Ein Spaziergang durch Turre in Andalusien

Autor: Inge

veröffentlicht am: Jan. 31, 2026

Turre 4142

Inhaltsverzeichnis

Zwischen Mittelmeer und der Sierra Cabrera liegt der kleine Ort Turre in Andalusien. Klein, aber trotzdem einen Besichtigungsstopp wert.

Nach zwei vollen Programmtagen mit langen Fahrten und vielen Besichtigungspunkten wollen wir es heute ein bisschen ruhiger angehen. Aber doch nicht so ruhig, als dass wir den ganzen Tag in unserer Ferienwohnung bei Mojácar verbingen wollen. Nach Ausschlafen und einem ausgiebigen Frühstück entscheiden wir, dass wir knapp sieben Kilometer in das Nachbarstädtchen Turre fahren. Einfach ein bisschen durch den Ort treiben lassen, etwas trinken - alles ohne großen Plan. Kommt jetzt mit zu

meinem Spaziergang durch Turre in Andalusien

Schon auf der Fahrt in den Ort schien es, als wären die Gehwege heute hochgeklappt und kein Leben in der kleinen Stadt. Auf dem großen Parkplatz am Rand zur Stadt herrscht gähnende Leere. Dabei ist das Wetter herrlich um nach draußen zu gehen - 24 Grad Ende Januar. Das ist mit ein Grund, warum wir uns seit 2025 für eine Überwinterung in Spanien entschieden haben. Okay, die 'richtigen' Überwinterer brechen bereits im Oktober/November zu ihren Winterzielen auf, oder sind mit dem Wohnmobil unterwegs. Da sind wir doch mit unserem Aufbruch am 06. Januar scheinbar spät dran. Aber besser später, als gar nicht, gell.

Wie wir es bereits aus dem Vorjahr an der Costa Blanca kennen, meistens sind die Parkplätze einfach nur eine geschotterte oder sandige Piste. Wenn man Pech hat mit mehr oder weniger vielen großen und kleinen Löchern. Egal, Fridolin steht gut und wir brechen auf zu unserem kleinen Rundgang, der uns an der

Calle Lorito in Turre

vorbei bringt. Da wir nicht alle Straßen abgelaufen sind, vertraue ich jetzt einfach mal der Aussage, dass sie eine der schönsten und dekorativsten Straßen der kleinen Stadt ist. Im Hintergrund die Kirche, bietet sie mir ein tolles Fotomotiv. Frauen aus der Gemeinde haben die runden Ornamente hergestellt, die über die Straße gespannt sind.

Kaum eine Menschenseele ist auf unserem weiteren Weg zu sehen, der uns am

Rathaus (Ayuntamiento) von Turre

vorbeiführt. Kaum ein Stadtbummel findet bei uns statt, ohne dass man irgendwann auch an den Rathäuser der jeweiligen Stadt vorbeikommt. Ob gewollt oder nicht, da die sich meistens im Zentrum befinden. Solch ein prachtvolles Rathaus habe ich jedoch noch selten gesehen.

Das Wappen von Turre

repräsentiert die Gemeinde in allen Bereichen:
über dem gesamten signalisiert die Krone, dass die Stadt eine staatliche Autonomie ist
die Festung verweist auf die Namensgebung für den Ort - den alten maurischen Wachturm (torre)
die Sonne steht für das milde Klima der Region, was sie heute eindrücklich beweist
die Ähre symbolisiert die Landwirtschaft der Region und
der Schlüssel erinnert an die Verbundenheit der Geschichte mit den Nachbarstädten Vera und Mojácar.

An dieser Stelle

ein bisschen Geschichte zur Stadt Turre in Andalusien

Bis in die Alt- und Jungsteinzeit gehe ich nicht zurück. Aber bereits aus dieser Zeit wurden prähistorische Fundstätten in der Sierra Cabrera entdeckt. Ich hüpf in die Zeit der muslimischen Eroberung. In dieser Zeit wurde der Wachturm von Muslimen aus Mojácar erbaut, um die Bewohner vor den Angriffen der Christen zu schützen. (An einem Kreisverkehr am Ortseingang steht das Wahrzeichen für Turre, der Ortsname rührt von diesem Turm her.)

