So unscheinbar Vera in Andalusien auch auf den ersten Blick scheinen mag, die kleine Stadt hat einiges Interessantes zu bieten.

Nachdem gestern das Wetter sich nicht entschließen konnte, in welche Richtung es geht - Wolken mit Regen oder doch Sonne?, lockt der heutige Tag wieder mit Sonne und angekündigten 23 Grad zu einem Ausflug. Der führt uns heute nach Vera, nicht weit von unserer Ferienwohnung bei Mojácar. 'Fridolin' durfte diese Strecke in der Woche davor bereits schon einmal fahren, als es noch ein Stückchen weiter nach Cuevas del Almanzora ging.

Bisher gönnten wir uns in den ersten vier Wochen unserer Überwinterung bei Mojácar in Andalusien erst einen wirklichen Ruhe- und Arbeitstag. Das Wetter zeigt sich in Andalusien von seiner launischen Seite. Man weiß nie, wie es weitergeht, treibt der Wind die Wolken weg oder her. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir gleich so viel Ausflüge wie möglich machen, um diese Region zu erkunden. Kommt jetzt mit zu

meinem Stadtbummel durch Vera in Andalusien

der als erstes mit einem

Besuch der Stierkampfarena, Plaza de Tores, in Vera

beginnt. Da wir anschließend noch die Altstadt besuchen möchten, und es rund um die Arena auf Anhieb keinen Parkplatz gab, sind wir das Stückchen von der Stadt zurückgelaufen. Die Arena befindet sich nämlich von Süden kommend, am Eingang der Stadt und ist nicht zu übersehen.

Sie ist die älteste Stierkampfarena in der Region Almería, die zunächst 1849 erbaut wurde. Aber so wie sich die Stadt positiv entwickelte, kam die kleine Arena nicht mehr mit. Es musste was größeres her. Schließlich zählt der Stierkampf in Spanien zum Kulturgut und wird teilweise auch noch heute gepflegt. 1879 wurde die neue Plaza de Tores an neuem Platz und für gut 1.000 Besucher eingeweiht.

Auch wenn ich kein Fan dieses spanischen Kulturgutes bin, gehört es für uns aber dazu, auch die Traditionen des jeweiligen Gastlandes kennenzulernen. Deshalb war in verschiedenen Städten der Besuch der Stierkampfarena für uns obligatorisch. Da ich euch hier nicht alle Eindrücke der Arena in Vera vermitteln kann, gibt es dafür einen eigenen Bericht. Sehenswert ist auch das kleine Museum. Der Eintritt in die Stierkampfarena ist kostenfrei, eine kleine Spende wird jedoch gerne angenommen. Schließlich muss alles ja auch gepflegt werden.

Die Sonne wird intensiver, während wir den Weg wieder in die Stadt zurück sind. Bei unseren Städtebesuchen recherchiere ich bei meiner Vorbereitung, was die jeweilige Stadt interessantes zum Anschauen bietet. Man kann sich ansonsten auch fürchterlich vertun wenn man 'ohne Plan und Ziel' losläuft, und damit an den interessanten Zielen vorbei.

Durch und an kleinen Gässchen vorbei sind wir so zielstrebig los. Wie es scheint, haben Touristen zu dieser Zeit die Stadt nicht auf ihrer Sightseeing-Liste, und schon gar nicht dieses Ziel.

Wir wollen nämlich zur

Einsiedelei der Schutzpatronin von Vera

Strenggenommen heißt sie "Eremitage der Allerheiligsten Jungfrau der Schmerzen, Schutzpatronin sowie Ehren- und Bürgermeisterin auf Lebenszeit der Hochadeligen und Hochloyalen Stadt Vera". Viel zu lang, gell.

Man muss sich die Stadt zu früherer Zeit mit einer Stadtmauer vorstellen. Zum Schutz vor Angriffen sind die in fast jeder Stadt damals üblich gewesen. 1715 beantragte der 1680 gegründete Orden "der ehrwürdigen und als Patronin verehrte Bruderschaft Unserer Lieben Frau, der allerheiligsten Jungfrau der Schmerzen" den Bau ihrer Einsiedelei außerhalb der Stadtmauern von Vera. Der Bau wurde vom Stadtrat genehmigt und so konnte der Orden sein Gotteshaus bauen.

