Meißens Wahrzeichen ist neben dem Porzellan der Burgberg und mit ihm die Albrechtsburg. Der erste deutsche Schlossbau und eines der schönsten Profanbauten aus der Spätgotik.

Ja, wir haben es totz Corona gewagt, unsere Koffer und Fridolin bepackt – es geht wieder auf Tour. Dresden ist als bereits gebuchtes Ziel stehengeblieben, in der Hoffnung, dass im Juni Reisen mit aller Vorsicht wieder erlaubt sind. Der freudige Jubel war bestimmt im ganzen Schwabenländle zu hören 🙂 Immerhin hatte es uns mit unseren Reisen satte fünf Monate ausgebremst. So wie wir es bei (fast) allen unseren Reisen handhaben – auch der Anreisetag bekommt außer dem Standquartier ein Sightseeing-Ziel. Und deshalb stand Meißen, 30 Fahrminuten vor Dresden, auf unserem Plan.

Wenn man Meißen hört, dann bringt man es sofort mit dem Meißner Porzellan in Verbindung. Schließlich hat das edle Pozellan die Stadt weltbekannt gemacht. Aber das war nicht das Ziel unseres Stopps. Wir wollten hoch hinauf – auf den Burgberg. Denn dort steht die Albrechtsburg, gemeinsam mit dem Meißner Dom, dem Bischofsschloss und dem Kornhaus als Höhenburg, und ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Also bekam Lotte die Anweisung „Parkplatz anfahren“ damit Fridolin sich von der langen Fahrt etwas ausruhen kann. Und die wurde auch schnell fündig, lotste uns in ein Parkhaus zu einer …. hmm, wenn sie denn in Betrieb wäre … Schrägbahn zum Burgberg. In Corona Zeiten ist eben alles ein bisschen anders. Kein Problem, dann gehen wir eben nach oben, dachten wir. Aber auch dieses Vorhaben wurde vereitelt. Zumindest von dieser Stelle neben der Schrägbahn, denn der „Historische Rundweg“ zur Burg war wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Also gut, dann eben suchen wo es nach oben geht, die Burg war von unten ja nicht zu übersehen.

Irgendwann hatten wir es geschafft, und die

Besichtigung der Albrechtsburg in Meißen

kann beginnen. Es ging den Burgberg hinauf. Eine Dampflok hätte nicht besser schnaufen können als ich 🙈😂 Aber es gab genug Gründe, immer wieder stehen zu bleiben, denn wunderschön war der Weg nach oben. Und immer die imposante Albrechtsburg im Blick.

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Auf diesem Weg nach oben sieht man aber nur einen Teil von dem, was einen oben auf dem Burgberg tatsächlich erwartet. Steht man dann vor der Albrechtsburg und schaut an ihr hoch, dann fühlt man sich so klein wie David vor Goliath. Die Burg ist ein Teil einer ganzen Burganlage, direkt verbunden mit dem Dom von Meißen.

Reisen bedeutet bei mir/uns, dass ich mich im Vorfeld über unsere Besichtigungsziele informiere; was könnte uns gefallen, was muss man unbedingt gesehen haben – und – gibt es vielleicht auch Sightseeing Sparkarten. Schließlich geht ein Schwabenmädel auf Reisen!! Bei den Recherchen bin ich auf die „Schlösserland Sachsen“ Karte gestoßen, das richtige für uns 🙂 Dazu kann man sie sich bequem aufs Handy laden, mit 10 Tagen Gültigkeit und freien Eintritt ins ganz vielen Schlössern, Burgen und Gärten in ganz Sachsen. Da es uns zeitlich nicht mehr gereicht hat, die Karten per Post zustellen zu lassen und in Zeiten von Apps, die ja kein Problem darstellen und sich easy laden lassen, war es jetzt an der Zeit diese App samt Schlösserland-Karte zu installieren und kaufen. Ratz fatz geht anders, gefühlte tausend Angaben und Wiederholungen sind notwendig, bevor wir uns dann tatsächlich in den Kassenbereich bewegen konnten. Diese Arbeit habe ich gerne meinem Mann überlassen, Zeit für mich, mir die kleinen Details der Fassade anzuschauen.

