Schwäbisch Gmünd
JosefovManchmal ist ja man bei seiner eigenen Stadt ein bisschen ‚betriebsblind‘. Bei allem, vor dem Touristen bewundernd stehen bleiben, ist für einen gebürtigen Einwohner schon Normalität. So ging es mir in der Zeit, in der mein Reise- und Fotoblog noch nicht das Licht der Webwelt erblickt hatte, auch.
Aber dann wurde alles anders, ich bin bewusst durch mein Schwäbisch Gmünd, mit den Augen eines Touristen. Die älteste Stauferstadt, in der ich vor langer Zeit das Licht der Welt erblickte. In der ich meine Schul- und Jugendzeit erleben durfte – bis ich dann durch meine Heirat in das selbstständige 3 km entfernte Waldstetten ausgewandert bin. Da lebe ich auch nach meiner Scheidung immer noch 🙂
Trotzdem schwingt der Stolz mit, wenn irgendwo Schwäbisch Gmünd auftaucht. Man könnte die Altstadt als klein, aber fein beschreiben. Mit Bauwerken aus acht Jahrhunderten, mit den ersten Spuren der Staufer hat sie einen ganz besonderen Flair. Kleine Cafés, Restaurant verschiedener Nationalität finden sich in der Innenstadt.
Im Herzen der Altstadt der Marktplatz, der als einer der schönsten in Süddeutschland gilt. Verkehrsberuhigt gehört er ganz den Fußgängern. Im Sommer wird der obere Marktplatz ein großes Spieleparadies für die Kleinsten, und ab Anfang Juni findet in Schwäbisch Gmünd ein Novum statt, dass so einmalig in der ganzen Welt ist – die Altersgenossenfeste. D’r Schwob wird ja erscht mit 40 g’scheit (ond andere net in Ewigkeit 🙂 ) – und DAS wird in meiner Heimatstadt ganz groß gefeiert. Mit großem Festumzug durch die Stadt, in dem den Jubiliaren Blumen und andere originelle Geschenke zugereicht werden. Jeder Jahrgang, der seinen runden Geburtstag feiert – bis zum 80. kann sich im Altersgenossenverein seines Jahrgangs anmelden. Seit 2018 ist diese Besonderheit in der Liste des Immatriellen UNESCO-Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.
Vor unserem schiefen Turm von Gmünd, dem Turm der Johanniskirche wird dann Halt gemacht und voller Insbrunst wird zu unserer Nationalhymne, dem Aloislied mitgesungen. Glaubt mir, es erzeugt mir auch heute noch Gänsehaut, wenn ich dann doch an einem dieser Samstage in der Stadt bin. Immerhin hat mein Vater fünf dieser Traditionsfeste miterlebt, und mit ihm die ganze Familie.
In unserem großen Hl. Kreuz Münster wird dann der Festgottesdienst gefeiert. Ja, in der Stadt ist richtig was los, das Internationale Guggenmusiktreffen und das Europäische Kirchenmusikfestival sind nur zwei von vielen weiteren Highlights.
Ich könnte euch jetzt noch viel mehr von meiner Heimatstadt mitten im Herzen des Remstals vorschwärmen. Aber das wäre ja langweilig. Entweder kommt ihr jetzt einfach mit, und erlebt in meinen Beiträgen meine Stadt in Wort und Bild – oder, ihr macht einen Ausflug nach Schwäbisch Gmünd. Denn wir haben noch viel mehr zu bieten, als einen wunderschönen Altstadtkern.
Ein bisschen Geschichte zu Schwäbisch Gmünd
Und da gehen die Spuren bis ins 2. Jahrhundert n.Chr. zurückgehen, als die Römer Lager zur Sicherungung ihres Limes aufzubauen. Auch bei Schwäbisch Gmünd entstanden solche Lager, und sind auch heute noch Limes-Spuren zu entdecken. Nach den Römern kamen die Germanen und bis zum 11. Jahrhundert bleibt nicht viel zu berichten.
Aber dann kamen die Staufer, wo die ersten Belege in der Stadt von 1162 nachweisbar sind, deshalb auch älteste Stauferstadt. Da ich inmitten des Staufergebietes lebe, lag es nahe, dass die Staufer einen Bereich in meinem Reiseblog einnehmen, und ich dort auf ihren Spuren unterwegs bin. Kirchen und Klöster entstanden in Gammundia, das Kloster Lorch als Hauskloster der Staufer.
Auch ein Herrschergeschlecht stirbt mangels Nachkommen einmal aus, und Gmünd wurde Reichsstadt. Auch im Schwabenland trifft man ihn und nicht nur in Prag wo er mich auf Schritt und Tritt begleitet hat – Kaiser Karl IV., einer der bedeutendsten Kaiser des Spätmittelalters und als römisch-deutscher Kaiser auch fürs Schwabenland zuständig. Manchmal hat er hier schon auf den Tisch hauen müssen. Darüber könnt ihr aber in den einzelnen Berichten mehr lesen. Ich würde euch sonst hier mit Geschichte regelrecht erschlagen.
Tja, und dann kam 1802 die Zeit, dass auch Schwäbisch Gmünd zu den Württembergern kam. Naja, ich hab die teilweise nicht so wohlwollend empfunden. Man HERRSCHTE! Sagt alles, oder? Mal hatten die Gmünder dann irgendwann das Schwäbisch im Stadtnamen, mal wieder nicht. Aber seit 1934 haben wir es gängig wieder im Stadtnamen.
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