Im Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien

Autor: Inge

veröffentlicht am: Jan. 30, 2026

Inhaltsverzeichnis

Von östlich von Almería bis kurz vor Carboneras zieht sich im Südosten von Spanien der über 33.000 Hektar große Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien.

Eine große Tagestour steht heute auf unserem Plan. "So weit wir kommen", denn mit den vielen Besichtigungspunkten, die auf meinem Plan markiert sind, lässt es sich schwer vorausplanen. Endziel soll der Leuchtturm Cabo de Gata und der Mirador del Arrecife de las Sirenas (Sirenenfelsen) sein - wenn wir so weit kommen.

Nachdem wir in der ersten Woche unseres vierwöchigen Aufenthalts bei Mojácar bereits am nördlichsten Rand des Naturparks am Playa de los Muertos waren, soll heute der Weg tiefer in den Naturpark führen. Zielstrebig sind wir wieder über die landschaftlich einmalig schöne Passstraße AL-5107 Richtung Carboneras gefahren, um von dort aus unser erstes Ziel anzufahren.

Kommt jetzt mit zu

meiner Fahrt durch den Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien

und dem ersten Stopp

am Playa de Agua Amarga

Das kleine Fischerörtchen schien noch etwas im Winterschlaf. Aber das herrliche Wetter heute treibt doch schon einige Leute an den Strand, der als besonderes Highlight eine Felswand mit einigen Felsenhöhlen bietet. Die Mauren haben den kleinen Ort am Meer gegründet, und beschaulich lebte man auch nach deren Zeit von der Landwirtschaft und vom Fischfang. Geschäftig wurde es dann ab 1896 als man das Eisenerz aus dem Hinterland zu den Klippen am Ortsrand per Bahn transportierte um es dann per Schiff weiter zu transportieren. Noch heute lassen sich auf dem Berg die Reste der Erzverladeanlage besichtigen.

Der kleine Strand gab mir so viele Fotomotive, dass er einen eigenen Bericht auf meinem Reiseblog bekommt.

Man käme von Mojácar, unserem Standquartier, auch über die Autobahn oder Nationalstraßen Richtung unserem Ziel. Allerdings wäre diese Strecke, die wir in Folge noch öfter zu entlegenen Zielen gefahren sind, landschaftlich weit weniger reizvoll. Über kleine Sträßchen, abseits der 'normalen' Verkehrswege - wann immer wir das können, fahren wir so. Dafür bedarf es dann halt einer genauen Streckenplanung, und der Suche nach kleinen Sträßchen. Die mir dann aber auch manchmal fast das Herz stillstehen lassen, weil sie recht eng werden können.

Die Fahrt vom Playa de Agua Amarga zum Playa de Cabo de Gata

war traumhaft. Kleine Straßen durch unberührte und unverbaute Natur. Über lange Strecken kam uns kein Auto entgegen oder hat uns überholt. Das hat Vor- und Nachteile, ich weiß. Spontan erinnere ich mich da an einen solchen Ausflug in der Toskana. Es ging genauso nur durch die Natur. Keine Ortschaften weit und breit, kein Auto kam uns entgegen. Nur wir und die Natur.

Und genau da ließ Fridolin die Alarmsirenen schrillen - subito, ich will Wasser. Hä, kann doch gar nicht sein, das wurde doch beim Kundendienst vor Abfahrt kontrolliert. Doch Fridolin ließ nicht locker, und nach einem Blick aufs Kühlwasser mussten wir ihm leider recht geben. Wie kann sowas passieren? Bist du etwa undicht geworden? Eine Ortschaft war noch lange nicht in Sicht, und Wasser wie es Fridolin benötigt hätte, hatten wir nicht im Auto (mittlerweile haben wir jetzt immer Trinkflüssigkeit für ihn dabei). Langsam steuerten wir auf die nächste Ortschaft zu, in der Hoffnung einen offenen Laden oder eine Tankstelle zu finden. Pech für euch, heute ist Feiertag, der kleine Dorfladen hat zu und eine Tankstelle gibt es hier nicht. Eine Gaststätte hat uns dann geholfen.

Aber an solche Schreckmomente will ich jetzt nicht denken, sondern nur die Landschaft genießen. Genießt ihr mit? Ich hab euch über die Fahrt einen Film geschnitten. Denn bei solchen Fahrten lassen wir mittlerweile von Anfang bis Ende unsere Dashcam mitlaufen.

