Außen gotisch, im Inneren prächtiger Barock – die prächtige Kirche St. Ägidius (Kostel sv. Jiljí) in einer kleinen Seitenstraße der Prager Altstadt ist ein wahres Schätzchen.

Der ursprüngliche Besichtigungsplan an diesem Tag war, durch die Karlsgasse zur Karlsbrücke zu gehen – ein bisschen auf dem Krönungsweg der böhmischen Könige wandeln. Pläne sind dazu da, ganz spontan auch über den Haufen geworfen zu werden. Bei uns kam der ursprüngliche Plan ins Wanken, als wir die vielen Besucher an diesem Samstag sahen, die wohl den gleichen Plan im Kopf hatten. War es unter der Woche doch recht verhalten mit den Touristen, so schienen am Wochenende die Hauptstadt Prag einige auf dem Besuchsplan zu haben.
Was du heute kannst nicht tun, verschiebe eben auf morgen oder besser übermorgen, wenn diese Besucher die Stadt wieder verlassen haben. Wir haben ja schließlich noch einige Tage vor uns. Denn mit Abstand in Corona Zeiten war in der engen Karlsgasse nicht mehr viel. Bei Fridolin hätte ich spontan den Blinker gesetzt 😀 wir sind einfach an der nächstmöglichen Stelle in eine Seitenstraße abgebogen, nicht wissend in dem Moment wo wir rauskommen.

Einfach ein bisschen durch die kleinen Straßen treiben lassen. Wir machen das von Zeit zu Zeit gerne, entdeckt man doch abseits der vom Stadtführer vorgegebenen Straßen auch viel Sehenswertes. Und so kleine Gässchen, wie sie in der Altstadt von Prag zu finden sind, lieben wir eh.
Und in dieser kleinen Straße ging sie mal wieder nach oben – meine Nase 🙂 Ihr kennt das schon bei mir, der ‚Hans-guck-in-die-Luft‘ 😀 😀

Wir wussten echt nicht, wo wir hier jetzt rauskommen. Wohin diese kleine Straße führt. Aber schon nach wenigen Schritten sahen wir die hohen Kirchtürme. Gefühlt an jeder zweiten Ecke in Prag findet sich eine Kirche. Wir haben schon recht früh erlebt: Lass dich nicht vom Äußeren täuschen. Denn die Schätze im Inneren von Kirchen sind oft gigantisch schön.
Man ist sich ja nicht wirklich sicher oder einig, woher der Begriff „Die Goldene Stadt“ Prag herrührt. Es gibt mehrere Erklärungen dafür. Eine davon ist, dass Kaiser Karl IV. die Türme der Prager Burg vergolden ließ. Die andere Version ist, dass die vielen 100 Türme in der Sonne golden glänzen (und Türme hat es in Prag ja wahrlich genug, so rund 500 Stück sind es). Eine weitere Erklärung ist, dass Rudolf II. mehrere Alchimisten bei der Suche nach Gold unterstützt hat.

Ich hab noch eine weitere Erklärung drauf gepackt 🙂 Die vielen vielen Vergoldungen in den Prager Kirchen, haben der Stadt den Beinamen gegeben. Denn oft war man wirklich geblendet, von der goldenen Pracht der Altäre. Fakt war hier erstmal für mich, diese Kirche sieht so irgendwie reingequetscht aus. Was es mir natürlich immens schwer gemacht hat, ein Bild von der gesamten Kirche außen zu bekommen.

Die Entstehung der St. Ägidius Kirche (Kostel sv. Jiljí)

oder der Kirche des Hl. Jillich. Da gibt es keine wirkliche Einigkeit im Deutschen, in tschechischer Sprache schon einfacher: Kostel sv. Jiljí.

Ganz früher stand an der Stelle der heutigen Kirche eine Vorgängerkirche im romanischen Stil. Im 14. Jahrhundert ließ der Prager Bischof Johann IV. einen neuen dreischiffigen Dom mit zwei hohen Türmen im gotischen Stil erbauen. Die Türme mit einer Höhe von gut 58 und 43 Metern. Die feierliche Einweihung der Kirche wurde am 13. Mai 1371 in Anwesenheit des römisch-deutschen Kaisers und Königs von Böhmen und Burgund Karl IV. geweiht. Die St. Ägidiuskirche war dieser Zeit einer der monumentalsten Kirchenbauten in der Altstadt von Prag.

1364 begann Jan Milíč z Kroměříže (Johannes Milicius), ein böhmischer Reformprediger des Spätmittelalters sein Wirken an der Kirche. Er predigte zunächst nur in tschechischer Sprache, später auch lateinisch und in deutsch. Er hatte ein ähnlich bewegtes Leben wie der später lebende Jan Hus. Wenn ihr mehr über Johannes Milicius nachlesen möchtet, dann könnt ihr HIER sein Leben verfolgen.

In der Zeit nach Jan Hus‘ Tod, während der Hussitenunruhen ging die Kirche an die hussitischen Ultraquisten, die zu der Zeit eine Mehrheit aller Christen in Böhmen und Mähren bildeten. Kaiser Ferdinand II. schenkte 1625 schließlich die Kirche dem Dominakerorder, der hier ein großes Kloster erbaute. Großen Aufschwung erlebte das Kloster in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und damit auch die Kirche. Sie wurde nach und nach im Innenraum im barocken Stil umgestaltet. Die Dominikaner sind übrigens auch heute noch im Kloster ansässig.

 

Die wunderschöne Innenausstattung der St. Ägidius Kirche

Die Gewölbefresken in der Jilji Kirche

Einer der bedeutendsten Maler des böhmischen Barock, Wenzel Lorenz Reiner, hat die wunderschönen Gewölbefresken geschaffen. Sie stellen Motive aus der Geschichte und der Gegenwart des Dominikanerordens dar. Oder Ereignisse, die sich in Prag abgespielt haben. Auch werden Ereignisse aus dem Jahr 1611 festgehalten, als einige Klöster in Prag überfallen wurden. So auch die Franziskaner in der Maria-Schnee-Kirche, wo 15 Menschen den Tod fanden. 1734 wurden diese Arbeiten beendet. Die Hauptfreske an der Decke gilt den Dominikanern als Beschützer des Glaubens. Ich war restlos begeistert. Aber diese Begeisterung wird in Prag noch ganz erheblich getoppt.

Wir waren alleine (wie so oft) in der Kirche, und ich konnte mich nicht sattsehen.

Die Seitenaltäre in der St. Ägidius Kirche

Es ist wirklich eine Pracht und ich konnte nicht stillhalten den Auslöser meiner Kamera zu drücken. Zum Glück hatte ich meine Eindrücke bereits so gut wie alle festgehalten, als mehrere Gläubige zum Beten die Kirche aufsuchten. Das ständige ‚Klick Klick‘ meiner Spiegelreflex passt da überhaupt nicht dazu, in Andacht zu verweilen.

Noch ein paar Detailaufnahmen, und wir haben die Kirche wieder verlassen ….

Begeistert und doch nachdenklich stand ich dann auf der Straße. Soooo viele Kirchen haben wir noch auf unserem Besichtigungsplan, und nicht nur die – und ich ständig mit meinem ‚Klack, Klack‘ (was mich ja eigentlich schon davor immer wieder selbst genervt hat). Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen …. was daraus geworden ist? Ihr lest es in meinen Berichten nach Prag 🙂

Zur Orientierung nahm ich jetzt aber doch den Stadtplan zur Hilfe. Und der zeigte uns, dass gleich um die Ecke eine weitere Kirche auf uns wartet: die Bethlehemskapelle. Kommt ihr mit?

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