Auf der südlichen Seite von Florenz lädt der Rosengarten (Giardino delle Rose) an einem Hügel als lauschiges Plätzchen zum Entspannen ein. Gratis gibt es dazu herrliche Blicke über die Stadt Florenz.

An diesem Nachmittag war unser ausschließliches Ziel die Seite über dem Arno, Oltrarno. Um genauer zu sein, es zog uns in eines seiner drei Quartiere: San Niccolò. Die Stadtteile von Florenz werden als Quartiere bezeichnet, von denen es ursprünglich im Mittelalter nur vier gab. Drei davon lagen nördlich vom Arno, der Fluß, der die Stadt in Nord und Süd teilt, einer lag im Süden. San Niccolò zieht sich vom Fluß hinauf bis zur Basilika San Miniato al Monte, die das erstes Ziel unserer Besichtigungsrunde war. Nach der Kirche San Salvatore al Monte war unser Hauptziel dann der Piazzale Michelangelo. In sämtlichen Beschreibungen von Florenz ist es DER beste Platz für eine Weitsicht über die Stadt und um den Sonnenuntergang über Florenz zu erleben.

Hab ich euch schon gesagt, dass ich in manchen Moment hoffnungslos romantisch bin? Vor allem was Sonnenuntergänge betrifft. Es gab für mich vor vielen Jahren nichts Schöneres, als mit dem Boot aufs Meer zu fahren, oder am Strand zu sitzen und vor Ibiza den Sonnenuntergang zu beobachten. Fast hätte man es zischen hören, wie die Sonne im Meer versank. Das kann natürlich hier bei Florenz nicht passieren, denn da verschwindet sie hinter den Hügeln, die die Stadt umgeben. Tja, da ging aber nach den beiden Kirchenbesichtigungen in unserer Zeitplanung gewaltig was schief, oder war es in meinen Recherchen?

Zum einen haben wir viel weniger Zeit für die Kirchenbesichtigungen gebraucht als gedacht, zum anderen entpuppte sich der Piazzale Michelangelo als ein leerer Platz, auf dem ein paar Straßenverkäufer ihre Stände aufgebaut hatten und Michelangelo das ganze Treiben und die Touristen beobachtete. In solch einem Moment sah ich mich mit einer Haftnotiz versehen: Inge, du musst BESSER recherchieren. Denn in meiner Vorstellung war dieser Platz eine Piazza, um die es kleine Lokale gibt, wo man sich aufhalten konnte,  so wie auch die großen und kleineren Plätze in der Stadt. Pustekuchen, nix wars. Nach einer kurzen Erholungspause – Leute wir hatten gut über 35 Grad! – waren wir zeitmäßig aber noch lange entfernt vom Sonnenuntergang 🙈🙈

Nein, so lange konnten und wollten wir uns die Zeit dort oben ohne wirklichen Schatten nicht vertreiben. Wir sind ja flexibel, denn es kam dann auf den Plan, was wir davor wegen der Hitze gestrichen hatten –

ein Bummel durch den Rosengarten (Giardino delle Rose) über Florenz

Denn nach kurzer Befragung von ‚Lotte‘ gab sie grünes Licht, dass wir über den Garten wieder hinunter in die Stadt kommen. Wir haben es ja ganz geschickt gemacht, und uns mit dem kleinen Stadtbus nach oben bringen lassen, um den Berg hinunter zu laufen. 😉

Nur wenige Schritte unterhalb dem Piazzale Michelangelo führt eine kleine Tür in den Garten. Man sollte sie nicht übersehen, es ist der einzige Eingang von oben in den Garten. Bereits am Anfang bekommt man einen Vorgeschmack auf das, was einen erwartet – eine Duftoase, die natürlich nur dann explodiert, wenn die Königin der Blumen in ihrer Blütezeit ist.

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Bergab schlängelte sich der Weg durch die Rosenbüsche. Bis zum ersten Highlight im Garten, erzähle ich euch etwas

über die Entstehung des Rosengartens im Quartier San Niccolò in Florenz

Früher, ganz früher war es einfach nur ein Hügelland das den Mönchen gehörte. Wer und warum dann auf die geniale Idee gekommen ist, aus diesem Hügelland, das auch „Podere San Francesco“ (Feld des Hl. Franziskus) genannt wurde, etwas einmaliges zu schaffen, konnte ich nicht herausbekommen. Auch nicht, ab wann Attilio Pucci Besitzer dieses Landstrichs wurde. Fakt ist aber, er hatte die geniale Idee, dort einen Rosengarten entstehen zu lassen.

Oder war es vielleicht doch die Stadt Florenz? Andere Überlieferungen sprechen nämlich davon, dass 1865 die Stadt den Auftrag für den Garten gegeben hat, aus Freude darüber, dass Florenz die Hauptstadt Italiens wurde. Egal wer auch immer es war, der Florentiner Architekt Guiseppe Poggi bekam den Auftrag, den Hügel über Florenz umzugestalten. Es entstand der Piazzale Michelangelo und der Rosengarten am Hang nach französischem Vorbild.