Lasst euch von dem Vorschaubild nicht täuschen. Eine Ortschaft sahen wir erst etwa nach 30-40 Minuten Fahrt. Und das waren dann eher ein paar Häuser und ganz viele Gewächshäuser. Davor war ein Stopp aber mit diesem Ausblick ....

Fährt man einerseits durch die unberührte Natur, gibt es andererseits aber auch etwas, wo ich dachte - und das in einem Naturpark?

Die riesigen Gewächshausplantagen im Naturpark Cabo de Gata in Andalusien

Man sieht sie von der Autobahn in Richtung Süden. Sie beginnen etwa in Höhe vor Níjar und reichen bis vor Malaga, wo sie aber dann nur noch vereinzelt zu sehen sind. Ganz schlimm empfand ich die Plastikflut um Almería herum. Direkt sind wir auf unserer Überland-Tour dann durch Ortschaften gekommen, die quasi nur aus Gewächshäusern bestehen.

Ca. 32.000 Hektar glänzendes Plastikmeer von den Bergen bis ans Meer. Hauptsächlich Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini werden hier für den europäischen Markt angebaut. So hat sich in den letzten dreißig Jahren diese, einst eher fruchtlose Gegend, zum größten bewässerten Anbaugebiet unter Folie der Welt entwickelt. Wer dies nicht weiß, und hier seinen Urlaub bucht .... sieht Folie so weit das Auge reicht.

Man darf jetzt aber nicht die Qualität mit der Ware aus Spanien in Deutschland vergleichen. Auch wenn der Anbau wirklich umstritten ist und umstritten sein darf, Tomaten direkt in Spanien aus Spanien waren wirklich sehr lecker und schmackhaft. Ihr dürft euch jetzt eure eigenen Gedanken zu dieser Folienflut machen .... von der Autobahn aus (bei einer anderen Fahrt) und heute bei unserer Fahrt durch den Naturpark.

Gegensätze, ja die finden sich im Naturpark Cabo de Gata. Ich hatte auf unserem Planzettel

den Cortijo del Fraile - das historische Kulturdenkmal im Naturpark Cabo de Gata-Níjar

In der Region um unsere Ferienwohnung sind unzählige interessante Lost Places zu finden, die wir natürlich (wenn sie auf der Strecke liegen) anschauen wollen. Dieser Lost Place, das Bauernhaus des Mönchs wie es übersetzt heißt, kam deshalb auf die Liste, weil auf diesem Bauernhof verschiedene Filme (z.B. 'Zwei glorreiche Halunken' oder 'Für ein paar Dollar mehr') gedreht wurde, und es mehrere Gebäude auf dem Gelände geben soll. Auch

die Geschichte zum Cortijo del Fraile

hat mich interessiert. Im 18. Jahrhundert sollen Dominikanermönche (deshalb auch der Name) das Bauernhaus erbaut haben. 1836 wurde aber per Gesetz die Enteignung von Ordenbesitz erlassen, und der Hof ging an den Staat und anschließend durch Versteigerung in einen Privatbesitz.

Das Ereignis, das den Hof berühmt machte, hätte nicht passieren müssen. Am 22. Juli 1928 erschütterte ein Familiendrama die Region, das "Verbrechen von Níjar". Eine arrangierte Hochzeit sollte stattfinden. Doch die Braut floh kurz vor der Hochzeit mit dem Mann, den sie wirklich liebte, ihrem Liebhaber. Der wurde auf der Flucht erschossen, die Braut wurde schwer misshandelt. Dieses tatsächlich stattgefundene Geschehen war die Inspiration u.a. für das Buch "Bluthochzeit".

'Lotte' unser Navi hat uns bestätigt, dass von unserer Route ein Abzweig zu diesem geschichtsträchtigen Hof abgehen soll. Aber Lotte hat halt auch keine Glaskugel und sieht nicht, wie der Weg dahin in natura aussieht. Und der sah so aus ....

Die Entscheidung war wie Blümchen rupfen ... sollen wir, sollen wir nicht, wagen wir es, lassen wir es sein?
Nach einigen Metern erneutem Versuch weiterzukommen, und Lotte uns versprach, "das habt ihr noch ein paar Kilometer so", haben wir umgedreht. Man muss ja nicht um alles in der Welt irgendwo festhängen. Wenn ihr den Versuch wagen wollt, den Hof kann man wohl auch über Rodalquilar erreichen. Der hätte heute aber für uns einen großen Umweg bedeutet.

