Zwischen Cochem und Zell liegt Ediger. Und in diesem kleinen Örtchen, das sich mit dem Nachbarort Eller zu Ediger-Eller vereint und sehr unscheinbar von der Uferstraße aussieht, erlebt man Fachwerkromantik und Geschichte pur.

Zwischen Kröv auf der einen Seite und Traben-Trabach auf der anderen Moselseite haben wir bis Cochem so gut wie jedes Moselstädtchen besucht. Mehrfach sind wir an Ediger-Eller, einem kleinen Städtchen im Calmont Gebiet vorbeigefahren. Denn anders als in manch anderen Orten sieht man von der Bundesstraße (Uferstraße) nicht vom Ort selbst. Ein paar Gaststätten und kleine Ladengeschäfte und ein Hinweisschild, welches man fast übersieht, ‘Historischer Ortskern’. Und solche Wegweiser reizen mich immer unbändig zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Parken geht nur entlang der Uferstraße und unseren Besuch in dem kleinen Städtchen haben wir auf einen Montag gelegt. Wie sich bei unserer Ortserkundung herausgestellt hat, war dies eine richtig gute Entscheidung. Wir waren nämlich fast allein in den kleinen Gässchen unterwegs.

Es ging schon ganz früh rund in Ediger. Die erste Besiedlung ist lt. den Resten einer Fliehburg keltischen Ursprungs, denen auch der Ort seinen Namen zu verdanken hat.  Erwähnt wurde der Flecken schon 639 in Zusammenhang mit König Dagobert.  Auch die Römer haben hier eine große Rolle gespielt. Grabfunde belegen, dass die Römer dann durch die Franken abgelöst wurden, noch heute hörbar am moselfränkischen Dialekt. 1363 blieb Ediger zwar Dorf, Kaiser Karl IV verleiht dem Flecken aber auf Wunsch des Erzbischofs von Trier Stadtrechte. Somit war gestattet den Ort als Stadt auszubauen und ihn mit einer Stadtmauer zu umgeben.

Kopfsteinplaster und Fachwerkhäuser aus dem 16.-18. Jahrhundert prägen das Ortsbild. Für mich steht Ediger mit seinem Stadtbild noch über Beilstein, welches schon mit Romantik pur punktet. Aber schaut mal selbst, denn die Wahrnehmungen und Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich.

Mehr als sieben Meter hoch ist die teilweise noch gut erhaltene Ringmauer, die aus Schieferbruchsteinen errichtet wurde und 1459 erstmals erwähnt wurde. Wunderschön noch zu sehen an der St. Martin Kirche. Gleich neben der Stadtmauer wurde 1540 mit dem Bau einer Schule begonnen.

Weithin sichtbar ist der auffällige Kirchturm der St. Martin Kirche in Ediger. Der achteckige Helm des 50 Meter hohen Glockenturm ist der reichst-verzierteste gotische Schiefer Kirchtumhelm der Christenheit. Immer wenn ich auf der Moselstraße schon von weitem diesen Kirchturm gesehen habe war ich fasziniert über seine Gestaltung, noch mehr als ich direkt davor stand. Fundamente zeugen davon, dass bereits schon vor 1097 hier ein romanischer Kirchenbau gestanden ist. Aus der dem Martin von Tours geweihte Filialkapelle von Eller wurde 1142 die Pfarrkirche St. Martin von Ediger. Die 1363 errichtete Kirchpforte wurde wunderschön mit einem Gang mit der Stadtmauer verbunden.

Der Abschluss unseres Rundgangs durch dieses liebenswerten Moselörtchens war die Meinradskapelle. Die kleine, aber wunderschöne Kapelle ist eine Nachbildung von Maria Einsiedeln aus der Schweiz und zog im 17. Jahrhundert als kleines Stückchen Schweiz an die Mosel. Der Bau der Kapelle wurde 1666 vollendet.