Aufgrund seiner Lage über den steilen Weinbergen am Calmont, zählt diese Tempelanlage an der Mosel zu den bedeutenden Stätten aus keltischer und römischer Zeit.

Vielleicht habt ihr es in meinem Bericht über den Calmont gelesen – einem Tipp des Inhabers der Straußwirtschaft am Calmontgipfel soll die Tempelanlage einen Blick auf die engste Moselschleife bei Bremm freigeben. Diesen direkten Blick auf die Schleife haben wir am Gipfelkreuz vermisst, obwohl ihn soviele Berichte dort versprochen haben. Nach seinen Ausführungen soll die Tempelanlage in gut 500 Meter Entfernung liegen.
Naja dachten wir – wenn wirklich 500 Meter, dann ist das ja nicht weit, eine römische Tempelanlage haben wir auch noch nie gesehen und mit dem Blick auf die Moselschleife waren wir vollständig überzeugt, das bisschen Weg noch zu gehen.

Kurz innegehalten habe ich, als ich gesehen habe, dass der Weg fast ähnlich einem Hausdach nach unten ging. Nein, ich will den Moselblick! Ich habe alle Gedanken, dass ich das ‚Hausdach‘ ja auch wieder hochgehen muss, völlig ausgeblendet. Es war ein schöner Waldspaziergang und dann sahen wir das kleine Haus mitten zwischen Bäumen.

2005 wurde der Gallo-römische Umgangstempel rekonstruiert und originalgetreu wiederhergestellt worden. Umgangstempel deshalb, weil sich die Cella, in der sich das Allerheiligste oder ein Altar der verehrten Gottheit befindet, in der Mitte turmartig erhebt. Um die Cella verläuft ein Säulenumgang der Platz für Prozessionen der Pilger bietet. Nach Grabungsbefunden soll dieses Heiligtum vom 2. bis Ende des 4. Jahrhunderts bestanden haben. Vor ca. 1800 Jahren stand der Tempel noch völlig frei dort oben auf dem Calmont Gipfel, von wo rund 300 Meter die steilsten Weinhänge Europas zur Mosel hin abfallen. Heute ist der Gipfel weitgehend mit Wald bewachsen und wer von unten ganz genau schaut (wenn man weiß, wo man mit den Augen suchen muss) der kann den Tempel ausmachen. Ich konnte das ‚kleine weiße Haus‘ später von unten erst dann zuordnen, weil ich es oben besucht hatte.

Ja, und was ist jetzt mit dem Blick auf die Moselschleife? Nix war’s!
Man hat von dem kleinen Plateau einen schönen Blick auf Bremm und das Moselstück das an Bremm vorbeifließt. Das war es dann auch.
Der Wirt hatte uns auch den ‚Vierseenblick‘ schmackhaft gemacht, der ebenso tolle Blicke auf die Mosel verheißt. Wir haben nach dem ersten Tipp dann aber in Gedanken dankend verzichtet noch weiter zu laufen.

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Nördlich des Gipfels am Calmont sieht man im Felshang eine brunnenartige Vertiefung. Ähnliche Schächte wurden mehrfach bei römischen Heiligtümern gefunden, bei dem Fund auf dem Calmont ist man sich aber nicht sicher, ob es sich nicht auch um Überreste aus dem Hochmittelalter oder Frühzeit handeln kann. Eine genaue Zuordnung konnte nie getroffen werden, da bei Grabungsarbeiten Verfüllschichten unwiderbringlich zerstört wurden.