Nix war's ... weiter geht die Fahrt Richtung Meer. Und ihr bekommt in der Zwischenzeit

ein paar Informationen zum Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien

Die UNESCO hat diese Land- und Meeresfläche, die gesamt so ca. 50.000 Hektar ausmacht zu einem Global Geopark und Biosphärenreservat ausgezeichnet. Entstanden ist das Gebiet vor etwa 20 bis 11 Millionen Jahre. Hier kam es durch Vulkane zu einer Dehnung der Erdkruste, in deren Folge Magma die Küste in einer spektakuläre Vulkanlandschaft verwandelte. Bedingt durch das Klima, denn dies ist eine der trockensten Regionen Europas, wird das Vulkangestein extrem langsam abgebaut. Die herrliche Landschaft zeigt sich damit in bizarren Klippen und Kratern. Wunderschön ist dies auch in der Wüste von Tabernas zu bewundern. Der einzigen Halbwüste Europas, und ebenso wie im Naturpark Drehort für unzählige Filme. Wir haben die Wüste von Tabernas in der ersten Woche unseres Aufenthaltes besucht.

Wie kam der Naturpark zu seinem Namen?

Eigentlich heißt ja "Gata" übersetzt Katze. Aber was soll eine Katze mit einer Vulkanlandschaft zu tun haben? Nein, die Katze ist nicht an der Namensgebung beteiligt, sondern ein Mineral, das in den Vulkanfelsen gefunden wurde, "Achat". Ins spanische übersetzt "agata". Aus dem Capo de Agatas, dem Kap des Achats, wurde im Lauf der Jahrhunderte Capo de Gata.

Wir sind inzwischen

beim Mirador Las Salinas im Naturpark Cabo de Gata

angekommen. Von diesem Beobachtungspunkt hat man einen wunderschönen Blick über das knapp 400 Hektar große Feuchtgebiet. Im Osten von Andalusien sind sie die einzigen Salzgärten, die über 80 Vogelarten und Flamingos eine Heimat geben.

Vom Aussichtpunkt aus kann man das wohl bekannteste Fotomotiv in Verbindung mit dem Naturpark in der Ferne schon erkennen -

die Iglesia de las Salinas im Naturpark Cabo de Gata

Die Kirche wurde von der Salzgesellschaft für ihre Mitarbeiter erbaut. 1904 wurde mit dem Bau begonnen, der 1907 vollendet war.

Ist das nicht ein wunderschöner Anblick, wie die Kirche da so allein neben dem Strand steht?


Leider war sie für einen Besuch geschlossen. Interessant ist aber die Bauweise. Sind die Häuser entlang den Salinen ganz normal auf dem Grund erbaut, so bekam die Kirche eine Erhöhung in Form einer Plattform. Dadurch soll das Gotteshaus vor dem Eindringen von Salzwasser und Sand geschützt werden. Unterhalb der Kirche lagerten Waren in Wirtschaftsräumen.

Schlicht im Stil des Eklektizismus erbaut und mit einem schlanken quadratischen Glockenturm wurde die Kirche ebenfalls zum Drehort zahlreicher Filme. Man kann sie wirklich nicht übersehen, wenn man an dem etwa fünf Kilometer langen

Playa Las Salinas im Naturpark Cabo de Gata

entlangfährt. Wir haben gleich am Anfang des Strandes einen längeren Stopp eingelegt, und uns nach der langen Fahrt erstmal in dem Chiringuito gestärkt. Das war so quasi im Blindflug auf der Karte Gerichte auswählen 🙂 In dem einfachen Fischerlokal wurde kein Englisch gesprochen. Egal, das was wir bekommen haben, war wirklich köstlich. Während wir genüsslich, mit Blick aufs Meer, essen, füllt sich nach und nach das Lokal. Die Besucher suchen sich in der Theke ihren Fisch aus, der dann für sie zubereitet wird.

Es war gut, dass wir uns vor unserem Strandspaziergang gestärkt haben. So hatte es der starke Wind doch etwas schwerer, uns durch die Gegend zu treiben 😉

Impressionen vom Playa Las Salinas Cabo de Gata

die zeigen, dass hier auch heute noch die Fischer mit ihren Booten aufs Meer fahren. Ohne weitere Worte sind die Blicke, die sich mir nach allen Seiten geboten haben.

