Im Osten der Provinz Almeria befindet sich die Gemeinde Lubrín, wunderschön gelegen an den Ausläufern der Sierra de los Filabres.
Nachdem der Wetterbericht für die kommende Woche unbeständiges Wetter mit Sturm bringt, gönnen wir uns heute keine Pause und unternehmen eine Tagesfahrt durch die Berge. Uns ist bewusst, dass es nur wenige Stopps geben wird, da nur einige kleine Ortschaften auf dieser Rundstrecke liegen. Wir lieben Bergfahrten. Kurvig dürfen sie sein, aber möglichst mit solchen Straßen, dass zwei Autos aneinander vorbei kommen.
Vor unseren Reisen recherchiere ich unsere Ausflüge, und bei solchen Fahrten schaue ich einfach bei Google Maps nach kurvigen Straßen. Diese fahre ich dann Stückchenweise bei Street View ab - und so wird der Plan für eine Tour zusammengebastelt. Insgesamt sind an diesem Tag ca. 150 km zusammengekommen - über gigantisch schöne Streckenabschnitte mit tollen Aussichten. Bis auf 1.000 Meter Höhe ging es hinauf, und genauso wieder bergab.
Start dieser Fahrt war von unserer Ferienwohnung bei Mojácar, die für die ersten vier von acht Wochen in Andalusien unser Standquartier war. Von dort geht es nach Los Gallardos und weiter nach Lubrín, dem ersten großen Stopp auf der Tour. Hier könnt ihr die gesamte Tour sehen, und in meinem Filmzusammenschnitt
die Fahrt nach Lubrín

Ergänzung am 15.07.2026 zum Video der Fahrt von Los Gallardos nach Lubrín:
Am 10.07.2026 ist das Gebiet um Los Gallardos und Bédar von einem verheerenden Laufbrand heimgesucht worden, der über 7.000 qm Fläche in Schutt und Asche gelegt hat. Mehrere Ortschaften, u.a. auch Bédar, das im Video zu sehen ist, wurden nach Lubrín evakuiert. Besonders tragisch ist bei dem Brand, dass 13 Menschen ihr Leben verloren haben, unzählige zum Teil schwer verletzt wurden. Tagelang war der Brand nicht unter Kontrolle. Die Fotos waren erschreckend, wie sich der Brand über die Berge zog, in einer so rasanten Geschwindigkeit, wo kaum Zeit blieb zu flüchten.
Ich bin mit meinen Gedanken bei den Menschen in dieser Gegend, und hoffe, dass sich in diesem Gebiet irgendwann wieder so etwas wie eine kleine Normalität einstellen kann. Aber nichts wird mehr so sein, wie es davor war. Wenn ich mir meine Videos anschaue, kommen mir die Tränen, was aus dieser einmalig schönen Landschaft aktuell übrig geblieben ist.
Kommt mit zu meinem Rundgang in Lubrín in Andalusien
Der kleine Ort mit ca. 1.500 Einwohner wird vermutlich nicht viele Besucher bekommen. Es gibt am Ortseingang nur einen kleinen Parkplatz für ein paar Autos, denn man ist besser beraten nicht in den Ort hineinzufahren. Wir werden von ein paar Einheimischen beobachtet, da aber keiner signalisiert, 'du darfst da nicht parken' stellen wir Fridolin ab, und gehen
die kleinen Gassen in Lubrín
entlang. Wir lieben solche kleine Dörfer mit engen verwinkelten Gassen. Hier erlebt man noch das authentische Leben der Bevölkerung. Und genau das möchten wir auf unseren Reisen erspüren. Wir suchen uns lieber ein Lokal in dem die Einheimischen verkehren, auch wenn sie manchmal von außen (und innen) einen 'abgeratzten' Eindruck machen. Denn genau hier bekommt man Landestypische leckere Speisen zu fairen Preisen.












