Ein Streifzug durch Lucainena de las Torres

Autor: Inge

veröffentlicht am: Feb. 6, 2026

Inhaltsverzeichnis

Das kleine Bergdorf Lucainena de las Torres, in der Sierra Alhamilla, wurde 2003 in die Liste der "Schönsten weißen Dörfer in Spanien" aufgenommen.

Nein, wir haben es uns nicht zur Pflicht gemacht zu prüfen, ob die jeweiligen Dörfer verdient ihren Platz in dieser Liste haben - aber, wenn möglich schauen wir uns doch gerne diese Dörfer an. Wenn man denn schon in Andalusien ist 🙂 Und bei den Entfernungen zu so manchem Ausflugsziel, ist es auch nicht verkehrt, wenn man da einige Ziele verbindet. So richtig schnell geht es nämlich nur auf der Autobahn und den Bundesstraßen voran. Aber irgendwie sind uns solche Fahrten dann doch auch zu langweilig. Wir möchten ja schließlich etwas von der Gegend sehen, die für vier Wochen unser erstes Überwinterungsziel in Andalusien ist.

Heute sind wir von Mojácar, unserem Standort, zuerst nach Níjar aufgebrochen. Da wir heute noch genug Überlandfahrt eingeplant haben, ging es am frühen Morgen tatsächlich auf dem schnellsten Weg über die A-7 nach Níjar. Nach einem ausgiebigen Bummel durch die kleine Altstadt und dem Kakteengarten ist unser nächstes Ziel Lucainena de las Torres.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass primär nicht "eines der schönsten weißen Dörfer" den Ausschlag gegeben hat den Ort anzufahren, sondern die Kurvenstrecke die Google Maps angegeben hat. Wir lieben Bergstraßen, Kurven dürfen sie gerne haben, wenn die Straße so breit ist, dass zwei Fahrzeuge aneinander vorbeipassen. Tja, da bin ich mittlerweile schon ein bisschen vorsichtiger geworden, nachdem ich auf einer engen Bergstraße am Lago Maggiore kurzzeitig Schnappatmung bekommen hatte. Wohnmobil in der Kurve. Dieses Glückslos möchte ich wahrlich nicht noch einmal ziehen. Deshalb kontrolliere ich vorab gerne den Straßenverlauf bei Google Earth. Seid gespannt, wie es dieses Mal wird 🙂

Ich nehm euch jetzt mit zu

meinem Streifzug durch Lucainena de las Torres in Andalusien

der bereits mit

der Fahrt von Níjas nach Lucainena de las Torres

beginnt. Eine super ausgebaute Straße führt stetig bergauf in die Sierra Alhamilla, die es jetzt zu durchqueren gilt. Wer keine Angst vor vielen Kurven hat, wer kein Signal vom Magen bekommt - besser nicht, und ihr seid in dieser Gegend, ich kann euch diese Fahrt nur empfehlen. Unbeschreiblich schön ....

Mitten in den Bergen zwei riesige Solarparks.

In einer Größenordnung, wie ich sie so noch nie gesehen habe.

Kurz nach dem zweiten Solarpark, darf ich dann erleben, dass ich wieder in die Trommel mit den Glückslosen greife.

In der Regel halte ich mich auf solchen Bergstrecken strikt an meinen Fahrstreifen, was ich ersten Teil der Fahrt auch beruhigt konnte. Zudem ist der Streckenverlauf schon weit vorher einsehbar, und damit auch, ob ein Auto entgegenkommt. Dann gibt es aber einige Teilstücke, wo es rechts ohne Leitplanken oder Befestigungen den Abhang hinuntergeht. Da ich ein Problem mit Tiefe und Abhängen habe, habe ich Fridolin so ca. einen Meter neben der Begrenzung gelenkt und mich in der trügerischen Sicherheit gewähnt, dass mir auch in der Kurve niemand entgegenkommt. Angemerkt sei an dieser Stelle: auf der gesamten Strecke war kein Auto vor uns, und kam (bis auf diese Kurve) auch kein Auto entgegen. Das Glückslos seht ihr in meinem Film - ein großes Wohnmobil kommt um die Kurve.