"Glück muss der Mensch haben" - was uns bei unseren Kirchenbesichtigungen sowohl in Spanien wie auch in Italien nicht immer hold ist. Oft ziehen wir hier das große Los von geschlossenen Kirchentüren. Sei es, weil die Kirchen in kleinen Städten einfach nicht geöffnet sind - oder weil wir wegen der Siesta vor der geschlossenen Tür stehen. Die Siesta ist in diesen Ländern heilig, und zieht sich variabel von 13 oder 14 Uhr bis meist 17 Uhr.

Ich erinnere mich spontan an einen Kirchenbesuch in Florenz. Wir wollten diese Kirche unbedingt besichtigen, die Kirchentüre war auch geöffnet. Wir waren kaum in der Kirche, wurden alle Besucher wieder zum Ausgang geleitet: es wird wegen einer hl. Messe für Besucher geschlossen. Okay, so lange kann die ja nicht dauern. Wir warten geduldig im Innenhof der Kirche .... die Minuten werden immer länger. Irgendwann fragte ich den Pater an der Türe, wann denn ungefähr wieder geöffnet wird. Die Antwort war nicht prickelnd: Ist der Gottesdienst vorbei, beginnt die Siesta. Okaaaayyyyy, also gönnten wir uns einen kleinen Stadtbummel, tranken gemütlich einen Kaffee, gönnten uns ein weiteres kühles Getränk .... das Thermometer kletterte mittlerweile auf über 35 Grad, und wir beschlossen nach einer Zeit des Wartens auf den Stufen vor der Kirche - Schluss, Ende, nichts wie nach Hause. Wir haben an einem anderen Vormittag einen neuen (erfolgreichen) Versuch gestartet.

Auch an Tagen die diesen, wo im Januar der Wetterbericht 'nur 23 Grad' verkündet, kann es in der Sonne bereits unangenehm warm werden, wenn man auf Öffnungen warten möchte. Aber hier ist die Kirchentüre der kleinen Einsiedelei geöffnet. Die Besichtigung findet aber hinter abgeschlossenen Gittertüren statt. Eine besondere Herausforderung für meine 'Emma' zwischen den Stäben die Eindrücke einzufangen. Natürlich darf das barocke Altarbild der Jungfrau Maria nicht fehlen.

Warum ist die Schmerzensmutter Maria die Schutzpatronin von Vera?

Warum ist die Schmerzensmutter Maria die Schutzpatronin von Vera?
Die am 22. April 1680 gegründete Bruderschaft verpflichtete sich bei Gründung, als erstes zur Anschaffung eines Bildes "Unserer Lieben Frau der Schmerzen" und dass jeden Karfreitag eine Prozession abgehalten wird.
Die Leitung der Bruderschaft oblag einem Vorstand, der sich aus drei Personen zusammensetzte. Das Vermögen der Bruderschaft wurde in einer Schatztruhe aufbewahrt, die mit drei Schlössern gesichert war.

Am 400. Jahrestag der Rückeroberung von Vera, dem 25. März 1888 verlieh der Stadtrat der Mutter Maria den Titel "Schutzpatronin von Vera". 1926 wurde das erste Marienbild in der Provinz Almería kanonisch gekrönt und wurde 2013 vom Stadtrat zur Ehrenbürgerin auf Lebenszeit von Vera ernannt.

Der Hintergrund dieser Verehrung soll sich auf ein historisches Wunder beziehen. Als 1569 Vera von maurischen Truppen belagert wurde, baten einer Legende zufolge, die Einwohner um den Beistand und die Hilfe der Heiligen Maria. Die Verehrung für die Mutter Maria ist in der Bevölkerung stark verankert. Ihr Gedenktag wird in der Stadt am 10. Juni gefeiert.

Kleiner Ort, viele Kirchen. Auf dem Weg zum Rathausplatz kommen wir an der nächsten Kirche vorbei, der

Kirche des Klosters der Minimiten (Convento de los Padres Minimos) in Vera

Selbst wenn wir innerhalb der Öffnungszeiten gewesen wären - geschlossen wegen Renovierungsarbeiten.
Die Geschichte der Kirche geht zurück bis ins Jahr 1569. Es tobte genau an dieser Stelle eine blutige Schlacht im Kampf um die Belagerung der Stadt. Beinahe hätten es die Morisken geschafft, aber die Einwohner von Vera haben ihre Stadt erfolgreich verteidigt. Die Kirche wurde dem Hl. Franz von Paola gewidmet, eigentlich heißt er Hl. Kleophas vom Sieg. Wenn ihr mehr über diesen, auch mir unbekannten Heiligen erfahren möchtet, dann klickt HIER.

