Das größte Denkmal in Europa und eines der Wahrzeichen Leipzigs – das imposante Völkerschlachtdenkmal, das zur Erinnerung an die Völkerschlacht erstellt wurde.

Ein Tag in Leipzig im Rahmen unseres Aufenthaltes in Sachsen-Anhalt, und dass neben der Stadt auch der Besuch des Völkerschlachtdenkmals dazu gehört, war für uns klar. Ja, es ist gar nicht so einfach Leipzig an einem Tag zu erkunden, zumal im Winter. Verkürzte Öffnungszeiten aller Denkmäler, die Nacht macht sich bereits ab 16 Uhr schon bereit – kurz nach 14.30 Uhr haben wir Fridolin, der brav auf einem Parkplatz neben dem Bahnhof gewartet hat, abgeholt. Mit Stopp and Go ging es in 15 Minuten hinaus zu dem riesigen Denkmal. Es gab eine sehr überschaubare Anzahl an Autos mit Gleichgesinnten und fast im Laufschritt ging es Richtung Kassengebäude, das verschwindend klein neben dem riesigen Koloss stand.Für 8 € Eintritt bekamen wir bis 16 Uhr Einlass.

Man muss sich ein bisschen mit diesem Denkmal befassen um es verstehen zu können. Wenn man über den breiten Zugangsweg auf das Denkmal zugeht, erscheint es wuchtig groß. Wieeee groß die 91 Meter tatsächlich sind, erkennt man wenn direkt davor steht. Die Geschichte, die das Völkerschlachtdenkmal spiegelt, lässt das große Wasserbecken davor in einem anderen Symbol erscheinen – der See der Tränen. Und schaut man genauer hin, wenn sich das Denkmal im Wasser spiegelt – man erkennt ein Kreuz.

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Die Eingangstüre verschwindet fast unter der über 11 Meter hohen Statue des Erzengels Michael, der mit dem Schild der Kreuzritter, dem Flammenschwert und dem Adlerblick die Besucher anschaut. Zu beiden Seiten ein Relief mit einer Schlachtenszene.

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Das symbolische Grabmal für die Toten der Völkerschlacht hat in allem überdemisonale Außmaße. An der Außenseite der Kuppel halten 12,5 Meter hohe Ritterfiguren, gestützt auf ihr Schwert, Totenwache.
Damals, vom 16.-19. Oktober 1813 kämpften bei Leipzig in der größten Schlacht vor dem 1. Weltkrieg über 510.000 Soldaten gegen die Truppen Napoleons. Diese sogenannte Völkerschlacht wird als die wichtigste Schlacht der Befreiungskriege gegen die Franzosen gesehen. Die traurige Bilanz dieser Schlacht waren über 100.000 Toten und Verwundete auf dem Schlachtfeld.

Bereits kurz nach der Schlacht gab es die ersten Pläne für ein Denkmal. Die Sachsen, die in dieser Schlacht jedoch auf der Seite von Napoleon standen, und dafür auch empfindliche Einbußen hinnehmen mussten, waren von einem Denkmal über die eigene Niederlage weniger begeistert. 100 Jahre nach dem Sieg wurde das Denkmal 1913 mit Vertretern deutscher Fürsten und der Herrscherhäuser von Schweden, Russland und Österreich eingeweiht.

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Im Oktober 1898 wurde der Grundstein für dieses gigantische Bauwerk gelegt. Die Ausschachtungen für die Fundamente, die bis 4,75 m unter Straßenniveau liegen, dauerten fast zwei Jahre. Über 82.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt. Der Bau des 300.000 Tonnen schweren Denkmals kosteten ca. 6 Millionen Mark, was heute rund 49 Millionen Euro entspricht. Das muss ja erstmal finanziert sein. 26 Lotterien wurden speziell für dieses Projekt eingerichtet und Spenden füllten das Konto weiter auf. Großzügig war hier auch u.a. der Bauherr selber.

Der Rundgang im Völkerschlachtdenkmal beginnt für uns im Fundamentbereich. Wahnsinn ….. diese gewaltigen Fundamente und Säulen erstellen, einfach gigantisch!!

Über einen Aufzug gelangt man zur Krypta, ein kreisrunder, 23 Meter großer Raum, der in gedämpftem Licht das tiefer liegende Grab der in der Völkerschlacht gefallenen Soldaten darstellt. Acht Pfeiler umrunden die Krypta und vor jedem Pfeiler stehen zwei Ritter die Totenwache halten.

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Zwei Etagen nach oben und der Aufzug hält in der Sängergalerie. Mein Sportprogramm kam etwas später zum Tragen. Insgesamt können in den inneren und äußeren Treppenanlagen rund 500 Stufen überwunden werden.