Vielleicht fragt sich jetzt mancher von euch - dann lass doch deinen Mann fahren, wenn du da ein Problem mit hast? Leider, ich sags euch, ist das keine gute Idee. Nicht, weil mein Mann kein guter und sicherer Fahrer ist. Nein, eine Altlast, die ich, egal wie oft ich es schon probiert habe, einfach nicht loswerde, lässt mich zum lausigsten Beifahrer der Welt werden. Mein Mann hätte keine Freude an meinem Gemecker, das irgendwann beginnen würde. Erlebnisse prägen und hallen nach. Wir haben es getestet mit dem Ergebnis, dass mein Mann dann so gefahren ist, dass ich zufrieden bin. Was für ihn aber dann wiederum sehr anstrengend ist. Mich erträgt man nur schlafend auf dem Beifahrersitz. Hier habe ich das Steuer auf der Fahrt von Venedig nach Hause abgegeben, weil ich tatsächlich so müde war, dass ich kurz nach dem Wechsel tief und fest geschlafen habe.

Mein Mann wusste von Anfang an um diese 'Macke'. Er sagt immer: "du fährst sicher und gut, ich fühle mich auch als Beifahrer wohl." Dabei hat er doch den wichtigsten Job überhaupt bei unseren Fahrten. Er navigiert Fridolin und mich, passt zusätzlich auf den Straßenverkehr auf und lotst mich durch die größten Städte. So, dass ich mich nur auf die Straße konzentrieren muss. Perfektes Team würde ich sagen, und so haben wir in diesen vier Monaten rund 10.000 km geschafft.

Die Strecke ist durch die herrlichen Aussichten echt kurzweilig.

Der Blick auf Lucainena de las Torres

zeigt, dass wir es bald geschafft haben. Einen Parkplatz haben wir recht schnell gefunden.

Der kleine Ort, direkt unterhalb eines Berges scheint überschaubar groß zu sein. Eine kurze Kaffeepause in dem einzigen geöffneten kleinen Café und dann führt uns der Weg

durch die Gassen von Lucainena de las Torres

Ziel unseres Weges ist

die Pfarrkirche Nuestra Senora de Montesión in Lucainena

An der erhöhten Stelle im Ort stand in früherer Zeit eine maurische Moschee. Nachdem diese aber bei den Moriskenaufständen zerstört wurde, wurde 1505 mit dem Bau des Gotteshauses begonnen. Es hat wie so viele Kirchen, auch wie die Kirche in Níjar den Stil einer Festungskirche. In der Kirche haben die Bewohnung Zuflucht und Sicherheit bei Überfällen gefunden, so auch möglicherweise während der Piratenüberfälle die dann im 16. Jahrhundert das gesamte Gebiet heimgesucht haben. Dabei wurde die Kirche dann auch beschädigt. Und war es nicht allein den Piratenüberfällen zuzuschreiben, dann litt sie vielleicht auch durch die Aufstände und die Kämpfe zwischen Morisken und Christen.

Auch bei einem Kirchenbau ist nichts für die Ewigkeit. im 18. Jahrhundert entstand die Kirche, wie man sie heute sieht - mit einem quadratischen Eckturm und einer Kuppel über dem Querhaus. Leider war die Kirchentüre fest zugesperrt - eine Besichtigung innen war nicht möglich.

In Spanien wird Maria sehr verehrt. Sie ist die Schutzpatronin des Ortes und der Name "Unsere Liebe Frau von Montesión" ist ein sehr verehrter Marientitel in Spanien. Er verweist auf die biblische Stätte des Berges Zion in Jersusalem. Andere Verehrungen sprechen z.B. auch von Maria vom Berg Kamel.

Wundeschöne Ausblicke gibt es beim Platz vor der Kirche vom

Mirador del Poyo de la Cruz in Lucainena de las Torres

Bevor mein Bummel weitergeht, bekommt ihr

ein bisschen Geschichte zum Ort Lucainena de las Torres in Andalusien

Ich könnte da in der Steinzeit anfangen, aber lassen wir das besser mal. Auch die Römer waren hier, denn man vermutet, dass der Ortsname sich vom römischen Patrizier Lucanius herleitet. Es kam dann die Zeit der Mauren. Hier soll während dieser Zeit eine Burganlage mit Wachtürmen gestanden haben. So konnte man quasi als Grenze bei der Bergkette kontrollieren wer von Land oder von See kam. Aufgrund dieser Befestigungsanlage wurde der Ort "Lucainena de las Siete Torres" genannt. Sieben Türme gaben den Überblick - heute verbleibt nur noch "Torres" im Ortsname.

Verwaltungstechnisch gehörte die Gemeinde zu dieser Zeit zu Níjar. Als die katholischen Truppen das Land wieder zurückgeholt hatten, wurde die Ländereikarte neu gemischt. Die katholischen Könige befanden, dass Don Enrique Enriquez der richtige Mann für die Herrschaft von dreizehn Ortschaften wäre. Der einflussreiche Adlige war ein Verwandter eines katholischen Königs und bewegte sich als Vertrauter und Heerführer am Königshof.

