Am Rand der Altstadt in Speyer steht die Dreifaltikeitskirche. Sie lässt von außen nicht erahnen, was für eine Pracht sich im Innenraum auftut.

Nach dem Dombesuch und vor der Weiterreise nach Zuhause war es klar, dass wenn man schon in Speyer ist, man sich auch einen kleinen Überblick über die Stadt verschaffen sollte. Dabei muss es nicht die belebte Fußgängerzone sein, auch wenn wir einem Kaffee nicht abgeneigt waren. Oft finden wir am Rande von Innenstädten schnuggelige kleine Cafés. Vermutlich war dies auch der Antrieb, vor der Fußgängerzone flüchtend, in eine Seitenstraße abgebogen zu sein. Und wie ihr sicher aus meinen unzähligen anderen Beiträgen wisst, kann ich an einer Kirche oft nicht vorbeigehen. Nicht, dass ich jetzt besonders christlich oder gläubig bin, mich fasziniert einfach der Baustil und die Innenausstattungen von Kirchen. Und ja, fast immer bei unseren Reisen werden in einer der Kirchen als Dank auch zwei Kerzen angezündet. Aus Dankbarkeit für die Möglichkeit, dass wir all die schönen Reisen und Orte besuchen dürfen und dass wir bislang immer heil mit meinem ‚Fridolin‘ an jedes Ziel gekommen sind.

Kaum hatte sich Speyer von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholt, wüteten die französischen Truppen Ende des 17. Jahrhunderts in der Pfalz und den angrenzenden Gebieten. Sie zerstörten dabei auf Geheiß von Ludwig XIV. auch Heidelberg und 1689 auch die Stadt Speyer. Die Bevölkerung, seit der Reformation überwiegend Lutheraner, flüchtete und konnte erst 1698 zum Teil wieder zurückkehren. 1701 wurde dann das Fundament der Dreifaltikeitskirche gelegt. Bis 1703 dauert der Rohbau der brocken Kirche, die nach dem Vorbild der Katharinenkirche in Frankfurt gebaut wurde. Nicht ohne Grund, denn zahlreiche Mitglieder des Stadtrats hatten in Frankfurt während der Flucht Exil gesucht. 1704 begann der Innenausbau mit den hölzernen Emporen. Diese Arbeiten zogen sich aber wegen Geldmangel bis 1717 hin, aber zum Tag des 200-jährigen Jubiläums der Reformation wurde die Dreifaltigkeitskirche dann feierlich eingeweiht.
1792 wurde Speyer abermals durch französische Truppen erobert und so fand am 25.12.1793 der letzte Gottesdienst statt. Danach mussten alle kirchlichen Gefäße ausgeliefert werden, die Kirche wurde geplündert und am Schluss war kein Metall mehr darin zu finden. Erst 1814 fanden in der Kirche wieder Gottesdienste statt. Nach bewegten Jahren und Annäherungen zwischen Reformierten und Lutheranern und schlussendlich einer Union, wurde die Dreifaltigkeitskirche die evangelische Hauptkirche von Speyer.

Ein WOW hat mir der Innenausbau mit einem hölzernen Rippengewölbe und den zweistöckigen Emporen an drei Seiten, die von Pfeilern getragen sind, entlockt. Beides ist bis heute weitgehendst originalgetreu erhalten, ebenso die wunderschönen Deckengemälden und Emporenbilder, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen. Von 2015 – 2017 wurden sie aufwändig restauriert.

Lange Zeit haben wir uns in dieser wunderschönen Kirche aufgehalten, in der es so viel zu entdecken gab und die man einfach auf sich wirken lassen sollte. Plant sie unbedingt neben dem Dombesuch in einen Stadtbesuch in Speyer mit ein.