1606 ließ sich der strenge Orden der Minimiten, auch Paulaner-Orden, in Vera nieder. Der lebt nach einer verschärften Franziskanerregel in tiefer Demut und Bescheidenheit. Bis 1823 hatte der Orden sein Bleiberecht in der Stadt, bis das Kloster vom Staat beschlagnahmt wurde. Die Wehrkirche war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert auch eine Begräbnisstätte. 1851 wurde das Kloster abgerissen, die Kirche wurde weiterhin für Gottesdienste genutzt.

Inzwischen hat die Stadt die Kirche restauriert, oder ist noch dabei, und sie wird jetzt als Ausstellungs- und Kulturraum genutzt.

Zu Ehren des hl. Kleophas erklärte die Stadt Vera ihn zu ihrem zweiten Schutzpatron der Stadt. Ihm zu Ehren feiert die Stadt jährlich am 25. September, dem Tag des Widerstandes gegen die Eindringlinge, ein großes Fest.

Jetzt wird es aber langsam Zeit für eine Kaffeepause. Doch egal durch welche Gassen und Straßen wir gelaufen sind - Fehlanzeige. Vielleicht findet sich ja etwas an unserem nächsten Zielpunkt.

Auf dem Weg dahin bekommt ihr

ein bisschen Geschichte zur Stadt Vera in Andalusien

die bis in die Antike zurückgeht. Funde lassen dies belegen. Die Karthager erkannten die Metallvorkommen der Region und gründeten so im 6. Jahrhundert v. Chr. in der Nähe von Villaricos die Stadt Baria und förderten den Bergbau. Bei Villaricos sind ja mit der Ruine der alten Erzhütte Fundición Esperanza II noch die Spuren des Bergbaus zu sehen.

Auch die Römer haben ihre Spuren hinterlassen. Nachdem im Mittelalter eine Bergbaukrise entstand, zog sich die Bevölkerung des Küstenortes Baria ein Stück ins Landesinnere zurück. War ja auch sicherer mit den ganzen Piratenangriffen und in der Zeit als sich Muslimen und Christen Gefechte lieferten. Als 1488 Ferdinand auf dem Eroberungsvormarsch war, ergab sich der Bürgermeister der Stadt ohne große Gegenwehr den christlichen Truppen. 1494 wurde der Stadt von den katholischen Königen Stadtrechte und Privilegien verliehen.

Es hätte doch alles seinen Weg weitergehen können, hätte nicht am 9. November 1518 ein schweres Erdbeben die Stadt völlig zerstört. An Wiederaufbau an dieser Stelle war nicht zu denken. So wurde in der Nähe der alten Stadt die Neue erbaut - quadratisch, mit Mauern umgeben und nur durch zwei Tore zu begehen. In der Mitte die Wehrkirche, in die sich die Einwohner bei Gefahr flüchten konnten. Unruhig waren das 16. und 17. Jahrhundert durch Aufstände und Kämpfe.

Nachdem man dann in der Sierra Almagrera silberhaltige Beierzadern entdeckte, diese im Bergbau förderte, blühte die Wirtschaft der gesamten Region auf. Gleichzeitig wurde der Orangenanbau in der Region eingeführt und die Landwirtschaft gefördert. Wie so oft, floriert ein Wirtschaftszweig nicht mehr, führt das zum Rückgang der Wirtschaft und schlussendlich zum Niedergang. Aber geht etwas zu Ende, darf was neues beginnen - so sagt man doch. Und das war der Tourismus. Und wir haben den

Plaza Mayor in Vera

erreicht. Und damit auch eine Kaffeetankstelle, in Form eines kleinen Cafés mit einer köstlichen Auswahl an typischem spanischen Kuchengebäck. Mitten auf dem Platz, der romantische schmiedeeiserne Brunnen, der aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Unübersehbar an dem Platz

die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau von der Menschwerdung (Iglesia de Nuestra Señora de la Encarnación) in Vera

die eigentlich eher einem Festungsbau ähnelt. Maurisch-stämmige Baumeister haben ab 1520 die Kirche erbaut, die tatsächlich der Bevölkerung in Angriffszeiten Schutz dienen sollte. Schließlich war rings um die christliche Enklave maurisch geprägte Bevölkerung. Und man weiß ja nie, wann es hier einen Zwist gibt. Außerdem war es die Zeit, in der die Barbaresken-Piraten vom Meer einfielen und die gesamten Küstenorte bedrohten.