Auf dem Weg zur Kirche bekommt ihr
ein bisschen Geschichte zum Ort Lubrín in Andalusien
Auch hier, wie in Cuevas del Almanzora oder in Agua Amarga gibt es in den Höhlen Überreste von prähistorischen Siedlungen. Überspringen wir diese Zeit und gehen direkt in die Zeit der Mauren, die den Flecken bevölkert haben. Aus dieser Zeit soll die Burg auf dem Berg stammen, von der gesagt wird, dass sie so um 1309 entstanden ist. Tatsächlich erscheint sie im Grundbuch des Ortes aber erst 1488. Aber wer weiß, wie davor alles geschrieben war?
1559 erklärte der damalige König Philipp II. einen spanischen Adelsmann zum ersten Marquis von El Carpio. Ihm gehörten neben anderen Ländereien auch Gebiete um Lubrín. Diese feudale Grundherrschaft vermehrte man geschickt durch die Verbandelungen von Ehen mit dem Herzogtum Alba. Damit entstanden riesige Besitztümer dieser Adelshäuser. Heute würde man sagen, es fusionieren zwei Firmen miteinander, damals wurde eben geschickt verheiratet. Bis ins 19. Jahrhundert hielten die jeweiligen Herzöge die Rechte an ihren Gebieten.
Die Ortsgründung soll auf das Jahr 1578 zurückgehen, als die Region mit Christen neu besiedelt wurde. Davor war die Zeit des christlichen Aufstandes und Rückeroberung des Gebietes, und der Vertreibung der Moriscos, also jener Mauren, die zum Christentum konvertierten. Egal in welcher Region man sich befindet - dieser Teil der Geschichte ist überall der gleiche. Genauso wie der Aufschwung der Wirtschaft durch den Eisenerzabbau. Auch diesen erlebte Lubrín, genauso wie den Niedergang dieses Wirtschaftszweiges und damit die Abwanderung der Bevölkerung.
Heute zählt der kleine Ort so um 1.500 Einwohner. Die Einnahmen werden hauptsächlich über die Landwirtschaft erzielt. Rings um den Ort stehen Mandelbäume, die zum Zeitpunkt unserer Fahrt in volle Blüte stehen.
Wir sind an der
Pfarrkirche de Nuestra Senora del Rosario in Lubrín
Egal ob von unten im Dorf, aber noch mehr von dem Aussichtspunkt über dem Ort - die "Kirche unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" fällt auf. Um 1880 hat der damalige Bischof von Almería den Kirchenbau beauftragt. Wie verschiedene andere Kirchen in der Region, z.B. die Kirche de las Salinas im Naturpark Cabo de Gata oder die Kirche in Turre, wurde auch die Kirche in Lubrín im eklektischen Stil erbaut. D.h. aus verschiedenen historischen Epochen wurden Elemente genommen und in einem neuen Stil vereint. Leider war die Kirche geschlossen.




