Knapp unterhalb des Kehlsteingipfels steht das Kehlsteinhaus auf 1834 m Höhe in den Berchtesgadener Alpen. Es wurde 1937 bis 1938 von der NSDAP als Repräsentationsgebäude errichtet.

Schon in Vorbereitung auf unser Wochenende in den Berchtesgadener Alpen habe ich das Kehlsteinhaus auf unsere Ausflugsliste gesetzt. Zum einen, weil die Beschreibung einen fantastischen Rundblick über die Alpen verspricht – und zum anderen, mit dem geschichtlichen Hintergrund an eine menschenverachtende NS-Diktatur. Es war eine Fahrt mit dem Gefühl ‚was erwartet uns da oben?‘

Am Vortag wurde uns von mehreren Seiten angeraten, sehr früh an den Busparkplatz zu fahren um lange Wartezeiten zu vermeiden. Der Andrang auf dem Parkplatz war um halb 10 Uhr schon beachtlich. Rückblickend und den ganzen Ablauf beobachtend würde ich sagen, es geht nicht so sehr um die Wartezeiten für die Fahrt zum Kehlsteinhaus, sondern um einen Parkplatz zu ergattern. Mit dem Auto geht es von Berchtesgaden steil hinauf auf den Obersalzberg zu den Parkplätzen. Hier wechselt man in einen der Busse, die alleinig auf der Kehlsteinstraße hinauf zum Haus fahren dürfen. Der Fahrpreis (hin/zurück + Lift) von ca. 17,00 €/Person lohnen sich, die Busse fahren ca. alle 20 Minuten.

Schon allein die Fahrt nach oben wird zum Erlebnis. Auf einer Länge von 6,5 km mit einem Höhenunterschied von 700 m fahren die Spezialbusse steil nach oben – nur mit einer Kehre und durch fünf Tunnel. Die Bauarbeiten für diese Hochgebirgsstraße begannen 1937 und in nur 13 Monaten wurde diese Straße fertiggestellt.

Am großen Busparkplatz unterhalb des Kehlsteinhauses angekommen, hieß es als erstes, sich für die Rückfahrt ins Tal für eine bestimmte Uhrzeit zu entscheiden und eintragen zu lassen. Ohne dieses Procedere gibt es keinen Platz im Rückbus. Da zu unserer Zeit nur zwei Busse nach oben gefahren sind (später oft 4-5 Busse im Konvoi) ging dieser Vorgang sehr schnell und wir haben uns auf den Weg zum Aufzug gemacht.

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124 m lang und 3 m hoch ist der Tunnel der zum Aufzug führt. Vor dem Aufzug  (hier und im Aufzug war fotografieren verboten) war ein beeindruckendes Rund aus Granitquadern. Der Aufzug selbst ist voll mit Messing verkleidet und verspiegelt. Dies war für mich, mit dem Tunnel, der erste ‚Wahnsinn‘ Moment – die Kabine ist weitgehend original und fährt in nur 41 Sekunden nach oben.

Es ist schon ein etwas eigenartiges Gefühl, nun in dem Haus zu sein, das 1938 für Hitler als Rückzugs und Repräsentationsort gebaut wurde. Ein Ort, der landschaftlich wunderschön liegt – und doch diesen Beigeschmack dieses NS-Regimes trägt. Während der gesamten Bauzeit wurden wohl die Aktiviäten um das Haus geheim gehalten. Der zentrale Repräsentationsraum war die  achteckige Gesellschaftshalle mit dem Kamin.

Eindrucksvoll wird in der Sonnenterrasse auf 14 Schautafeln die Geschichte um das Kehlsteinhaus erklärt.

Unbeschreiblich waren die gigantischen Ausblicke ringsum auf die Alpen. Als ich auf einer kleinen Plattform meiner Begeisterung Ausdruck verleihte, meinte ein Ehepaar „Wir sind jetzt seit 10 Tagen hier unterwegs. Aber dieser Ausblick toppt alles, was wir bisher gesehen haben.“
Ich stand wortlos da oben, begeistert knipsend und dankbar, diesen herrlichen Flecken Erde genießen zu dürfen.

Der erste Blick fiel auf den Königsee, rechts davon der Watzmann und links der Jenner, auf den eine Seilbahn führt.

Weiter geht der Blick zum Hohen Göll. Dieser Berg ist mit 2522 m der höchste Gipfel am Ostrand der Berchtesgadener Alpen. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Der Blick auf den Jenner.
Die Talstation ist in Königsee am Königsee.

Kehlsteinhaus, Jenner
Kehlsteinhaus, Jenner

Und jetzt der Blick nach Österreich …
auf den Untersberg und Richtung Salzburg.

Und nach der anderen Seite der Blick ins Österreich.

Aber nicht nur der Blick auf die Berge ringsum faszinierten mich. Es war Natur pur hier oben …. ein mancher lief achtlos daran vorbei.

Zum Gipfelkreuz schaffte man es in ca. 20 Minuten vom Kehlsteinhaus. Anbetrachts der extremen Hitze die wir an diesem Tag hatten, haben wir auf diese Tour verzichtet und uns vor der Rückfahrt unter die schattenspendenen Sonnenschirme des Bergrestaurants verzogen.

Ca. 10 Minuten vor der gewählten Abfahrtszeit heißt es, sich am Busparkplatz einzufinden.
Ein letzter Blick von unten hinauf zum Kehlsteinhaus (von dem auch ein Weg hinab zum Parkplatz führt), um dann wieder sicher bei meinem ‚Fridolin‘ auf dem Obersalzbergparkplatz anzkommen.

Mehr Informationen zu diesem imposanten Bauwerk, das übrigens zu den Top 100 Sehenswürdigkeiten in Deutschland zählt, und zu seiner Geschichte könnt Ihr hier nachlesen: https://www.kehlsteinhaus.de/

Kehlsteinhaus