Eine der bedeutendsten gotischen Kirchen, die Severikirche, steht auf dem Domberg in Erfurt. Gemeinsam mit dem Dom bestimmen sie dort, hoch über Erfurt, das Stadtbild und sind Wahrzeichen der Stadt.

Nachdem durch einen Weihnachtsgottesdienst die Kirche St. Severi nicht an den Anfang unseres Stadtrundganges durch Erfurt durfte, schaffte sie es eben als krönendes Schlusslicht. Etwas geschockt war ich ja schon als wir am frühen Vormittag das Parkhaus am Domplatz verlassen haben. Vielleicht etwas blauäugig dachte ich, dass am 2. Weihnachtsfeiertag nicht viele Menschen auf die Idee einer Stadterkundung kommen würden. Die vielen Omnibusse vor dem Domplatz sprachen aber eine andere Sprache. Vermutlich ging diesen vielen Besuchern aber am Nachmittag ‚die Luft‘ aus, denn die Anzahl der Besucher in der Severikirche, wie die Kirche St. Severi auch genannt wird, war sehr überschaubar.

Schon von weitem ist diese Kircheneinheit aus Dom und Severikirche auf dem Domberg zu sehen.

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Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Bauform zählt die Severikirche zu den bedeutendsten gotischen Bauten Deutschlands. Die tatsächlichen Anfänge dieser Kirche bleiben etwas im Nebel. 708 soll an dieser Stelle ein Benediktinerkloster St. Paul gegründet worden sein. 836 ließ Erzbischof Otgar von Mainz die Gebeine des hl. Severus von Ravenna in dieses Kloster überführen, womit die Patrozinien der Kirche erklärt wären. Aber von wem die Kirche tatsächlich gegründet wurde bleibt unklar.
Erst später 1079/80 tauchte die Kirche namentlich wieder auf, als sie bei der Eroberung der Stadt Erfurt durch Heinrich IV. in Brand gesteckt wurde.
Ab Mitte des 12. Jahrhunderts entstand die Kirche nach einem Brand im romanischen Stil neu und wurde zwischen 1278 bis etwa 1400 als vierjochige, fünfschiffige Halle mit zwei Querschiffen errichtet. Flankiert wird die Kirche von zwei Osttürmen. Offensichtlich wird durch die beiden Chöre dem Doppelpatrozinium St. Paul und St. Severin Ausdruck verliehen.
Wie immer bei meinen Kirchenbesichtigungen lasse ich erst einmal den Gesamteindruck in zwei Blicken auf mich wirken – zum Hochaltar, und der Blick nach hinten. In dieser Kirche zur Orgel (die ja nicht zwangsläufig in jeder Kirche so angeordnet sein muss.)
Der nächste Blick fällt dann links neben dem Eingang auf den um 1360/70 geschaffenen Sarkophag des Namenspatrons der Kirche, St. Severin. 836 wurden über Mainz nach Erfurt die Gebeine des Hl. Severus überführt und in dem Vorgängerbau der Kirche beigesetzt und verehrt worden. Auch das Grabmal hat eine bewegte Reise innerhalb der Kirche hinter sich, bevor 1948 alle Teile wieder zusammengefügt an der jetzigen Stelle aufgestellt wurden. Der Sarkophag zählt zu den künsterlisch bedeutendsten Stücke der Severikirche. Die Reliefplatten, die Szenen aus dem Leben und Wirken des Hl. Severus und die Anbetung der Hl. Drei Könige darstellen, wurden etwa zwischen 1360 und 1370 geschaffen.
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Ein beeindruckender Baldachin erhebt sich über dem spätgotischen Taufstein aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und reicht 15 Meter hoch ins Gewölbe der Kirche.
Der spätgotische Marienaltar von 1510 zeigt im schrankartigen Mittelstück die trohnende Gottesmutter Maria. Flankiert wird sie von der hl. Barbara mit dem Kelch und der hl. Katharina mit dem Schwert.
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Als ältestes Kunstwerk der Kirche gilt der kleine Flügelaltar in der kleinen Marienkapelle. „Maria mit dem Kinde“ entstand um 1350.
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Schaut euch jetzt mit mir noch ein bisschen in der Kirche um ….

Habt ihr Lust auf einen Stadtrundgang in Erfurt?
Dann kommt mit! – Stadtrundgang-Teil 1 und Stadtrundgang Teil 2