Die im spätgotischen Stil erbaute Kirche, soll eine barocke Innenausstattung haben. Ich konnte es nicht überprüfen, denn wir haben natürlich das Haupt-Los gezogen. Knapp bevor wir am Plaza Mayor eingetroffen sind, hat die Kirche zur Siesta geschlossen und will die Kirchentüren erst wieder am Abend öffnen. Ihr seid also gut beraten, wollt ihr eine Kirche wirklich im Inneren sehen, schaut nach den Öffnungszeiten. Mir bleiben damit nur die Außenansichten der fast wuchtigen Stadtkirche.

Das Rathaus (Ayuntamiento) von Vera am Plaza Mayor

soll das bedeutendste öffentliche Gebäude der Stadt sein. Es wurde im historischen Stil erbaut, und ist mit seinem auffallenden Haupteingang nicht zu übersehen. Hier sind die ältesten Dokumente der Provinz Almería gelagert. Darunter so wichtige Zeugnisse aus der Zeit der Eroberung der Stadt durch die Katholischen Könige.

Auch das Ethnografische und Archäologische Museum sind hier untergebracht. Aber wir haben heute keinen Sinn auf einen Museumsbesuch, denn ein weiteres Ziel steht noch auf unserem Zettel.

So haben wir diesem Platz einen letzten Blick geschenkt. Viel los war da heute nicht. Vereinzelt ein paar Menschen, aber wenn man sich diesen, eigentlich wunderschönen Platz so anschaut - er kann ein wunderbares Ziel für 'geselliges Leben in der Stadt' sein. Klein, aber durchaus fein - so lässt sich dieser Besuch in Vera zusammenfassen.

Nachdem wir Fridolin von seinem Platz abgeholt haben, geht die Fahrt für uns Richtung Meer, zu den

Playas de Vera - die Strände von Vera in Andalusien

Auf fünf Kilometer bietet in unterschiedlichen Strandabschnitten der Strand alles was das Herz begehrt. Dachte ich mir noch bei unserem Quartierviertel bei Mojácar, ob ich hier zur Saison sein möchte? So verstärkt sich hier der Gedanke: Nein, das möchte ich nicht! Überall Ferienanlagen, überwiegend waren die Fenster fest mit Rollladen verschlossen. Ein Zeichen dafür, dass hier sehr viel Tourismus herrscht. Bei unseren Küstenfahrten sind uns viele solcher Viertel aufgefallen, wo ebenfalls jetzt noch gähnende Leere herrscht. Und auch in unserem zweiten Quartier, in der Nähe von Marbella, wurde dies noch stärker sichtbar. Mir wäre es viel zu viel Rummel, wenn hier überall Leben einzieht. Aber jeder so wie er es mag.

Zum Glück haben wir jetzt keine Saison, denn ich habe mal wieder im Vorfeld meine Hausaufgaben sehr schlampig erledigt. Wir bugsierten Fridolin nämlich in ein Viertel, zum

Strand El Playazo in Vera

Über zwei Kilometer lang, ca. 120 Meter breit - ein Paradies für Strandläufer wie jetzt, da sich noch kaum jemand ins Wasser traut. Ich habe nur übersehen, dass dies ein FKK-Strand ist. Bekannt als die erste FKK-Anlage Europas. Ich hoffe, ein paar Nackedeis haben sich nicht an den Menschen mit Klamotten gestört (außer uns waren da noch mehrere).

Wie launisch und unberechenbar das Wetter auch in Andalusien sein kann, hat sich hier am Strand gezeigt. Am Tag zuvor hatten wir einen Mix aus Sonne und tiefdunklen Wolken in Richtung Vera und Norden. Diese Wolken haben an diesem Strandabschnitt für Überflutungen bis weit nach dem Strandabschnitt gesorgt. Bereits heute waren Stadtarbeiter dabei den Abschnitt mit schwerem Gerät und neuem Sand wieder herzustellen.

"Jeden Tag ans Meer" war damit für heute auch erfüllt 🙂
Nach ein bisschen Strandspaziergang und den Schiffen zuschauen, die in Warteposition verharrten, bis sie in Garrucha anlegen konnten, geht es dann gemütlich Richtung unserer Ferienwohnung. Unterwegs noch kurz die Vorräte wieder aufgefüllt - so darf der Abend dann geruhsam in der Wohnung ausklingen. Gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet, denn für die Region ist eine Sturmwarnung herausgegeben.

Wollt ihr unsere Erlebnisse der acht Wochen "Überwintern in Andalusien" verfolgen, dann könnt ihr das auch kompakt in meinen Wochenberichten tun.

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