Eine der schönsten Städte am Bodensee – das ist Lindau mit ihrem historischen Zentrum. Ein Urlaub am Bodensee sollte nicht ohne den Besuch der liebenswerten Stadt auf der kleinen Insel zu Ende gehen.

Es war auch für uns klar, dass wir diese Stadt in unserem Kurzurlaub am Bodensee nicht auslassen werden. Vier spontane Tage an unserem schwäbischen Meer. Nach turbulenten und traurigen Monaten davor, haben wir uns ganz spontan zu dieser kurzen Auszeit entschlossen und ebenso schnell noch eine kleine Ferienwohnung im Bodenseehinterland gefunden (was ja im Sommer gar nicht so einfach ist).

Zielstrebig ließen wir ‚Hugo‘ am frühen Vormittag einen der drei großen Parkplätze vor der Inselstadt anfahren. Denn Zufahrt auf die Insel haben nur die Anlieger. Über eine Brücke geht es dann zu Fuß in Richtung Stadt. Auf dem Weg dorthin gab es die ersten Blicke auf den Bodensee und den kleinen Fischerhafen vor der Stadt.

Der Blick auf den Fischerhafen vor Lindau am Bodensee
Der kleine Hafen mit den Sportbooten vor Lindau am Bodensee.
Der Blick auf den Bodensee von der Straße die zur Inselstadt Lindau am Bodensee führt.

Wenn eine Stadt erzählen könnte, dann wäre Lindau am Bodensee sicher vorne mit dabei. Als erstes würde mir die Stadt was husten, dass ich sie in die Kategorie Baden-Württemberg geschoben habe, liegt sie doch auf bayerischem Landesgebiet. Da ich ja schon das Allgäu gespaltet habe – in Bayern und Baden-Württemberg – möchte ich mir das mit dem Bodensee ersparen. Alles auf einem Blick, in einer Kategorie: dem Bodensee. Also, mir ist bewusst, dass die Inselstadt in bayrisch Schwaben liegt 🙂

Offiziell existiert die liebenswerte Stadt seit 882 und da es auf der kleinen Insel ja keine große Ausbreitungsmöglichkeiten gibt, hat sich die Stadt auf dem Festland vergrößert. Die kleine Altstadt bezaubert aber nach wie vor auf der Halbinsel. „Lindau“ bedeutete damals „Insel, auf der Lindenbäume wachsen“. Ja, die wachsen auch heute noch und vermutlich aufgrund dieser Deutung ziert das Stadtlogo ein Lindenblatt.

Damals aber, im 9. Jahrhundert gab es auf der Insel noch keine Stadt, sondern nur ein Frauenkloster. Eine Legende sagt, dass sich die Gründung auf die Rettung von Graf zu Rätien bezieht, der sich damit für die Rettung nach einem Schiffbruch bedankte. Zu den einzigen Überbleibsel dieses alten Konvents komme ich später im Stadtrundgang.

Nach und nach bekamen im Mittelalter die Märkte immer mehr Bedeutung, die in der Zeit um 1079 aber noch auf dem Festland abgehalten wurden. Und wie heute, so war es auch früher – Konflikte waren an der Tagesordnung. Diese haben zu dieser Zeit aber dazu geführt, dass nun der Markt auf die Insel Lindau verlegt wurde, weil dieser dort besser geschützt war. 200 lange Jahre dauerte es dann noch, bis König Rudolf I. Lindau 1275 zur Reichsstadt ausrief.

Lindau im Schnelldurchgang zu erkunden würde ich euch nicht empfehlen, plant euch wirklich Zeit ein, denn es gibt so viele liebenswerte Eckchen und Flecken zu entdecken. Wir haben die Entdeckung der Stadt zunächst mit einem Rundgang am See begonnen, bei dem wir dann am Hafen von Lindau herausgekommen sind – zu „Einmal um die Insel“ nehme ich euch in einem gesonderten Beitrag mit. Jetzt kommt mit mir mit, die Stadt zu entdecken

 

Ein Stadtrundgang durch die Altstadt von Lindau am Bodensee

Der Diebsturm in Lindau

1380 wurde dieser Rundturm mit seinen verspielten Ecktürmchen und farbenfrohen Ziegeln erbaut. So romantisch wie er heute schein, war er aber früher nicht, denn er wurde lange Zeit als Gefängnis der Stadt genutzt. Man kann sich vorstellen, dass bei einem Durchmesser von gerademal acht Metern kein Komfort zu erwarten war. Die Ecktürmchen gingen nach allen vier Himmelsrichtungen und boten damit den Bewachern auf dem 35 hohen Diebsturm den perfekten Überblick auf die umliegende Gegend.

