Herrenchiemsee ist die größte der drei Inseln im Chiemsee. Sie ist nicht so wie die Fraueninsel bewohnt, ihr Ruf hat ihr vor allem das Märchenschloss König Ludwigs II. eingebracht.

Nach zwei Tagen nonstop Regen stand es für uns fest, am ersten trockenen Tag geht es raus auf den Chiemsee. Wenn man bedenkt, dass wir von sechs Tagen vier Tage nonstop Dauerregen hatten, blieb uns auch keine große Wahl. Unser erstes Ziel war die Fraueninsel, und nachdem wir uns von dort verabschiedet hatten, setzten wir das kleine Stück mit dem Schiff hinüber auf Herrenchiemsee.

Schon nach wenigen Schritten erkannten wir – jetzt aber einen Zacken zulegen. An der Information blinkte die letzte Uhrzeit für eine deutsche Führung im Schloß auf, Karten kann man nur am Anleger dafür erwerben – und bis zum Schloß sind es ca. 20 Minuten Fußweg. Also nichts wie los.
Zwei Wege führen zum Schloß, der Sommer- und der Winterweg. Wir haben uns für den Sommerweg entschieden, der (nicht geteert) schön eben durch den Wald führt. Wie wir beim Rückweg, bei dem wir den Winterweg gewählt haben, feststellten, blieb uns so das letzte steile Stück Steigung zum Schloß erspart.

Schon auf den letzten Meter zur herrlichen Parkanlage sahen wir in Entfernung das Schloß.

Ich möchte mir gar nicht vorstellen, welcher Trubel hier an schönen Tagen oder in der Hauptreisezeit herrscht. Mein Fotografenherz ist auf jedenfall in die Höhe gehüpft, als meine Motive so gut wie ohne schmückendes Beiwerk, sprich Menschen, bereitlagen. So gesehen hat ein bewölkter Tag im Mai auch seine Vorteile 🙂

Sei es dem Wetter oder der letzten deutschsprachigen Führung an diesem Tag geschuldet, vor dem Einlaß warteten gerade einmal drei Personen (inklusive uns) auf die Führung. Wir bekamen sozusagen eine Exclusivführung mit vielen Details und Einzelheiten zum Schloß.

So erfuhren wir, dass 1873 König Ludwig II. von Bayern die Herreninsel als Standort für sein neues Schloß erwarb. Vorbild für dieses Schloß ist Versailles, und als grenzenloser Verehrer von Versailles und für König Ludwig XIV. sollte sein Schloss an Glanz und Pomp das des Sonnenkönigs noch übertreffen. Es war der letzte und damit prunkvollste Bau Ludwig II., wurde aber nie vollendet. Nur durch etwa 20 prachtvolle Räume geht die Führung. Teile der im ‚Rohbau‘ liegenden Räume können aber ebenfalls auf dem Weg zum Ausgang besichtigt werden.

Fotografieren ist in den Räumen verboten. Vielleicht auch gut so, denn ich würde mich bestimmt heute noch fotografierend darin aufhalten ob all der Pracht und den kleinen Details wie die Füße der Möbelstücke als Löwentatzen. Ihr könnt Euch aber hier, auch mit Fotos, einen Eindruck verschaffen.
Allein schon das Prunktreppenhaus, sein Paradeschlafzimmer oder die große Spiegelgalerie ließ uns sprachlos dastehen und dieser Pomp ist fast nicht in Worte zu fassen. Entweder Ihr schaut es euch selbst auf Herrenchiemsee an, oder geht auf den Link, dem ein Rundgang durch das Schloß mit Fotos angeschlossen ist.

Noch überwältigt von den ganzen Eindrücken stellten wir beim Verlassen des Schlosses fest, wir waren noch die einzigen Besucher, die sich am Schloß aufhielten.

Und so machten wir uns auf den Rückweg zur Anlegestelle um auf einem der letzten beiden Schiffe einen Platz zu bekommen. Die Insel eignet sich herrlich für lange Spaziergänge und bietet herrliche Ausblicke. In unmittelbarer Nähe des Stegs ist eine der ältesten Klosteranlagen Bayerns, das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift, das 1803 aufgegeben wurde. Interessant zu wissen ist vielleicht, dass hier 1948 das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland ausgearbeitet wurde.

Wir besuchten noch das kleine Kirchlein neben der ehemaligen Klosteranlage und ließen dann bis zur Abfahrt des Schiffes noch die Seele am Uferrand baumeln um dann die Rückfahrt auf dem Chiemsee zu genießen.

Herrenchiemsee