Von der Sängergalerie hat man wunderschön den Blick nach unten und nach oben.
Nach unten zur Ruhmeshalle mit seinen vier gut 10 Meter hohen Steinfiguren – und nach oben in die Kuppelhalle. In elf Kreisen sind 324 fast lebensgroße Reiter abgebildet, die abwechselnd mal in die eine oder andere Richtung reiten.

Tja, eigentlich wollten wir jetzt in die Ruhmeshalle hinunter um die großen Figuren näher anzuschauen. Also wieder zurück in den Aufzug. Aber es ging nur noch weiter nach oben zur Aussichtsplattform. Vorsichtig bin ich nach draußen, denn da ich nicht mehr schwindelfrei bin und ich bei anderen Reisen dieses Jahr deshalb den Rückzug angetreten hatte, musste ich erstmal ’schnuppern‘. Aber es ist überhaupt nicht schlimm da oben, außer, dass mir der Wind ein bisschen heftiger ums Näschen ist als unten. Aber wenn ihr dort seid, dürft ihr die Plattform auf keinen Fall auslassen, bietet sich doch nach allen Seiten ein toller Blick über Leipzig und das Umland.

Und jetzt kommt mein Sportprogramm in Gang – sehr zum Leidwesen meines Mannes. Ach was, habe ich großzügig gesagt, runter brauchen wir nicht den Aufzug, die paar Treppen ….
Ich habe wohl im ersten Blick ausgeblendet, dass es eine Wendeltreppe ist – und gedacht, dass es nur ein paar Stufen nach unten in die Ruhmeshalle geht. 🙈 Meinem Mann ging es jetzt, im wahrsten Sinn des Wortes ‚an den Kragen‘ – naja, ich meine, irgendwo musste ich mich doch festhalten, damit ich bei der Wendeltreppe nicht den Drehwurm bekomme, oder? 🤷‍♀️ Er fand es nicht wirklich lustig! Er meint, ich hätte ihn fast erwürgt 🤔 Aber – er liebt mich noch immer!
Aber wenn wir dachten, wir kommen in der Ruhmeshalle raus, dann haben wir uns gründlich getäuscht. Als wir endlich zur Türe raus konnten, waren wir – in der Krypta. Hmm …. neuer Versuch und nochmal über den Aufzug hoch – wieder Ausstieg Sängergalerie.

🙈 Ja, manchmal wäre Lesen von Vorteil, irgendwann sahen wir es auch – Zugang zur Ruhmeshalle nur über die Außentreppe. Hach ja, war ja nicht das erste Mal in diesem Urlaub, dass wir den Eingang gesucht haben …..

Mit einem innerlichen Augenrollen haben wir es dann aber geschafft, wir waren in der Ruhmeshalle. Und die muss man so richtig auf sich wirken lassen.
Zwischen den vier großen Buntglasfenster trohnen die jeweils fast 10 Meter hohe Statuen der Totenwächter. Sie stellen die Tugenden des deutschen Volkes in den Befreiungskriegen dar. In der Reihenfolge wie ihr die Fotos jetzt seht verkörpert die erste Statue die Glaubensstärke. Ein Vater gibt seinem in seinen Schoß gesunkenem Sohn Zuflucht und Halt. Er bewahrt auch im Unglück eine gottergebene Fassung.

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Die Volkskraft verkörpert eine Mutter in hingebender Liebe zu ihrem Zwillingspaar.

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Die Tapferkeit, als Sinnbild des deutschen Heldentums, symbolisiert ein kampfbereiter Recke. Mit seiner Gebärde zeigt er die Fähigkeit, mit aller Kraft und Wucht gegen die Übermacht des Feindes aufzutreten.

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Die vierte überlebensgroße Statue symbolisiert die Opferbereitschaft. Wer irgendwie konnte, zog ins Feld (sogar Frauen) um damit höchste Wertschätzung dem Vaterland zu zollen.

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Ja, das sind schon gigantische Außmaße und ich hab mich so klein gefühlt wie eine Ameise vor einem Elefanten. Lange haben wir uns in der Halle aufgehalten, es gibt auch so viel zu entdecken. Und die aufkommende Abendsonne tat ihr übriges dazu, die durch die bunten Glasfenster herrliche Spiegelungen erzeugte.

Fast mit den letzten Besuchern haben wir das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig verlassen, um Fridolin abzuholen, der jetzt fast ganz verlassen auf dem übergroßen Parkplatz stand. Ja, eigentlich haben Reisezeiten, wo kaum ein Mensch ‚hinterm Ofen‘ hervorkommt, wirklich ihren Reiz. Die untergehende Abendsonne hat uns begleitet.