Níjar soll zu den schönsten Kleinstädten in der Provinz Almería in Andalusien zählen. Grund für uns, dem Ort einen Besuch abzustatten.
Solche Prädikate lassen es Ortschaften oder Sehenswürdigkeiten schaffen, auf meinen Ausflugsplan zu kommen. Denn das wollen wir selber beurteilen. Ja, da werden die Meinungen schwer auseinandergehen - die einen sehen es so, die anderen so. Auch wir sind, ob der Vielzahl der besuchten Orte, manchmal im Zweifel, aus welchem Grund so ein Prädikat gegeben wird oder wurde. Aber zum Glück darf es ja jeder für sich selber so sehen wie er möchte. Ich würde Níjar jetzt diesen Titel nicht absprechen - warum? Kommt mit
zu meinem Bummel durch Níjar in Andalusien
das wir heute auf dem schnellsten Weg über die mautfreie Autobahn A-7 angefahren haben. Etwas vor Níjar beginnt das Gebiet mit den unzählig vielen Gewächshäusern von den Bergen bis ans Meer. Eines der größten bewässerten überdachten Anbaubaugebiete der Welt. Augen auf bei der Urlaubsortwahl, kann ich da nur sagen. Die Folienfront zieht sich sogar durch den Naturpark Cabo de Gata, wie wir bei unserer Fahrt durch den Naturpark sehen konnten. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, wo Tomaten, Paprika oder Zucchini aus Spanien in deutschen Supermärkten herkommen 🙂
Um in
die historische Altstadt von Níjar
zu kommen, darf man erst einmal durch die Hauptstraße des neueren Ortsteils fahren. Da war uns bereits klar, auf der Rückfahrt müssen wir hier unbedingt anhalten. Denn wie mein Beitragsfoto bereits aussagt - Níjar ist eine Keramik- und Töpferstadt. Und entlang der Straße reiht sich ein derartiges Geschäft oder Werkstatt an der anderen.
Fridolin bekommt einen Platz auf dem großen Parkplatz am Rand der Altstadt. Bis hierher und nicht weiter, sei jedem angeraten, der sich den alten Ortskern anschauen möchte. Es gibt danach keine Parkmöglichkeiten mehr. Mit wenigen Schritten bergauf, vorbei an kleinen Souvenierlädelchen, sind wir am ersten Highlight des kleinen Altstadtkerns,
auf der Plaza de la Glorieta in Níjar
Dieser schnuggelige Platz ist das Herz der historischen Altstadt und wohl auch Treffpunkt der Einwohner. Der Regen, der noch kurz vor unserem Eintreffen war, hat sich verzogen, und mein erster Blick geht auf
die Kirche der Heiligen Maria Verkündigung (Iglesia de Santa María) in Níjar
Die Wehrkirche wurde im 16. Jahrhundert im Mudéjar-Stil erbaut. Diese Stilrichtung verbindet die christliche Bauform einer Kirche mit islamischen und maurischen Elementen. Benannt wurde der Baustil nach den Mudéjares, den Muslimen, die unter christlicher Herrschaft lebten.
Die Kirche La Anunciación von außen
zeigt einen Wehrturm, der die Bedeutung der Verteidungskirche zeigt. Diente er damals der Verteidigung, ist er heute 'nur' Glockenturm.



