Seit 2003 zählt das weiße Dorf Mojácar Pueblo hoch auf dem Hügel zu einem der schönsten Dörfer Spaniens und zum Schönsten der Region Almería.

Das wollen wir doch bestätigt wissen, in unserem Langzeiturlaub in Andalusien. Nachdem wir 2025 zum ersten Mal dem Winter in Deutschland den Rücken gekehrt haben und herrliche sieben Wochen in Calpe an der Costa Blanca erlebt haben, gibt es 2026 eine Fortsetzung aus der Rubrik "Überwintern in Spanien". Immer am gleichen Ort? Nein, das ist nichts für uns. Wir wollen entdecken. Und so haben wir uns 2026 für eine dreimonatige Überwinterung an fünf verschiedenen Standorten in Spanien entschieden. Davon wollen wir acht Wochen Andalusien erkunden. 

Die ersten vier Wochen haben wir uns eine Ferienwohnung in der Nähe von Mojacar gemietet. Mit Blick aufs Meer, das fußläufig zu erreichen ist. Heute, in der ersten Woche unseres Aufenthaltes nehme ich euch jetzt mit

zu meiner Erkundung des weißen Dorfes Mojácar Pueblo in Andalusien

Irgendwie war es wie Blümchen rupfen an diesem Tag. Können wir oder können wir nicht? Nachdem wir bereits eine Woche im Norden Spaniens, in Roses verbracht haben, sind wir dort dem Unwetter davongefahren. Kurz nach unserer Abfahrt meldete die Region 'Land unter'. Aber ganz Spanien, und vor allem Andalusien geriet in Wetterturbulenzen, die es, so konnten wir lesen seit 20 Jahren in der Art nicht mehr gegeben hat. Ein Sturm löst den nächsten ab, ein Regenband ums andere überquert Andalusien. 

Auch am heutigen Tag war Regen und starker Wind gemeldet. Aber soll man jetzt daheim sitzen und warten, ob der Regen auch wirklich kommt? Gegen Mittag sind wir die wenigen Kilometer Richtung Mojácar Pueblo gefahren. Nein, nicht den direkten Weg hoch. Obwohl ja unsere Lotte (unser Navi) diese Aktion letztes Jahr locker geschafft hat und mich quasi den Berg wie ein Hausdach hochgeschickt hatte. Heute überlassen dies den Einheimischen die dort wohnen und fahren gemütlich um den Berg, um dann im letzten Anstieg den Ort zu erreichen.

Normalerweise gibt es am Ortseingang einen großen Parkplatz und ein Parkhaus. Normalerweise! Aber heute war Markttag, die letzten Standbetreiber bauten auf dem Parkplatz ihre Stände zusammen, und ins Parkhaus kam man nicht rein. Zum Glück war nicht viel los und wir bekamen ein Plätzchen für Fridolin an der Straße. Und damit kann

mein Rundgang durch Mojácar Pueblo

beginnen. Logisch, dass was auf dem Berg thront nur durch einen Aufstieg erreicht werden kann. Den ersten Anstieg kann man mit einem Aufzug bewältigen, aber dann geht es durch kleine Gassen nach oben ….

Nicht nur in Mojácar fällt mir der Esel ins Auge. An der Hauswand oder in dem kleinen Souvenierladen. Diese Figuren werden aus Esparto-Gras, einer andalusischen Grasart gefertigt. Solange niemand auf ihnen reiten darf, so wie in Mijas, einem Ziel unseres nächsten Reiseabschnitts, ist für mich alles gut. Warum sie in Andalusien so präsent sind hat einige Gründe: zum einen symbolisieren sie die Landwirtschaft der Region, bei der früher die Esel unentbehrliche Nutz- und Lastentiere waren.

Im religiösen Zusammenhang findet z.B. in Mojácar am Palmsonntag die traditionelle Eselsprozession (Procesión de la Borriquita) statt. Und in ganz Spanien symbolisiert der Esel Friedfertigkeit und Ausdauer. Hmm .... spanische Esel scheinen nicht störrisch zu sein, oder blendet man das einfach aus und bleibt bei den positiven Attributen. 

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Kirche Santa Maria in Mojácar

Zur Zeit der Mauren diente sie als Moschee, in der Zeit der Rückeroberung durch das christliche Königsreich war sie eine Festung. Durch einen Brand wurde sie fast vollständig zerstört. Ende des 16. Jahrhunderts baute man sie wieder auf, und gab ihr als Hinweis auf diese Zeit Mauern aus großen Steinblöcken. Leider haben wir bei unseren Besichtigungstouren sehr oft das große Los bei den Kirchen gezogen. Was bedeutet, der Hauptgewinn: geschlossene Kirchentüren. Oft war es der spanischen Siesta geschuldet, oft waren die Kirchen aber ohne Grund geschlossen. Ich hätte sie zu gerne besichtigt, sollen sich doch in der Kirche Gemälde des deutschen Malers Sucker befinden, der einige Jahre in Mojácar gelebt hat.