Jetzt, wie könnte es auch anders sein –

Ein bisschen Geschichte zur Albrechtsburg in Meißen

Klug und wohlbedacht haben sie schon in frühen Zeiten die Standorte für ihre Lager und Burgen gewählt. So auch Heinrich I., der 929 sein Militärlager auf dem Berg ansiedelte, bot der Berg doch von hoch da oben einen guten Überblick wer im Anmarsch ist. Womit er sich auch gut tat, befand er sich doch auf feindlichem, slawischem Siedlungsgebiet. Der Chronist Thietmar von Merseburg berichtete von einem bewaldeten Hügel, auf dem Heinrich I. eine Anzahl von hölzernen Bauten errichten ließ. Seine Burg war entstanden.
950 setzte Kaiser Otto I. einen Marktgrafen ein, der in seinem Auftrag das Land verwaltete und mit Gründung des Erzbistums Magdeburg nahm der Bischof von Meißen dann auch seinen Sitz auf dem Burgberg ein, in unmittelbarer Nähe des Marktgrafen.
Wenn ihr meine Berichte aufmerksam verfolgt, dann kommen euch verschiedene Namen bekannt vor – in Verbindung mit dem Merseburger Kaiserdom. Irgendwie sind die Herren halt überall unterwegs, auch unsere Stauferkaiser, die auch in Meißen wieder mitmischten. Wie so ziemlich jede Burg, hat auch die Albrechtsburg in Meißen ein bewegtes Herrscherleben aus verschiedenen Adelsgeschlechtern. 1089 zog der erste Wettiner Herrscher in der Burg ein und bis ins 12. Jahrhundert konnten sie ihre Landesherrschaft mehr und mehr ausbauen. Mitte des 14. Jahrhunderts verloren gleichrangige Reichsfürsten derart ihre Macht, dass sie sich ins Erzgebirge zurückzogen und 1439 endültig ihre Position auf dem Burgberg aufgaben.

Im 15. Jahrhundert stieg die Wettiner Herrschaft neben dem Kaiserhaus zum bedeutendsten Kurfürstentum auf. 1423 wurde Friedrich IV., der Streitbare genannt, Kurfürst von Sachsen. Seine Enkel, Ernst und Albrecht, die von 1464 bis 1485 gemeinsam über Sachsen und Thüringen herrschten, beschlossen als Zeichen ihrer Macht (und auch ihres Reichtums) eine neue gemeinsame Residenz errichten zu lassen. Mit soviel Platz, dass sie für zwei Hofhaltungen ausreicht. 1471 beauftragten sie den Baumeister Arnold von Westfalen an Stelle der alten Burg das erste deutsche Schloss zu erbauen. Als Residenz gedacht, wurde es jedoch nie von den beiden als solche benutzt. Nachdem 1485 die Regierung der beiden Brüder im Streit aufgehoben wurde, wurde das Land zweigeteilt. Ernst bekam die thüringischen Gebiete, Albrecht, der Albertiner, erhielt die meißnischen Gebiete und das neu erbaute Schloss und gab damit dem Schloss auch seinen Namen „Albrechtsburg„. Als Residenz wurde sie erst von Albrechts Sohn, Georg dem Bärtigen genutzt. Nachdem das Schloss im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt wurde stand es lange Zeit leer.

Leben wurde der Albrechtsburg erst Anfang des 18. Jahrhunderts durch August den Starken eingehaucht. 1708 wurde das europäische Porzellan erfunden und August der Starke ließ 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur im Schloss Albrechtsburg einrichten. Er dachte, hoch auf dem Berg, isoliert und bewacht, ist das Geheimnis der Porzellanherstellung sicherer als in Dresden. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die Manufaktur in ein neu erbautes Fabrikgebäude umsiedelte, stand das Schloss wieder leer. Das triste Schloss mit einem fehlenden Mobiliar sollte durch neu geschaffene Wandbilder aufgepeppt werden. Und so begann 1875 die Ausmalung der Schlossräume, die heute den umfangreichsten Bestand an Historienmalerei in Sachsen darstellt. Und ich hoffe, dass ihr nachher beim Rundgang durch das Schloss vielleicht genauso begeistert über diese Malereien seid, wie ich es war, als ich davor stand.

Nach einer grundlegenden Sanierung wurde das Schloss Ende des 19. Jahrhunderts der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zum Glück, denn ich finde es ist wirklich sehenswert. Wie immer bei meinen Berichten und Fotos ist es nur ein Teil dessen was euch vor Ort erwartet und soll euch Lust auf die Besichtigung machen. Mit 8 € Eintritt wirklich erschwinglich – oder eben im Sparpaket in der Schlösserlandkarte für 24 € für 10 Tage.

Seid ihr bereit? Die Schloßführung beginnt im

Großen Saal der Albrechtsburg in Meißen

Der Erschaffer dieses Schlosses hatte schon ein hochkomplexes Raumprogramm umzusetzen. Im ersten Obergeschoss betritt man zunächst den großen Saal. Zweischiffig ist er angelegt, großzügig an beiden Seiten mit hohen Fenstern, viele Säulen und ein aufwändiges Zellengewölbe. Und – wie schon geschrieben mit riesigen Gemälden. Lasst es auf euch wirken ….

Ein wahrer Hingucker im Großen Saal ist zudem die

Kapelle der Albrechtsburg

Farbenprächtig ist sie ausgemalt, filigran in der Architektur und mit historischen Glasmalereien – und sie kann für Hochzeiten angemietet werden. Wer etwas ganz Besonderes möchte, ist hier richtig.