König Carlos I. war an der Regentschaft, als Bischof Corrionero den Bau der Wehrkirche in Auftrag gegeben hat. Da der kleine Ort nicht weit vom Meer ist, musste zu der Zeit auf der Hut vor den Piratenangriffen sein. Die kamen von Nordafrika übers Meer um mit Sklaven und Beute wieder zu verschwinden. Da war so eine Wehrkirche perfekt zum Schutz der Bevölkerung denn vom Turm aus konnte man Angreifer ja sehen.
Solltet ihr in Níjar sein, ich habe es nämlich übersehen, schaut auf das Wappen des Bischofs über dem Kircheneingang. 2008 stürzte das Original durch ein Erdbeben herunter, wird jetzt sicher verwahrt und durch eine Nachbildung ersetzt.
Die Iglesia de Santa Maria in Níjar von innen
Wir hatten Glück, die Kirchentüren waren geöffnet. Wir waren allerdings auch noch vor der üblichen Siestapause in der Stadt. Die Kirche ist dreischiffig, und im Hauptaltar ist die Namensgeberin der Kirche. Zu ihrer Rechten ist der Hl. Sebastian, der Schutzpatron der Stadt. Er ist einer von meinen 'Lieblingsheiligen' und begleitet mich auf vielen Kirchenbesichtigungen. Scheinbar vertrauen sich noch weitere Städte, wie z.B. Lubrín seinem Schutz an. Links von der Maria ist der Hl. Antonius.
Ein Blick verdient auch die herrliche Kassettendecke im Mudéjar-Stil. Schaut euch mit mir um ....









Raus aus der Kirchentüre und man hat
den Blick auf das Rathaus von Níjar
und über den Platz, der der Treffpunkt für Feste oder ein Schwätzchen unter der Zeit ist.




Bevor es zum Bummel durch die alten Gässchen geht, bekommt ihr
ein bisschen Geschichte zu Níjar in Andalusien
Die Zeit in die Antike, in der dieses Gebiet schon besiedelt wurde, überspringe ich. Weitere Besiedlungen sind aus dem 9. Jahrhundert belegt. Danach wurde es zur Heimat der Mauren. Ich hüpf jetzt aber gleich in die Zeit, als die christlichen Truppen nach der Kapitulation von Granada 1489 das Gebiet und die Stadt übernahmen. Ab diesem Moment galt der Ort mit Stadtrechten versehen unter der Verwaltung des Königs.
Für die Menschen die sich hier ihren Lebensmittelpunkt aufgebaut hatten, war es insgesamt ein schweres Leben. Am Rand der Halbwüste war der Boden hart und trocken, hatte viel Fels und da der Erwerb nur aus Landwirtschaft bestand, schwankte die Zahl der Bewohner, die dies durchgehalten haben. Jetzt kam nach der christlichen Eroberung noch dazu, dass sich die Mudéjaren mit den christlichen Bewohner arrangieren mussten, was sie bereits seit dem 11. Jahrhundert so gut wie ohne Probleme hinbekamen. Aber es gibt ja immer so ein paar Quertreiber.
Diese kamen aus dem christlichen Lager und fingen 1500 an, die Mudejaren anzugreifen, weil sie einer Zwangskonfession nicht zustimmen wollten. Es ist überliefert, dass auf solch einen Rebell als Strafe die Versklavung stand. Königin Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón setzten diesen Tumulten 1502 mit einem Dekret ein Ende. Entweder sollen die Mudéjars zum christlichen Glauben übertreten oder sie haben das Land zu verlassen.
Vielen blieb nichts anderes übrig als sich auf dieses "Spiel" einzulassen. Sie wurden in der Folge Morisken (neue Christen) genannt. Aber in ihrem Innern hielten sie trotzdem an ihrem Glauben und an ihren Traditionen fest. Man könnte meinen, in einer Win-Win Situation lernen die einen von den anderen, z.B. Techniken im Kunsthandwerk oder bei den Seidenstoffen. Unter der Oberfläche brodelte es aber gewaltig bei den Morisken. Denn Carlos I. erließ 1526 ein Dekret, dass auch die im verborgenen gelebten Traditionen zu unterlassen sind, auch die traditionelle Kleidung der Mauren und ihre arabische Sprache. 1567 erließ der nächste König, Philipp II. weitere Druckmittel.
Die Morisken bereiteten im Hintergrund den Aufstand vor, benannten ein Anführer und von 1568-1571 ging es dann so richtig zur Sache zwischen den katholischen Truppen und den Morisken. Das Ende vom Aufstand war die Vertreibung von so rund 80.000 Morisken. Wenn ihr mehr über die Hintergründe und den Aufstand nachlesen möchtet, dann klickt HIER.
Für die gesamte Region und auch Níjar bedeutete dies, dass die Dörfer verlassen zurückblieben. Das konnte so nicht bleiben, deshalb hat man aus den anderen Landesteilen Menschen umgesiedelt. Mehr als zehn Jahre hat es gebraucht, bis wieder Leben in die Orte eingezogen ist. Es hätte alles ruhig weitergehen können, wenn dann nicht im 17. Jahrhundert die Piratenangriffe begonnen hätten. Auch kein Anreiz, dass sich mehr Menschen in den Gebieten ansiedeln. Erst als man Befestigungen, Stadtmauern, Wehrtürme und -kirchen baute, gab es einen gewissen Schutz für die Bewohner.
Im 19. Jahrhundert gab es dann den wirtschaftlichen Aufschwung in Níjar und Umgebung. Der Bergbau begann. Gold, Silber und andere Erze wurden in den Bergen gefunden und überall in der Region entstanden Bergwerke. 1883 setzte nach einem Goldfund quasi ein Goldrausch ein. Die Bevölkerung wuchs stark an. Zwischen Níjar und Lucaiena de las Torres entstand der damals größte Staudamm Europas. Mit ihm, dem Isabell-II-Stausee war der Wassernachschub in dieser extrem trockenen Region gesichert.
Nachdem 1930 die letzte Bergbaumine eingestellt wurde, kehrte der Ort wieder zur Landwirtschaft zurück. Nein, nicht nur, denn viele Kunsthandwerksbetriebe und Töpfereien haben in der Stadt ihre Bleibe gefunden und tragen den Ruf weit über die Stadtgrenze hinaus. Wir konnten in einem Töpferbetrieb bei der Endproduktion zuschauen, die derart aussah, dass die Keramik tatsächlich noch von Hand bemalt wird.
Jetzt kommt mir mir wortlos
durch die Gassen in der Altstadt von Níjar
mit hübsch dekorierten weißen Häusern, einem großen Platz, der sich heute aber sehr unbelebt zeigt. Dem Dorfbrunnen vor dem Wassermuseum .... ja, man kann schon einiges entdecken.




