Die Erkertürmchen am Diebsturm in Lindau am Bodensee

Lindaus kleine Gässchen

Soooo liebenswert sind die kleinen Gässchen mit ihren farbenfrohen Häusern ….

Kleine Details spiegeln der Charme der Stadt – und man darf ruhig auch ein bisschen mit der Nase in der Luft durch die Gässchen laufen. Vieles spielt sich oben ab 🙂

Flanieren und Einkaufen in der Maximilianstraße in Lindau

Sie ist ein Teil der Fußgängerzone und die Hauptstraße in der kleinen Inselstadt. Bürger- und Handwerkerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert bezaubern mit Laubengängen, den Erkern und geschnitzten Fenstersäulen.

Münster „Unserer lieben Frau“ in Lindau am Bodensee

Hinter der schlichten Fassade würde man nicht barocken Glanz im Inneren vermuten. Direkt neben der evangelischen Kirche steht die katholische Pfarrkirche, deren Ursprünge bis 810 zurückgehen. Die heutige Kirche wurde von 1748 bis 1752 errichtet. Ich muss ehrlicherweise zugeben – und ich frage mich gerade selber warum nicht? – ich habe diese, so herrlich beschriebene Kirche nicht besichtigt und kann euch nur Fotos von außen liefern. Ein Grund nochmal nach Lindau zurückzukehren, um dann die Kirche auch im Inneren zu bewundern.

evangelische Kirche St. Stephan in Lindau

Der komplette Gegensatz steht am Marktplatz dem Münster gegenüber, die evangelische Kirche. Eine Rokoko-Kirche mit feinem Stuck und buntem Glas, die im Jahr 1180 erbaut wurde. Um 1500 wurde der Bau zu seiner heutigen Form erweitert, 1781 kamen dann der Altar, der Taufstein und die Kanzel in rötlichem Stuckmarmor dazu. Viele zarte hellgrüne Ornamente fallen genauso auf, wie die leuchtenden Chorfenster mit biblischen Motiven, die 1965 geschaffen wurden.

Wenn ihr meine neueren Berichte aufmerksam verfolgt, dann könnt ihr bei diesen sehen, dass ich im Lauf der Jahre ein ‚Kirchenfaible‘ entwickelt habe, das bei meinem Besuch in Lindau noch nicht so ausgeprägt war 🙂
Also auch ein Grund, nochmal in die Inselstadt zu fahren.

Für uns war am Marktplatz auf einem der Parkbänke eine Pause angesagt. Und da war er …

Der kleine Spatz von Lindau

der sich putzig als kleines Fotomodel zur Verfügung gestellt hat.

Auf dem Bismarckplatz steht das nächste Highlight auf unserem Stadtrundgang

Das alte Rathaus in Lindau am Bodensee

Errichtet wurde das Alte Rathaus im gotischen Stil. Ab 1422 wurde 14 Jahre daran gebaut. Ein historischer Moment war dann 1496, als Maximilian I. im holzgetäfelten Ratssaal den Reichstag einberief.
Nicht nur Städte können Geschichte erzählen – auch Häuser können erzählen: z.B. von dem bunten Lindauer Kinderfest, das im Juli 1655 zum ersten Mal vor dem Alten Rathaus stattfand. Aber auch über die Diskussionen die es gab, als um 1930 die Fassade ein neues Aussehen bekommen sollte. Wie war die Empörung groß, als der Künstler Wilhelm Nida-Rümelin sein bemaltes Fassadenwerk vollendet hatte und er unter den traditionellen Lindenbäumen einen Totentanz abgebildet hatte: der Kampf zwischen Himmel und Erde sollte er darstellen. Symbolisiert hat er es durch ein Skelett und eine junge nackte Frau. Nein! So etwas geht gar nicht, befand die Bayerische Volkspartei und forderte die sofortige Entfernung der Malerei. Wurde es aber auch tatsächlich entfernt? Sucht selber, wenn ihr davor steht.

1576 wurde das Rathaus mit einem Treppengiebel im Renaissance-Stil umgebaut. Die Glocken an der Spitze zeigen die Jahreszahl 1617.
An der Fassade zum Bismarckplatz ist eine große überdachte Freitreppe der Hingucker. Sie mündet in einen Erker, dem „Verkünder-Erker“. Von diesem Erker aus, wurden die Bürger in früheren Zeiten über Beschlüsse und neue Verordnungen informiert. Der Erker erinnert mit seinen Bildflächen an die Zehn Gebote.

