Keine andere Stadt bietet in der Innenstadt ein so geschlossenes, einzigartiges System an Passagen oder Durchhöfen wie Leipzig.

Einfach blindlings durch Leipzig laufen wäre wie ein Flummi von einer Wand zur anderen fliegen. Bietet diese Stadt doch immens viele Sehenswürdigkeiten und interessante Flecken. Und da wir den Anspruch hatten (und auch nur die Zeit) Leipzig ‚im Groben‘ an einem Tag kennenzulernen, gingen wir nach System und mit Hilfe eines Reiseführers vor. Allein Leipzigs einzigartige Passagen und Durchhöfe alle zu entdecken wäre eine Tagestour. Ich habe 31 Passagen gezählt (keine Gewähr auf Vollständigkeit), würde man sie denn alle besuchen. Da sie architektonisch völlig unterschiedlich und mit ihren historischen Formen einzigartig sind, hat es Leipzig allein damit geschafft, auf unsere ‚da will ich nochmal hin‘ Liste zu kommen.
Einige der Passagen möchte ich euch aber in diesem Bericht vorstellen.

Der erste Leipziger Handelshof wurde im Zeitraum von 1530-1538 Heinrich Stromer von Auerbach errichtet. Gehen wir aber noch ein bisschen weiter zurück. Da Leipzig an der Kreuzung wichtiger Handelswege vie der Via Regia und der Via Imperii lag, gibt es bereits im 12. Jahrhundert schriftliche Belege, dass in Leipzig Jahrmärkte stattfanden. In einem ‚Stadtbrief von Markgraf Otto dem Reichen wurde belegt, dass im Umkreis von 15 Kilometer um die Stadt kein weiterer Jahrmarkt, der der Stadt Konkurrenz machen würde, abgehalten werden durfte. Damit war die Leipziger Messe, deren Gründungsjahr um 1165 angegeben wird, rechtlich gesichert. 1268 stellte Markgraf Dietrich von Landsberg sogar das Geleitschutzprivileg aus. „Allen Kaufleuten, die in Leipzig Handel treiben wollen oder Warenlager besitzen, wird absoluter Schutz gewährt, auch wenn der Markgraf mit ihren Herren in Fede liegt.“

1497 bestätigte der römisch-deutsche König Maximilian I. drei Leizpziger Märkte und erhob sie damit zu Reichsmessen. Gleichzeitig wurde damit die Entwicklung geschaffen, die Stadt zur mitteldeutschen Handelsmetropole zu machen. In einem zweiten Privilegium, das Maximilian I. 1507 besiegelte, schaffte er das Aus von weiteren Märkten im Umkreis von 15 Meilen (ca. 115 Kilometer) um Leipzig, und damit das Aus von etablierten Märkten wie z.B. in Erfurt oder Magdeburg). Alle Reichsstraßen für Warenzüge von und nach Leipzig mussten zudem offen gehalten werden. Somit entwickelte sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich zu einer der bedeutendsten Handelsplätze Europas.

Mit der Erschaffung des Auerbachs Hof als Durchgangshof wurde eine herausragende Bedeutung geschaffen. Denn ein solcher Durchgangshof hatte den Vorteil, dass Gespanne nicht wenden mussten und durchfahren konnten und er zudem Schutz vor Wind, Hitze und Nässe bot. Bereits zu dieser Zeit boten in bis zu 70 Kaufgewölben, in mehreren unterschiedlichen Gebäuden vereint, die Händler vor allem Luxusartikel an. Den Auerbachs Hof aus dieser Zeit gibt es nicht mehr, ersetzt wurde er durch die

 

Mädlerpassage

Mädlerpassage Leipzig

Den Namen erhielt das fünfstöckige Passagenmessehaus durch Anton Mädler, der es von 1912 bis 1914 an der Stelle des Auerbachs Hof errichten ließ. 140 Meter ist sie lang und 5-7 Meter breit – Leipzigs Edeleinkaufsmeile. Die Passagenarme treffen in der 15 Meter hohen Glaskuppel zusammen. Da ursprünglich in der Passage neben Wein mit Porzellan, Keramik und Steingut gehandelt wurde, hängt dort seit 1969 ein Glockenspiel aus Meissener Porzellan, das zu jeder vollen Stunde Melodien spielt.
Edel wirkt sie, besonders jetzt auch zur Weihnachtszeit.