Das Schicksal der Vertreibung traf im Alpujarras Krieg, der 1568 begann, auch Lucainena de las Torres. Der Aufstand der Morisken (die gezwungenermaßen zum christlichen Glauben übergetreten sind) ging in einen handfesten Krieg gegen die Katholischen Truppen über. Das Ende war die Vertreibung von über 80.000 Morisken aus dem gesamten Gebiet. Städte und Dörfer blieben ohne Einwohner zurück. Das kann man doch nicht so lassen, dachte sich auch König Felipe II., der in einem Gesetz vorschrieb, das Menschen, die nicht im Königreich Granada lebten, in diese verlassenen Gebiete umgesiedelt werden.

Das ging jedoch nur schleppend voran, denn Mitte des 18. Jahrhunderts lebten gerade mal gut 430 Bewohner im Dorf. Und auch die Ländereien samt dem Ort wechselten den Besitzer. Alles wird im 19. Jahrhundert anders. Zuerst bekommt 1835 der Ort seine eigene Verwaltung, denn die Herrschaftsverwaltung wurde abgeschafft. Und dann setzte der Bergbau ein, und damit auch für den Ort ein wirtschaftlicher Aufschwung. Das gewonnene Erz aus der Region musste jetzt irgendwie ans Meer zum Weitertransport geschafft werden. Dafür wurde eine Eisenbahnlinie von Lucainena de las Torres nach Agua Amarga gebaut. Das Eisenerz wurde per Bahn in das kleine Fischerdorf gebracht, um von dort aus nach Amerika verschifft zu werden. Mit Einstellung des Bergbaus war der Aufschwung aber genauso schnell wieder vorbei wie er gekommen war. Die Überreste einer alten Anlage lassen sich in der Nähe des Ortes besichtigen. Wir haben auf einen Besuch verzichtet, der Tag ist auch so schon vollgepackt mit Eindrücken.

Geblieben ist das Gassenwirrwarr aus maurischer Zeit, durch das wir uns jetzt weiter treiben lassen. Dabei fallen mir

die wunderschönen Straßenschilder in Lucainena de las Torres

auf. Ich habe den Eindruck, die Einwohner des Ortes tun alles dafür, dass der Platz auf der Liste "schönste weiße Dörfer in Spanien" gesichert bleibt.

Blumen über Blumen in Lucainena de las Torres

Ich kann euch nicht den Namen der kleinen Gasse sagen, sie ist einfach nur schön ....

Herausgekommen sind wir am

Plaza del Ayuntamiento in Lucainena de las Torres

einem kleinen schnuggeligen Platz, auf dem das Rathaus steht. Ein Platz für Geselligkeit und für die Feste der Gemeinde.

Lucainena de las Torres, der Drehort für Westernfilme

Die Lage des Ortes, perfekt in den Bergen, in Nähe der Wüste von Tabernas, in der viele Westernfilme gedreht wurden - warum auch nicht hier im Ort? Kurzerhand wurden in den 1960er Jahren im Ort und in den Bergen z.B. "Los Desperados" oder der italienische Spaghetti-Western "Die letzten Zwei vom Rio Bravo" gedreht.

Was jetzt allerdings Don Quijote und sein Diener Sancho Pansa hier mit dem Ort zu tun haben? So viel ich auch recherchiert habe, ich hab keinen Bezug zu Lucainena de las Torres gefunden. Ihr wisst schon, der, der gegen Windmühlen gekämpft hat. Wenn ihr den Bezug kennt, und warum hier im Ort dieses Schild hängt, dann freue ich mich auf eure Info.

Jetzt noch

ein paar Eindrücke aus Lucainena de las Torres

die nicht kommentiert werden müssen.

Den Rest dürft ihr selber entdecken, denn für heute ist bei uns nach dem langen Tag die Luft raus. Auf 'einfachen' Straßen geht es über Sorbas zurück nach Mojácar zu unserer Ferienwohnung.

Mein Fazit zu diesem kleinen Bergdorf - absolut empfehlenswert, hier einen Besichtigungstopp einzulegen. Ja, eigentlich könnte man hier in Andalusien so viele Stopps einlegen, denn manchmal schaffen es die kleinen, scheinbar unscheinbaren Orte, die man 'so nebenbei' entdeckt, dass man ein begeistertes Wow ruft.

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