Denn diese in Mojácar lebenden Muslime wurden 1488 gezwungen diese Stadt zu verlassen. Die Verweigerung, nach Afrika auszuwandern, war der Grund, dass diese Menschen sich dann weiter im Landesinneren niederlassen mussten. Vorangegangen war die Eroberung des Landes durch die katholischen Könige. Doch beide Gruppen - Muslime und Christen - konnten nicht in Frieden miteinander leben. Das wurde auch nicht besser, als viele Muslime sich zum Christentum bekannten. 1501 wollte eine Gruppe nach Afrika fliehen, was jedoch die christlichen Truppen verhinderten und sie versklavten.

Die meisten "Moriscos" wie sie genannt wurden, konnten dann aber doch 1569 nach Afrika fliehen. Die restlichen Bewohner wurden ein Jahr später auf andere Ländereien verbracht. Aus drei Dörfern, einschließlich Turre wurden Geisterorte. 1573 wurde Turre mit Familien aus anderen Landesteilen wieder besiedelt. Aber an ein friedliches Leben war nicht zu denken. Die Piratenangriffe begannen, und damit die Bewohner besser geschützt waren, wurden sie nach Mojácar umgesiedelt. Dort war einfach durch die erhöhte Lage und die Festung eine gewisse Sicherheit gewährleistet. Aber die Siedler wollten wieder zurück in ihr Heimatdorf und klagten einem königlichen Beamten ihr Anliegen.

Bei König Philipp II. hat er dann erreicht, dass die Menschen wieder von Mojácar nach Turre dürfen. Am 25. Mai 1596 erließ der König ein diesbezügliches Dekret zur Umsiedlung, und dass die Bürger eine eigene Gemeindeverwaltung einrichten, Häuser bauen und die Kirche Instandsetzen dürfen. Halt alles, was zu einem intakten Gemeindeleben notwendig ist. Anfang Januar 1838 waren es dann schon über 3.000 Menschen und Vera musste Gebiet in der Region an Turre abgeben.

Auch in der Zeit der Eisen- und Bleivorkommen und dem Aufschwung der Wirtschaft profitierte Turre. Die Nähe zu Garrucha und den Schmelzöfen an der Küste entlang brachte seine Nutzen. Aber halt auch nur solange, bis dieser Wirtschaftszweig zum Erliegen kam. Die Bevölkerungszahlen gingen zurück. Bis das Gebiet für den Tourismus entdeckt wurde.

Währenddessen fällt

mein Blick auf den öffentlichen Brunnen in Torre

gegenüber dem Rathaus, an dem gerade Personen in Kanistern ihren Wasservorrat auffüllen. 50 Liter pro Person sind erlaubt. Verboten sind jedoch hier sein Auto oder sich selbst zu waschen - ganz klare Ansagen, unter den Augen des Rathauses. Ein lauschiges Plätzchen ladet dann gleich daneben zu einer Pause oder einem Gespräch beim Wasserholen ein.

Wir haben schon im letzten Jahr die Empfehlung bekommen - nehmt kein Wasser aus der Leitung zum Trinken oder Kaffeekochen. In Carboneras konnten wir bei unserem kurzen Bummel durch die Stadt sehen, dass hier die Menschen ihr Wasser, zu bestimmten Zeiten, aus einem Tankwagen bekommen.

Leider ist die Zeit der vielen traditionsreichen Feste nicht in unserem Zeitraum. Bei Ankunft im Norden von Spanien waren die Hl. Drei Könige schon vorbei, beim Karneval in Mojácar waren wir schon am nächsten Standort, zu den Fallas in Valencia waren wir einige Tage zu spät - aber bei Ankunft an unserem vierten Quartier am Mar Menor haben wir immerhin noch "die Beerdigung der Sardine" (gleichbedeutend bei uns wie das Begräbnis der Fastnacht) miterleben können.

Ich konnte lesen, dass an diesem Platz rund um das Rathaus im Oktober ein Fest zu Ehren des Hl. Franziskus von Assisi gehalten wird. Ein Kampf zu Pferd aus dem Mittelalter, was wohl ein frohes Spektakel sein muss. Vielleicht haben wir ja mal Glück mit den Festen und sind dann genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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Kirche in Turre - Iglesia Parroquial de la Purísima Concepción

Wie könnte es auch heute anders sein? Wir ziehen wir das Los "Kirche geschlossen". Also schau ich mir die Kirche von außen etwas genauer an, denn ich habe im Vorfeld ein bisschen recherchiert.