Interessant ist die Bedeutung des großen Platzes vor der Kirche. Hier war früher ein muslimischer Friedhof. Freundlich blickt auf dem Platz eine "Mojaquera" zu den Besuchern. Sie stellt eine Wasserträgerin dar und ehrt die Frauen von Mojácar in dieser Rolle. 1989 wurde das Denkmal eingeweiht und verweist auf die wichtige Aufgabe der Frauen. Wasser gab es in früherer Zeit nur an den Dorfbrunnen, den Fuente. Hier trafen sich die Wäscherinnen und die Wasserträgerinnen, die in einem Tonkrug auf dem Kopf das kostbare Nass zu den Häusern auf dem Berg trugen.

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Rathaus in Mojácar

das eigentlich recht unspektakulär daherkommt. Ein Gebäude halt, vor dem Fahnen wehen. Sehenswert ist aber der kleine Platz davor. In der Mitte ein riesengroßer Ficus benjamini, den vor ca. 100 Jahren ein Auswanderer aus Amerika mitgebracht hatte. Ein lauschiges Plätzchen für Feste ....

Durch kleine enge Gassen geht es immer weiter in die Höhe.

Unser Ziel,

der Mirador del Castillo in Mojácar

Er stellt den höchsten Punkt der Stadt dar, scheint so hoch, und ist doch 'nur' 171 Meter über dem Meeresspiegel. Im 14. und 15. Jahrhundert war aber die höchste Stelle im Ort die Sicherheitsgarantie für die Menschen. Von hier aus hatte man den besten Überblick aufs Meer, wo die Piraten aus Nordafrika einfielen, aber auch ins Hinterland.

In Trümmer wurde die Burg und auch die dazugehörige Festung bei einem Erdbeben 1518 gelegt. Erhalten geblieben ist daher nur die Struktur, wo sie einst stand. Unbeeinträchtigt dagegen bleiben die

Blicke aufs Meer und ins Hinterland vom Mirador del Castillo in Mojácar

In der Region Almeria und natürlich auch in Mojácar begegnet man einer kleinen Figur, dem

Indalo, der Glücksbringer in der Provinz Almeria

1868 entdeckte man in Höhlen in der Provinz Almería, zu der Mojácar zählt, bei Höhlenmalereien eine Figur. Die stellt einen Menschen dar, der über seinem Kopf in den Händen einen als Regenbogen interpretierten Bogen hält. Die Höhlenmalerei soll aus der Zeit um 2500 v.Chr. stammen.

Da die Figur auch oft als Halbgott gedeutet wird, der den Menschen mit dem Universum verbindet bekam er in Verbindung zum Christentum seinen Namen nach dem Hl. Indaletius (San Indalecio). Dieser Heilige zählt zu den "Sieben Apostolischen Männern", die im 1. Jh. vom Apostel Petrus in Rom zum Bischof geweiht wurde. Er wurde als erster Bischof in der Region Almeria tätig. Einer Überlieferung nach, soll er in ein ausgetrocknetes Wasserreservoir geworfen worden sein, wo er als Märtyrer verstarb. Nach seinem Tod soll dort, wie durch ein Wunder, wieder Wasser geflossen sein. Er wurde zum Schutzpatron der Provinz Almería und verhalf so dem Männchen zu seinem Namen.

Der Indalo steht für Schutz und Glück und man soll ihn sich nach einer Überlieferung schenken lassen, damit er seine volle Wirkung entfalten kann. Meine beiden Enkelschätze haben natürlich ihren Glücksbringer bekommen.

indalo gluecksbringer in der provinz almeria andalusien 2097

Ein faszinierender Mythos hält sich seit sehr vielen Jahren in dem kleinen Ort und ist sogar an einer Wand künstlerisch dargestellt -

wurde Walt Disney in Mojacar geboren?

Es hält sich die Legende, dass Walt Disney der uneheliche Sohn einer Wäscherin aus Mojácar sein soll. Demnach soll er 1901 geboren worden und später adoptiert worden sein. Wie es bei Legenden so ist, keiner weiß es genau - es wird ohne den Anspruch auf Richtigkeit halt erzählt. 1940 sollen Amerikaner im Geburtsarchiv der Stadt nach Beweisen gesucht haben, denn die Wäscherin soll um die Geburtszeit nach Amerika ausgewandert sein.

Schwupps, und schon ist ein Gerücht in der Welt. Denn lt. eigenen Aussagen von Walt Disney wurde er Chicago geboren. Vielleicht könnte es ja so gewesen sein .... vielleicht.

Wir haben bestimmt nicht alle Ecken von Mojácar entdeckt. Den Rest überlasse ich dann euch, solltet ihr in dieser Gegend sein. Die kleine Stadt ist ein Besuch wert, aber mein Fazit nach mehreren Besuchen von weißen Dörfern in Andalusien - es gibt in der Region um Malaga noch bedeutend schönere weiße Dörfer. Aber das ist wie bei so vielem Ansichtssache.

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