 Meter hoch und besitzt die größte freischwingende, aus dem Mittelalter stammende, Glocke der Welt.

Wir haben uns den zweiten Weihnachtsfeiertag als Besichtigungstag der Stadt ausgewählt. Zum einen wollten wir dem Erfurter Weihnachtsmarkt – einem der größten in Deutschland – der bis zum 22.12. auf dem Domplatz seine Buden präsentierte, aus dem Weg gehen. Wer die Art meiner Reisen und Fotografie kennt weiß, dass ich kein schmückendes Beiwerk in Form von Menschen auf meinen Fotos möchte. Und das wäre mit dieser Menschenmenge unmöglich umsetzbar gewesen. Zum anderen haben wir gehofft, dass am Weihnachtsfeiertag weniger Menschen auf die Idee einer Stadtbesichtigung kommen. Dieser Plan ging bis auf die Krämerbrücke auch weitgehendst auf. Auch wenn ich anhand der vielen Reisebusse vor dem Domplatz anderes befürchtet habe.

Ein kleines Sportprogramm war, abgesehen von unserem Stadtrundgang Teil 1 + Teil 2, gleich am Anfang dabei. 70 Treppenstufen ging es hinauf zum Dom und der Kirche St. Severi nebenan, um dann am Portal zu lesen „Der Dom ist noch geschlossen“. Also dann ein ausgiebiger Blick über die Stadt, die wir dann eben zuerst erkunden. Das heißt am Nachmittag wieder die 70 Stufen nach oben 🙂

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Domplatz Erfurt

Angeblich wurde die erste Vorgängerkirche des Doms St. Marien ab 752 durch Bonifatius errichtet worden. Man hat dies durch Ausgrabungen festgestellt und dem 9. Jahrhundert zugeordnet. Näheres ist aber nicht bekannt. Erstmals urkundlich wurde St. Marien 1117 und 1153 wurde vom Einsturz der Hauptkirche in Erfurt berichtet. Ob sie aber tatsächlich eingestürzt ist, ist nicht belegt. Überliefert ist aber, dass 1154 mit dem Bau einer spätromanischen Basilika auf dem Domberg begonnen wurde und die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Mainzer Erzbischof und die Domherren deshalb diese neue Kirche errichten ließen, da sie nicht hinter dem Neubau der Nachbarkirche St. Severi (die alte Kirche wurde bei einem Brand 1142 zerstört) zurückstehen wollten. Ober der damalige Brand aber auch auf die Kirche St. Marien damals übergegriffen hat – es ist alles nicht wirklich belegt.

Durch den Fund 1154 der Überreste der hl. Bischöfe Adolar und Eoban und die darauf einsetzende Spendenflut, war die Kirche schon 1170 benutzbar.
Mehrfach reichte der Platz der ursprünglichen Kirche nicht aus und bereits 1280 wurde damit begonnen die Kirche zu erweitern. Der Ausbau des Mittelturms wurde 1307 fertiggestellt. Er dient als Glockenhaus der berühmten Kirchenglocke Gloriosa. Aber im 14. Jh. war der Platz schon wieder zu klein und man erweiterte wieder. Alles dort oben auf dem engen Domberg, wo man sich den Platz noch mit der St. Severi Kirche teilen musste.

Den Dom, der übrigens im 8. Jh. nur für kurze Zeit Bischofssitz war und erst seit 1994 wieder Kathedrale des Bistum Erfurts ist, betritt man durch das um 1330 entstandene Triangelportal. Es zählt zu den Höhepunkten gotischer Architektur. Allein schon dieses ist, wie ihr an den obigen Figuren erkennen könnt, einen genaueren Blick wert.
Jetzt kommt mit in den Dom – ins Querhaus.

Wie ihr es von meinen bisherigen Kirchenberichten kennt, geht mein Blick immer erst nach vorne zum Hochaltar und zurück zur Orgel. Heute beginne ich aber mal in einem Seitenschiff des dreischiffigen Langhauses.

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Wenn man den Dom betritt und der Blick nach rechts geht, fällt das gotische Taufbecken von 1587 auf. Der hohe Baldachin reicht bis ins Gewölbe und ist 18 Meter hoch. Der Weimarer Künstler wollte damit die Taufe als Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisieren.