Wie schon die Kirche de las Salinas im Naturpark Cabo de Gata ist auch diese Kirche hier in Turre im eklektischen Baustil erbaut worden. Bei diesem Stil sucht man sich aus verschiedenen historischen Epochen und Stilen das Beste heraus, um dann sein eigenes Bauwerk zu erschaffen.

Ursprünglich stand an dieser Stelle eine alte Kirche, die jedoch mehr und mehr verfiel. Als dann 1859 auch noch das Dach einstürzte, musste man handeln und beschloss den Bau einer neuen Kirche. Größer sollte sie werden als die alte Kirche, zwei Kirchtürme sollte sie bekommen und ein Pfarrhaus nebenan. Wunschträume, die so nicht realisiert wurden oder umgesetzt werden konnten. 1863 wurde der Grundstein mit einem überarbeiteten Plan gelegt, und 1885 war der Kirchenbau dann fertig.

Die Glasfenster in der Kirche in Turre

zeigen Darstellungen, die einzigartig in der Welt sind. Ich habe im Vorfeld darüber gelesen, und alle drei Fenster gesucht.

Ein Gynäkologe hatte die Idee, Wissenschaft und Religion zu vereinen. So sollen in den drei Glasfenster Befruchtung, Schwangerschaft und die Geburt, in dem Fall die Geburt Jesu, dargestellt werden. 2015 wurde das erste Fenster an so einer Stelle eingesetzt, dass jeden Morgen mit dem ersten Licht darauf hingewiesen wird, dass Leben entsteht. Im Chorfenster wird der wachsende Embryo dargestellt und in dem Fenster zur untergehenden Sonne die Geburt.

Eine Verbindung zu diesem Thema und der Kirche in Turre gibt es ja bereits im Namen der Kirche zur Unbefleckten Empfängnis.

Der Rückweg zu Fridolin führt uns über den

Plaza de la Constitución in Turre

der ebenfalls ein Ort für Feste ist. Aufgefallen ist mir da eine Statue, zu der ich allerdings keine Beschreibung gefunden habe.

Wir haben uns schon damit abgefunden, dass wir unseren kleinen Ortsrundgang ohne Kaffeepause abschließen werden. Nirgendwo war in dem älteren Teil der Stadt dergleichen zu finden. Auf dem Weg zu Fridolin haben wir dann laute Musik vernommen. Huiiii, da hat aber jemand seine Musik sehr laut ... das war mein erster Gedanke. Bis wir realisiert haben, nein, das kann nicht aus einem Radio kommen, das ist live.

So sind wir quasi der Musik nachgelaufen und kamen an ein großes Lokal direkt an der Durchgangsstraße, in dem eine Sängerin mit Live-Musik die Gäste unterhielt. Wir ergattern uns das letzte freie Plätzchen im Freien und haben eine Weile zugehört. Irgendwann sind wir aber dann doch los, denn wir wollen noch zur

Einsiedelei des Hl. Franziskus von Assisi (Ermita de San Francisco de Asis) in Turre

Ein einfaches kleines Gotteshaus auf einem Hügel über der Stadt - so sieht es auf den ersten Blick aus.

Dabei war hier auf dem Hügel bereits in der Bronzezeit und später bei den Römern ein bewohnter Hügel. Später wurde an dieser stelle eine Moschee errichtet. Auf den Fundamenten dieser Moschee wurde dann so im 17. Jahrhundert eine christliche Kapelle, die dem Hl. Franziskus von Assisi gewidmet ist, erbaut. Rund um die Kapelle wurde das Gelände als städtischer Friedhof genutzt.

Von hier oben hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und das Umland.

Ja, was eigentlich nur ein kurzer Ausflug werden sollte, hat sich dann als interessanter Ortsrundgang herausgestellt. Wir haben in Folge noch weitere 'unscheinbare', aber doch sehenswerte Örtchen entdeckt. Schaut einfach immer wieder auf meinem Reiseblog vorbei. Vielleicht kann ich euch ja mit unseren Zielen inspirieren?

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