Ihm begegnet man überall in der Provinz Almería
der Indalo, der Glücksbringer der Provinz Almería
Es war einmal eine Höhlenmalerei aus der Zeit so um 2500 v.Christus. Die entdeckte man 1868 in einer der Höhlen in der Provinz Almeria.
Eine Figur die über den Händen einen Halbkreis hält.
Ein Männchen, der für Schutz und Glück steht, seine volle Wirkung aber erst bringt, wenn man ihn geschenkt bekommt.

Seinen Namen bekam die Figur nach dem Hl. Indaletius (San Indalecio), denn die Menschen deuteten die Figur oft als Halbgott. Er verbindet mit seinem Halbbogen das Universum - andere deuten ihn als Regenbogen. Jedenfalls war der Namensgeber als erster Bischof in der Region Almería tätig. Er war einer der "Sieben apostolischen Männer", die im 1. Jh. vom Apostel Petrus in Rom zum Bischof geweiht wurden. Er starb als Märtyrer und wurde zum Schutzpatron der Provinz Almería. Somit wird man ihm überall in dieser Provinz begegnen.
Man sieht ihn auch teilweise vom Ortskern aus, aber am Besten vom Parkplatz -
der historische Wachturm in Níjar
wurde im 13. Jahrhundert zur Sicherung der Gemeinde gebaut. An dieser Stelle muss wohl davor eine alte Burg gestanden sein. In mehreren Gemeinden, vor allem auch an der Küste entlang findet man noch eine Vielzahl solcher Wachtürme. Von hoch oben konnte man Feinde schnell erkennen und mit Warnsignalen die anderen Gemeinden warnen.
Eine zusätzliche Sicherheit für die Türmer war, dass man den Wachturm nur über eine Leiter betreten konnte. War man oben im Turm, zog man die Leiter einfach ins Innere. Inzwischen wurde der Turm zum Kulturgut erklärt und erscheint auch im Wappen von Níjar. Wir haben uns den Gang hinauf erspart, denn wir haben an diesem Tag noch mehr vor.