Direkt an der Küstenstraße kann man ihn nicht übersehen, den

Torre de Cabo de Gata

Überall an der Küste entlang wird man in Spanien solchen Festungen begegnen, denn sie dienten der Verteidigung zum Schutz der Bevölkerung und des Landes. Als 1756 König Ferdinand VI. den Befehl zum Bau der Turmanlage gab, galt es aber zudem auch der Absicherung der Salzproduktionsstätten an der Küstenlinie entlang.

Bewusst wurde die Turmform wohl kegelförmig gewählt. Die Kanonenschüsse sollen so besser abgelenkt werden, als bei eckigen Bauten. Heute stehen noch die Ruinen am Strand, lassen aber mit dem Verfall ahnen, wie sehr dem Bau Wind und Salzwasser zugesetzt hat.

Vorbei an der Salzfabrik, immer am Strand entlang, führt unsere Fahrt jetzt zum

Leuchtturm von Cabo de Gata in Andalusien

Zum Südöstlichsten Punkt Spaniens windet sich eine gute ausgebaute Bergstraße hinauf. Kurvenfahrten darf man jedoch nicht scheuen. Am Zielpunkt angekommen steht für die Besucher ein größerer Parkplatz bzw. Wendeplatz bereit. Auch hier oben war es eine perfekte Lage zur Verteidigung der Küste. So ließ Philipp V. in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dort oben ein Kastell errichten. Im Innenhof wurde 1863 der Leuchtturm errichtet, der signalisiert - kommt hier nicht zu nahe an die Küste, das könnte gefährlich werden.

Für den tollen Ausblick, den man von hier oben hat, darf man ein Stück in die Natur gehen, oder wenn der Leuchtturm geöffnet ist, auf die Plattform. Heute war der jedoch geschlossen und es war gar nicht so einfach, vorwärts zu kommen. Es bläst ein Wind vom Feinsten. Aber dann bietet sich ein Blick - atemberaubend schön auf

das "Sirenas-Riff" (Meerjungfrauen-Riff) beim Faro de Cabo de Gata

Spitz ragt der Überrest eines alten Vulkanfelsens aus dem Wasser. Nein, das war kein Platz für eine Meerjungfrau. Die Fischer hier nannten Mönchsrobben auch Meerjungfrauen, und die hatten bis etwa Mitte des 20. Jh. hier eine Kolonie. Vermutlich kam das spitze Riff so zu seinem Namen.

Aufpassen ist an dieser Stelle auf dem Meer aber wohl angebracht. Denn unter der Meeresoberfläche soll ein Riff 1929 einen langen Dampfer zum Sinken gebracht haben.

Wäre nicht der starke Wind, ich könnte noch viel länger den Wellen zuschauen, wie jede anders, auf das Riff trifft. Über einen Weg kommt man hinunter zu einer kleinen Bucht - oder hinauf in die Berge, von denen sich ein paar ehemalige Vulkane nennen dürfen. Vor langer langer Zeit ....

Jetzt heißt es für uns jedoch den Rückweg anzutreten. Nein, fahre aber nicht direkt nach Mojácar, sondern mache einen Abstecher nach San José und in ein paar schönen Buchten dort. So war der Plan. Aber entweder hatte unsere 'Lotte' keine Lust mehr uns den richtigen Weg zu zeigen, oder ich litt an Übersättigungserscheinungen. Ja, ich bin bei uns der Fahrer, mein Mann der beste Navigator der Welt. Aber eben nur so weit, wie ihn Lotte nicht veräppelt. Irgendwann hatten wir genug von der Sucherei und sind über die Berge dann doch zurück zu unserer Ferienwohnung bei Mojácar.

Schlussendlich hatten wir einen tollen Tag mit wirklich wunderschönen Eindrücken und waren uns nach über 200 km Fahrt einig - morgen kein großes Programm. Ob wir diesen Vorsatz auch tatsächlich umgesetzt haben? Das könnt ihr in meinen Wochenberichten von unserer Überwinterung verfolgen.

Das könnte euch auch interessieren

So kommt ihr in den Naturpark Cabo de Gata-Níjar in Andalusien