Der kleine Ort hat neben dieser Schutzpatronin noch einen weiteren Schutzpatron. Dem ist ein ganzer Platz gewidmet.
Der San Sebastian Platz in Lubrín
Dieser Schutzheilige von Lubrín ist einer meiner Lieblingsschutzheiligen, dem ich so oft bei meinen Besichtigungen begegne. Mittlerweile teilt er sich bei mir seinen 'Rang' mit 'meinem 'Muckl', dem Hl. Nepomuk, dem ich nicht nur in Prag auf Schritt und Tritt begegnet bin. Auch in Venedig steht er am Canal Grande als Statue, und in meiner Heimat wird er ganz groß vor einer Wallfahrtskirche verehrt. Durch einen Bericht über ihn auf meinem Reiseblog ergab sich ein netter Austausch und Kontakt mit einem Leser meines Blogs und einem bekennenden Verehrer des Heiligen.
Aus dem Leben des Hl. Sebastian
der so um 288 in Rom gestorben ist. Weil er wegen seines guten Benehmens aufgefallen ist, wurde er zum Offizier der Leibwache der Kaiser Diokletian und Maximian ernannt. Schlecht für ihn war aber, dass er sich am kaiserlichen Hof öffentlich zum Christentum bekannte und notleidenden Christen geholfen hat. Das passte dem Kaiser überhaupt nicht, und er ließ ihn zum Tode durch Bogenschützen verurteilen. Im Glauben, dass er tot wäre, ließen ihn die Schützen liegen. Eine fromme Witwe bemerkte jedoch, dass er noch lebte und pflegte ihn gesund.
Wäre er doch nur nicht wieder zum Kaiserhof zurückgekehrt, und sich dann erneut wieder zu seinem Glauben bekennen. Sein erneutes Todesurteil durch Diokletian, der ihn jetzt mit Keulen im Circus Maximus in Rom erschlagen ließ. Seinen Leichnam warf man dann in die Cloaca Maxima, dem damaligen Abschlusskanal beim Tiber. Er wurde von Christen geborgen und sein Leichnam wurde in der Sebastian Katakombe beigesetzt. Im 4. Jahrhundert wurde darüber die Kirche San Sebastiano fuori le mura in Rom errichtet. Wir haben diese Stätten bei unserem Rombesuch vor ein paar Jahren besichtigt. Seit dem 4. Jahrhundert wird der Heilige als Märtyrer verehrt, und in Darstellungen mit den Pfeilen dargestellt.
Das Fest zu Ehren des Hl. Sebastian in Lubrín
wir am 20. Januar im Ort gefeiert - die Fiesta del Pan. Das Fest des Brotes ist ein einzigartiges traditionelles Fest und hat seinen Höhepunkt in einer Prozession, bei der der Hl. Sebastian durch das Dorf getragen wird. Während dieser Prozession werden Tausende von Brotkringeln von den Balkonen geworfen. Die Besucher sollen möglichst 12 dieser Brotkringel auffangen, denn diese Zahl steht symbolisch für die 12 Monate des Jahres.
Hat man erfolgreich 12 Brotkringel gefangen, werden diese auf einer Schnur aufgefädelt und sollen im Haus Glück und ausreichend Nahrung bringen. Schade, wir haben das Fest um einige Tag verpasst.
An der Straße neben dem Platz wird an der Balustrade mit einer wunderschönen Malerei die Schätze des Ortes abgebildet - die Landwirtschaft.




Auf unserem Weg zum
Aussichtspunkt über dem Ort Lubrín
wären wir gerne eingekehrt. Aber die einzige Gaststätte, die wir bei unserem Rundgang sehen, ist komplett bevölkert mit vielen hungrigen Gästen. Kein Plätzchen ist mehr frei. Wir genießen deshalb die Aussicht über den Ort und das Umland.









Von diesem kleinen Mirador im Ort, der Aufgang ist neben dem kleinen Museum des Ortes, hat man einen schönen
Blick auf den Torre del Reoj - der Uhrenturm in Lubrín
An höchster Stelle über dem Ort, wo einst eine maurische Festung aus dem Jahr 1309 stand, ist er als Überbleibsel noch sichtbar. Damit auch jeder weiß, was die Zeit geschlagen hat, reicht der Blick auf die Turmuhr.
Man denkt, man wäre sehr hoch oben, dabei sind es doch nur ca. 550 Meter, die der Ort über dem Meeresspiegel liegt. Aber doch habe ich bei dieser Bergfahrt das Gefühl ich bin höher als meine Heimatberge sind (ca. 700 Meter). Über die Calle Zacatín kommt man zum Turm. Wir haben auf diesen Weg verzichtet, da wir ja noch ein größeres Programm vor uns haben.




Wer noch mehr Zeit hat, wird noch weitere interessante Punkte in dem Ort finden, wie z.B. die große Waschanlage am Anfang des Dorfes. Früherer Treffpunkt der Frauen um die Wäsche zu waschen und nebenbei noch ein Schwätzchen zu halten.
Wer die Wanderschuhe schnüren möchte, auch der findet in der Region zahlreiche Wanderwege. Und wenn einen die Anstiege nicht abhalten, der hat mit dieser Tour auch eine herrliche Fahrradstrecke.
Wir fahren jetzt weiter unsere Rundfahrt über La Rambla Aljibe und Los Molinas, an Cordbar vorbei zu unserem nächsten Stopp in Uleila del Campo. In meinem Wochenbericht zur 3. Woche bei Mojácar könnt ihr die Strecke in weiteren Filmen mitfahren.