Nach einer kleinen Stärkung in einem urigen Dorflokal bei der Kirche, geht es jetzt zurück in den neuen Teil von Níjar. Interessant ist der eben mit den vielen Kunsthandwerks- und Töpfergeschäften. Aber wir sind noch nicht fertig in Níjar. Es geht
in den Kakteengarten - Cactus Níjar
der sich am Ortseingang in Níjar befindet. Achtung! Man kann die Einfahrt leicht übersehen. Damit euch das nicht passiert - Camino del Campo ist die Adresse.
Es lohnt sich, hier einen Stopp einzulegen, denn liebevoll gepflegt werden auf einer Fläche von ca. 12 Hektar über 2.000 verschiedene Kakteensorten und Wüstenpflanzen aus aller Welt gezeigt. Sollte einer der stachligen Genossen zu euch, dann könnt ihr den in der Gärtnerei auch gleich käuflich erwerben. Und etwas, was man selten noch findet bei solchen botanischen Gärten - der Eintritt ist frei.
Eine große Erklärung braucht es beim Gang durch den Park nicht. Euch wird bei dem Rundgang mit mir aber wieder deutlich klar: ihr seid auf einem Reise- UND Fotoblog 🙂












Bei solchen Besichtigungen laufen meine 'Emma' und ich immer zur Höchstform auf 🙂
Details aus dem Cactus Níjar - dem Botanischen Garten in Níjar
Aber meinem Mann geht es genauso. Das ist das schöne an unseren Fototouren - jeder lässt jeden gewähren. Keiner zieht den anderen 'mach doch schneller'. Nein, dann brauchen wir eben eine halbe Stunden länger, was solls.












Bei dem nächsten Fotoblock seht ihr, was ich weiter oben in dem Geschichtsteil zu Níjar mit steinigem Boden gemeint habe.
Die Ausläufer der Wüste von Tabernas bei Níjar
das südöstlich der einzigen Halbwüste von Europa liegt. Um noch genauer zu sein liegt Níjar am Rand der Sierra Alhamilla. Die karge Landschaft, Schauplatz zahlreicher Westernfilme, entstand, als sich vor ca. zwei Millionen Jahren das Meer aus dem Tabernas-Becken zurückzog. Kalksteinbänke und abgelagerte Sedimente blieben zurück, und durch teilweise wasserführende Ramblas wurden Schluchten, Canyons und tiefe Rinnen geformt.
Eine einmalig schöne Landschaft, an die zum Glück der Mensch nie Hand angelegt hat.









Wer jetzt glaubt, der ist in Níjar schon fertig, der täuscht sich. Denn es gibt noch einen Schmetterlingspark in Níjar, wo es über 100 verschiedene Arten von Schmetterlingen zu bewundern gibt. Wir haben diesen Park jedoch ausgelassen, da wir jetzt
eine Fahrt durch die Sierra Alhamilla nach Lucaiena de las Torres
unternehmen werden. Ich habe diese Strecke aufgrund ihrer vielen Kurven bei Google Maps ausgewählt. Wir lieben Bergfahrten. Dass mir diese Fahrt dann doch einen großen Schreckmoment beschert hat, das könnt ihr in meinem Video verfolgen. Wir lassen bei diesen Fahrten unsere Dashcam mitlaufen und ich schneide dann die Strecke in kleine Filme zusammen. Auf meinem Kanal bei YouTube könnt ihr noch weitere wunderschöne solcher Touren und weitere Filme sehen.
Ja, Níjar lässt sich ganz sicher in die Kategorie "eines der schönsten Ortschaften" einreihen, und es lässt sich bestimmt noch mehr entdecken, als wir es bei unserem Besuch getan haben. Also .... auf geht's nach Níjar 🙂
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