Aus damaliger Zeit blieb aber die weltbekannte und traditionsreichste Gaststätte Leipzigs erhalten, der

Auerbachs Keller

Durch Goethes Faust ist er weltberühmt geworden, und schon 1600 hat der Leipziger Gelehrte Taubmann ausgesagt, dass wer zur Messe nach Leipzig gereist ist und nicht in den Auersbacher Hof gekommen sei, dürfe nicht sagen, dass er in Leipzig gewesen sei. Dies haben wir uns natürlich zu Herzen genommen. Nicht dass wir nachher nicht sagen dürfen, wir waren in Leipzig 🙂 Es gibt Führungen durch das Gebäude, denn Lutherstube, das Goethezimmer und der berühmte historische Fasskeller und der Hexenkeller sind auch durch den Neubau erhalten geblieben. Wir wollten uns dieser Führung nicht anschließen, war doch unsere Zeit an diesem Tag sehr eng bemessen.

Unübersehbar sind am Eingang des Kellers und am Anfang der Mädlerpassage die zwei großen bronzenen Figurengruppen. Faust und Mephisto sind auf der einen Seite zu sehen, die raufenden Studenten auf der anderen Seite. Goethe war während seines Studiums in Leipzig von 1765-1768 oft in Auerbachs Keller anzutreffen.

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Speck’s Hof

Gegenüber der Nikolaikirche ist der Eingang zu dieser Passage. Sie ist die älteste erhaltene Passage in Leipzig und wurde zwischen 1908 und 1929 in drei Bauabschnitten erstellt. Zuvor stand an dieser Stelle ein Kaufhof des Freiherrn von Speck. Sehr bemerkenswert in dieser Geschäftspassage sind die drei Lichthöfe, die durch Passagen miteinander verbunden sind. Nichtkenner der Leipziger Innenstadt stehen so ganz schnell in einer anderen Straße, wo sie vielleicht gar nicht hinwollten.

Im ersten Lichthof ist der Wandfries aus Meissener Porzellan sehenswert. Er zeigt die Vorgängerbauten von Speck’s Hof. In der anderen Passage sieht man kupfergetriebene Figuren über dem Erdgeschoss und Natursteinskulpturen aus der griechischen Götterwelt. Ich war mal wieder als Hans-guck-in-die-Luft unterwegs …

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Oelßner’s Hof

Wenn eine Passage erzählen könnte, dann würde diese ganz viel zu erzählen haben, denn die Geschichte des Oelßner’s Hof geht weit zurück. Grundstücke der Nikolaistraße und der Ritterstraße sind in diesem Hof miteinander verbunden und die Geschichte beginnt bereits 1666 mit Hans Zothe, der in der Nikolaistraße seine Werkstatt hatte. Der Kaufmann Johann Gottfried Quandt erwarb 1748 sein Grundstück und auch Wilhelm Oelßner war durch seinen Pelzhandel nicht unbetucht. Er vereinigte den Quandts Hof 1896 mit den Nachbargrundstücken zum Oelßners Hof, der zum Schwerpunkt im Pelzhandel wurde.

Der Oelßner’s Hof wurde beim Bombenangriff im Dezember 1943 auf Leipzig schwer beschädigt und stand auch nach der Wende viele Jahre leer und war dem Verfall preisgegeben. Er wurde jedoch durch einen Kauf gerettet und denkmalgerecht saniert. Kunstgeschmiedete Tore führen in den Hof der vierstöckigen Bauten im reich verzierten neobarocken Stil. Die Seitengebäude sind in der Mitte des Hofes über eine doppelstöckige Brücke miteinander verbunden.

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Jägerhof

Einen kurzen Blick hat der Jägerhof von mir bekommen, hebt er sich doch etwas von den bisher gesehenen Passagen ab. Die unter Denkmalschutz stehende Passage führt in drei hintereinanderliegende Innenhöfe, die durch Gänge miteinander verbunden sind. Damit kommt die Passage auf stolze 123 Meter Gesamtlänge. Die Wände der Gebäude in den Innenhöfen sind mit weißen Keramikfliesen belegt, ebenso der Boden.
Die Geschichte der Vorgängerbauten des Jägerhofs gehen bis 1895 zurück. Von 1911-1914 ließ Carl Hermann Jäger das Messehaus an der Hainstraße errichten. Auf angrenzenden Grundstücken erweiterte er ein paar Jahre später mit weiteren Gebäuden, legte die Passagen an die dann zu einem gesamten Gebäudekomplex zusammenwuchsen.

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Möglicherweise sind wir bei unserem Stadtrundgang noch durch einige andere Passagen und Innenhöfe gekommen. Allein schon die oben beschriebenen Passagen machen aber Lust darauf, tatsächlich nur die Passagen und Durchhöfe in Leipzig zu entdecken.
Wir bleiben dran. Und ihr schaut von Zeit zu Zeit bei mir auf dem Blog vorbei um dabei zu sein. 🙂

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