Auf der Südseite wurde die Fassade im 19. Jh. mit Malereien geschmückt, die die Lindauer Geschichte darstellt.

Direkt neben dem Alten Rathaus befindet sich das neue Rathaus mit einem Glockenspiel an der Fassade, aus dem täglich um 11.45 Uhr das Glockenspiel ertönt.

Wir sind wieder am

Hafen von Lindau

angekommen, von wo wir von unserem Rundgang „Einmal um die Insel“ in die Stadt abgebogen sind. Und jetzt haben wir sie uns verdient – die Kaffeepause direkt am Hafen.

Weit über die Grenzen der Stadt ist die Lindauer Hafeneinfahrt bekannt. Als schönste Hafeneinfahrt am Bodensee wird sie beschrieben.

Als Wahrzeichen der Stadt fällt zum einen der aufmerksam auf den See schauende

Der Bayerische Löwe in Lindau

auf und der große Leuchtturm. Majestätisch sitzt er da, der Bayerische Löwe, sechs Meter hoch und ca. 50 Tonnen schwer. 1856 ist er fertiggestellt worden und es scheint, dass ihm nichts entgeht. Jedes einfahrende Schiff hat er im Blick und das Alpen- und Bodenseepanorama immer vor Augen. Übrigens war der Löwe nicht immer ein Bayer. Denn früher war die Hafenanlage im Besitz der Deutschen Bahn, die das gesamte Gelände ans baden-würrtembergische Konstanz verkauft hat. Dann gab es Streit zwischen den beiden Städten – und nach längerer Streiterei gingen 2010 der Löwe und der neue Leuchtturm wieder in Bayerische.

Neuer Leuchtturm in Lindau

36 Meter ist der südlichste Leuchtturm Deutschlands hoch und ist eines der wenigen Bauwerke seiner Art, die eine Uhr in der Fassade haben. 139 Stufen gehen in 5 Etagen nach oben auf die Aussichtsplattform. Ich habe auf dieses Sportprogramm heute verzichtet, zumal auch das Wetter an diesem Tag wirklich unschlüssig war, was es bieten sollte. Es war und blieb den ganzen Tag bedeckt mit vielen Wolken am Himmel.

Am Hafen steht noch ein Turm, der die Aufmerksamkeit verdient

Der Mangturm an der Hafenpromenade in Lindau

Im 12. Jahrhundert wurde der 20 Meter hohe Turm als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung gebaut. Ein perfekter Beoabachtungsposten an der Stadtmauer, versehen mit Schießscharten, war der Turm früher nur über eine Zugbrücke erreichbar, da er zu dieser Zeit noch komplett von Wasser umgeben war. „Zu Schutz und Trutz des Seehafens- ein krägtiges Wahrzeichen der ehemaligen freien Reichsstadt Lindau“, so kann man an der Wand des Turms lesen. Seine Funktion als Beobachtungsturm hat er erst 1856 mit dem Bau des neuen Leuchtturms verloren.

Er wurde dann um ein Geschoss erhöht und mit den markanten, glasierten Ziegeln eingedeckt. Kennt ihr eine Mangel? Ich habe früher als Kind immer beim Zusammenlegen der Bettwäsche helfen dürfen, damit sie in die Mangel kommen kann. Es ist eine Bügelwalze. Der Name Mangturm lässt sich in Zusammenhang bringen mit einem Bauwerk aus der Nachbarschaft, dem Tuch- und Mangenhaus. Das waren im Mittelalter die Lagerhäuser der Tuchmacherzunft. Der Turm ist nur zu bestimmten Zeiten im Rahmen der Märchenstunden begehbar.

Ein Blick auf den Mangturm an der Hafenpromenade in Lindau am Bodensee.
Das Dach des Mangturms an der Hafenpromenade in Lindau am Bodensee.

Gemütlich haben wir nach der Stärkung am Hafen in Lindau den Rundweg am Wasser fortgesetzt, bis wir wieder über die Brücke zu Hugo kamen.
Nur gute 2 Stunden Fahrt von meinem Heimatort entfernt, bietet sich Lindau auch ‚mal so zwischendurch‘ für eine Tagesfahrt an. Vielleicht hab ich euch mit meinen Fotos auch Lust gemacht, die liebenswerte Altstadt am Bodensee zu erleben.

Ein Schiff legt im Hafen in Lindau an.

So kommt ihr nach Lindau am Bodensee