1895 wurde der Rosengarten mit einem Fest der Blumen und Künste für die Bevölkerung geöffnet, und ist heute nicht nur für die Touristen ein ‚Entfliehen‘ aus der Stadt, sondern auch für die Einheimischen. Überall am Hang waren an unserem Besuchstag Decken auf den Rasenflächen zwischen den Rosensträuchern ausgebreitet.

Quer durch den Garten stehen verteilt stehen

Skulpturen von Jean-Michel Folon im Rosengarten von Florenz

Für Werke von dem berühmten belgischen Bildhauer (1934-2005) kann man locker auch schon mal 50.000 € über den Tisch schieben. Nach seinem Tod hat seine Witwe der Stadt für den Rosengarten einige seiner Werke überlassen.

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Auch wenn alles so scheinbar lässig hingepflanzt erscheint – alles hat ein System im Rosengarten. System hat auch das Bewässerungssystem und die Rohrleitungen, die die Rosenbüsche und Pflanzen im Garten am Leben erhalten. Denn es gibt ja nicht nur Rosen im Garten, sondern viele

verschiedene andere Pflanzen und Blumen im Rosengarten von Florenz

Insgesamt über 1000 sollen über den Hang verteilt wachsen und blühen. Davon sind allein 400 verschiedene Rosensorten zu bewundern.

Über so ein Leitungssystem werden auch

die Brunnen im Rosengarten über Florenz

mit Wasser versorgt. Hach ja, Brunnen – Wasser, in mir kommt das Wasser- und Spielkind mit meiner ‚Emma‘ hoch 😀

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Man kann sich unschwer vorstellen, dass dieser Garten die perfekte Kulisse für Veranstaltungen bietet. Bei unserem Besuch war eine Band bei den letzten Proben und Vorbereitungen für ihren Auftritt. Aber auf gut Glück hier im Garten bleiben? Wir durften schon bei einer Veranstaltung in der Stadt erleben (und ich weiß es aus früheren Reisen nach Italien), dass die Italiener erst spät, so um 21 Uhr ihre Veranstaltungen beginnen.

Spontan fallen mir da auch Fußballspiele ein, die erst spät am Abend stattfinden. Unsere Wohnung auf Zeit lag zwar in einem Wohnviertel, was nicht ausschließt, dass dort auch Fußballplätze sind. Eines Abends ging ein Gegröhle los, Sprechchöre und Trommeln setzten ein … direkt hinter dem nächsten Wohnhaus sahen wir Flutlicht und eine Zuschauertribüne. Kurz vor Mitternacht ging dieses Spiel zu Ende. Wir haben es auch schon am Gardasee so erlebt 😀 Ich liebe dieses Feeling, typisch italienisch eben.

Weiter den Hang abwärts, gibt es einen

Blick auf Florenz vom Rosengarten

in einer Kulisse, die mir doch kurzfristig den Atem nahm. Und das nicht nur wegen dem betörenden Rosenduft, die die Sträucher hier verströmten. Ich möchte nicht wissen, wie viele Heiratsanträge in diesem Umfeld schon gemacht wurden? Blick frei auf den Dom von Florenz mit seinem Campanile und dem Baptisterium. Aber nicht nur das kirchliche Zentrum hebt sich hervor, auch das weltliche mit dem Palazzo Vecchio steht dem in nichts nach.

Meine ‚Emma‘ wird zum Spielkind bei dieser Vorlage. Stooooopppp – würde da mein Mann lachend einwerfen. Auch bei der Kamera ist es so wie bei einem Computer, der User bestimmt was gemacht wird 😅😂😂

Ja, ist ja gut, ich gestehe, ich war’s 😀

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Dem Japanischen Garten, in einem Teil des Rosengartens, haben wir nur einen Seitenblick geschenkt. 1998 bekam die Stadt Florenz ein Geschenk der Stadt Kyoto um in einem Bereich diesen Gartenteil anzulegen. Eine große Kiefer soll Glück und Wohlbefinden symbolisieren. Zwar ist der Garten im Karesanui-Stil angelegt, d.h. es ist eine trockene Landschaft mit Steinen, aber bei unserem Besuch waren Teile mit einem rot-weißem Flatterband gesperrt.

Und ganz ehrlich, bei dieser Hitze wollten wir uns jeden unnötigen Schritt sparen. Durch ein kleines Tor ging es hinaus in den Stadtteil San Niccolò, nicht ohne einen Blick Richtung Festung Belvedere zu werfen und zur typisch toskanischen Landschaft, die sich hier bis fast in die Stadt zieht.

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