Besonders war die Kapelle auch in ihrer weiteren Funktion. Das Tor im Kapellenturm ermöglichte den Ein- und Ausgang unabhängig des stadtseitigen Tores. Somit war die Hauptburg zwar eigens gesichert, aber trotzdem mit dem extra befestigten Elbhang verbunden. Im Notfall konnte man hierüber die Burg feldseitig verlassen, ohne dass es jemand bemerkte.

Im nächsten Raum auf diesem Stockwerk,

Die große Hofstube auf der Albrechtsburg

heißt es dann erstmal – Puschen anziehen. In diesen großen Teilen war gehen unmöglich 😂, man rutscht förmlich durch die Räume. Zum Glück nicht auf dem Hosenboden.

In dieser großen Hofstube hielt sich die Gesellschaft bei Hofe Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts üblicherweise auf. Hier wurden auch zweimal täglich die Mahlzeiten vom männlichen Hofstaat inklusive Fürsten eingenommen. Ein großer Kachelofen beheizte den Raum, im Gegensatz zum Großen Saal der unbeheizt blieb. Zwischen beiden Räumen, da wo die Puschen liegen, liegt über der Verbindungstüre eine Musikantenempore. Geschickt gelöst, denn so konnte man bei Bedarf und größeren Festen beide Räume bedienen. Um diese beiden großen Räume gruppierten sich eigenständige Wohnräume. 1773 zerstörte ein schweres Feuer diesen Saal immens. 1864 erlangte der Saal jedoch in einer vollständigen Renovierung der Albrechtsburg wieder seine alte Schönheit.

34 Meter lang und 13,5 Meter breit ist dieser beeindruckende Saal. Herrscherfiguren, samt König Heinrich I., der Wettiner oder Johann Georg II., Kurfürst zu Sachsen haben hier ihre Plätze. Wunderschöne Historienbilder und -texte zieren die Wände. Ein Saal, dem man Zeit geben darf ihn zu erkunden. Und dass Restaurierungen in diesen ‚alten‘ wunderschönen Gemäuern immer notwendig sind, war an den beiden fleißigen Restauratoren auf ihren hohen Gerüsten sichtbar.
Mein Fotografenherz hat in der ganzen Besichtigungszeit auf Schloss Albrechtsburg vor Freude gehüpft, es waren, trotz Nachmittag, wenig Besucher in den Räumen – keeeeein schmückendes Beiwerk 🙂 🙂 – aber trotzdem fühlte ich mich etwas beobachtet. An was das wohl liegt? 🙂

Rutschend geht es dann weiter –

Die kleine Tafelstube auf der Albrechtsburg in Meißen

Wieder das ‚kleine‘ Besondere, der Raum wird auch als Standesamt genutzt. Und was würde als Gemälde in diesen Raum besser passen, wie die Hochzeit zwischen Albrecht und seiner Braut Zedena. Wunderschön auch die kleinen Details an den Möbeln ….

Und jetzt hinauf in den zweiten Stock, durch unzählig viele Räume. Einen Raum möchte ich euch noch genauer vorstellen

Der Wappensaal in der Albrechtsburg

Mit seiner Helligkeit und dem außergewöhnlichen Schlingrippengewölbe ist er einer der schönsten Säle der Albrechtsburg. Er stammt aus der letzten Bauphase von 1521-24 und wurde für Herzog Georg den Bärtigen geschaffen. Wappenweibchen zeigen in den Schilden die Wappen von Thüringen, Sachsen, Meißen und Landsberg. Im Schlussstein an der Decke sind alle Herrschaftswappen der Wettiner vereint. 1838 arbeiteten Dreher der Porzellanmanufaktur in diesem Raum, der ehemals ein prunkvolles Schlafzimmer war, an 16 Töpferscheiben.

Kommt ihr noch mit durch die Räume im zweiten Stock? Ich kann euch beim besten Willen mit meiner Begeisterung nicht verschonen –

Details aus der Albrechtsburg in Meißen

Die Fotos sind nur ein Teil dessen, was ihr alles auf der Albrechtsburg entdecken könnt. Die herrlichen Wandbilder, die alten Türen und Tapeten … ich kann euch einen Besuch der Albrechtsburg auf dem Burgberg, der noch einiges mehr zu bieten hat, wirklich empfehlen. Plant euch genügend Zeit ein, denn auch der Dom zu Meißen, den wir anschließend besucht haben, der gesamte Burgberg und die Altstadt von Meißen sind sehenswert.

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Leider hat Lotte nach unserer Gesamtbesichtigung von Meißen meinen Wunsch nicht verstanden ‚Führ mich zu der Stelle, von wo ich einen tollen Blick auf die Albrechtsburg und den Burgberg habe‘. Sie führte uns geradewegs ohne Umwege aus der Stadt, weiter Richtung Dresden, ohne uns nochmal einen Gesamtblick zur Albrechtsburg zu gönnen.

 

So kommt ihr zur Albrechtsburg in Meißen