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Jetzt geht mein Blick nach vorne und sorgt für einen WOW-Moment – der Hochaltar.
Zwischen 1697 und 1707 wurde dieser 13 m breite und 16,5 m hohe barocke Hochaltar angefertigt. An der Stelle stand davor ein großer gotischer Flügelaltar. Wer diesen wunderschönen Altar geschaffen hat ist unbekannt.

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Zu beginn des 21. Jh. wurde dieses Meisterwerk saniert. Der Hochaltar im Erfurter Dom besteht aus einem hohen doppelgeschossigen Postament und hat seitliche Durchgänge. Säulenpaare mit reichem Dekor und Plastiken der Apostelfürsten mit dem Hl. Petrus und dem Hl. Paulus zieren den Altar. Auf dem oberen Postament sind die vier Evangelisten, das untere Altarblat zeigt die Anbetung der Hl. Drei Könige. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich vor dem Hochaltar gestanden bin. Ihr seht es an meinen Fotos – es gibt soooo viele Details die es zu betrachten gilt.

Die Fenster im Chor zeigen einen spätgotischen Glasgemäldezyklus und wurden etwa von 1370 bis 1420 geschaffen. Die über 18 Meter hochen und bis 2,60 breiten vierbahnigen Fenster gehören zu den größten ihrer Art in Deutschland. 13 von den ehemals 15 Fenster sind noch fast vollständig mittelalterlich erhalten.
Auch die anderen Glasfenster im Dom verdienen Aufmerksamkeit.

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Aber nicht nur die weitgehend originalen Fenster im Chor verdienen die Aufmerksamkeit, sondern auch die weitere Raumausstattung, das Chorgestühl. Hintereinander sind 89 Sitze angeordnet, die sich auf zwei Doppelreihen von 17,5 Meter Länge verteilen. Das Chorgestühl des Erfurter Doms ist eines der umfangreichsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Gestühle in Deutschland und wurden aus Eichenholz hergestellt. Ab 1329 wurde das Chorgestühl hergestellt.

Wie in jeder anderen Stiftskirche auch, hatte jeder Chorherr seinen festen Platz. Dabei wurde auch streng nach Rang unterschieden. Deshalb hatten in den hinteren, viel reicher ausgestatteten Stühlen die höher platziert waren die besser ausgestatteten Chorherren ihren Platz. Davor durften die gewählten Domherren im Wartestand Platz nehmen, sowie Vikare und die Schüler der Domschule. Am prächtigsten verziert ist die Gestühlsreihe im Chor, auf jeder Seite drei Sitze, die den Würdenträger des Kapitels oder dem Weihbischof vorbehalten waren.
Die Szenen beinhalten eine Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament. Dazu Szenen, Fratzen oder Wesen, sowie der Weinstock als Symbol Christi. Auch hier gibt es wirklich viel zu entdecken.

Der Erfurter Dom kann zwei Orgeln aufweisen – zum einen die Hauptorgel, die 1992 erbaut wurde und in die Register aus der Vorgängerorgel von 1906 übernommen wurden. Zum anderen die Chororgel,  die 1963 eingeweiht wurde.

Aus der Zeit um 1160 stammen die beiden ältesten Stücke des Doms, der Wolframleuchter und die romanische Madonna aus Stuck.
Der Leuchter ist eine der ältesten freistehenden Bronzeskulpturen Deutschlands.

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Ein Meisterwerk der Steinmetzkunst ist das aus um 1580 entstandene Renaissance Sakramentshaus. In Szenen werden die 7 Sakramente gezeigt – Taufe, Firmung, Buße, Ehe, Priesterweihe, Eucharistie und Krankensalbung.

Um 1420 wurde das Heilige Grab aus Lindenholz geschnitzt, die Grablade entstand Anfang des 15. Jh. wurde jedoch erst später bemalt. In einem liturgischen Buch aus dem 11./12. Jh. wird beschrieben, dass die großen Wundmale des Grabchristus zur Aufbewahrung von Hostien gedient haben könnten.

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Solltet ihr irgendwann einmal in Erfurt sein, ist der Besuch des Erfurter Doms fast ein Muss. Ich nehm euch jetzt noch mit auf einen stillen Rundgang. Wie wir es meist bei unseren Kirchenbesuchen machen, so auch hier im Dom – dankbar für den wunderbaren Tag in Erfurt mit ganz vielen Eindrücken.

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