Auf einem Hügel über der Stadt thront die Alcazaba von Almería aus dem 10. Jahrhundert als Wahrzeichen der Stadt, und größte maurische Festung von Spanien.
"Ein Tag in Almería" und dabei ganz wichtig, der Besuch der Alcazaba von Almería - das ist unser heutiger Tagesplan. Früh am Morgen schicken wir 'Fridolin' zielstrebig über die kostenfreie Autobahn A-7 nach Almería. Keine Zeit bei der Anfahrt vertrödeln, denn neben der Festung steht noch die Kathedrale und weiteres auf dem Zettel. Wie immer recherchiere ich bei solchen Stadtbesichtigungen im Vorfeld, was es dort Interessantes zu sehen gibt. So rennt man nicht wie der Hase quer durchs Feld. Denn nicht immer liegt das Tourismusbüro zentral als erstes auf dem Weg, um einen Stadtplan abzuholen.
Auch das Parkhaus haben wir im Vorfeld recherchiert. Achtung! Parkhäuser in Spanien lassen sich nicht mit deutschen Parkhäusern vergleichen. Die Einfahrten sind zumeist eng, die Parkplätze oft klein. Manchmal viel zu klein für die 'großen' deutschen Autos. Denn in den engen Gassen spanischer Orte kommt ein kleiner Flitzer natürlich besser durch. All das lässt sich im Vorfeld aber perfekt recherchieren. Wir haben es uns angewöhnt, wenn es irgendwie möglich ist, in größeren Orten Fridolin in einem Parkhaus oder großem Parkplatz abzustellen. Zwar kennen wir die Bedeutung der unterschiedlichen Markierungen der Parkplätze an der Straße. Aber wir kennen halt nicht den Fahrstil und die Achtsamkeit der Mitparkenden. Ja, ich weiß, das kann in einem Parkhaus oder Parkplatz auch passieren. Aber die Wahrscheinlichkeit kurz mal an der Straße geknutscht zu werden, ist doch höher.
Von solch einem Knutscher kann Fridolin aus Barcelona berichten. Seine Knutschflecken in Form von vielen schwarzen Streifen zeigen deutlich, dass ihm da jemand wirklich sehr zu nahe gekommen ist. Und das auf einem Parkplatz bei unserer Ferienwohnung, wo nur die Anwohner parken. Nein, Fridolin mag es nicht, wenn ihm jemand zu sehr auf die Pelle, ähm s'Blech rückt.
Der Weg zum gewählten Parkhaus war leicht zu finden, aber eine Baustelle macht es unmöglich, da auch hinein zu kommen. Die erste Begegnung mit engen Gassen und Einbahnstraßen beginnt - ich gewinne eine Rundfahrt unter der Alcazaba von Almería zum nächsten Parkhaus. Nachdem Fridolin aber ordentlich im Parkhaus abgegeben ist, und wir sofort mit einem Blick sehen, wir sind ja gar nicht so weit weg, kann unsere Entdeckungstour beginnen.
Hier kommen wir als erstes auf einer Freifläche an einem Park heraus.
Die Mediterrane Gärten von La Hoya in Almería
Zwischen den beiden Hügeln - auf einem steht die Alcazaba, der andere ist San Cristóbal ist der riesige Park. Einst war es einfach eine Schlucht zwischen den beiden Hügeln. Im Mittelalter dachte man dann, dass man hier doch ein kleines Stadtviertel aufbauen könnte. Nachdem aber das Viertel nicht bewohnt wurde dümpelte es vor sich hin. Landwirte entdeckten es dann für ihre Tiere. Damit das aber auch gut klappt, wurden Anbauterrassen angelegt und durch ein geschicktes System aus Teichen und Kanälen bewässert. Als auch diese Nutzung endete, kippte jeder seinen Müll in das verlassene Brachland.
Ein Schmuckstück war das jedoch nicht für die Stadt. 2009 schrieb diese einen Wettbewerb aus, und die Jardines Mediterráneos de la Hoya entstanden. Eine wunderschöne weitläufige Parkanlage, mit Steinmauern und mediterranen Pflanzen.






Von unten lässt sich jetzt unser Besichtungsziel ausmachen. Kommt mit zu
meiner Besichtigung der Alcazaba von Almería
die zunächst mit der
Ansicht der Alcazaba von Almería von den Mediterranen Gärten
aus beginnt. Da steh ich nun staunend mit dem Blick nach oben .....








Kurz ist der Anstieg
zu den Eingangstoren der Alcazaba von Almería
Nach dem ersten Tor hält den Besucher eine kleine Kasse auf. Aber für EU-Bürger nur, um ihren Ausweis vorzuzeigen. Damit gibt es kostenlosen Eintritt in das Wahrzeichen der Stadt. Nicht EU-Bürger bekommen für 1,50 € Einlass. Aber mal ehrlich - kostenfreier Eintritt, in solch eine Sehenswürdigkeit - das findet man nicht oft. Überhaupt finde ich, dass Spanien keine oder sehr niedrige Eintrittspreise in Sehenswürdigkeiten hat. Okay, Barcelona, Valencia und die ganz großen Städte jetzt mal ausgenommen, aber ansonsten? Spontan fällt mir unser Rombesuch ein, in der Ewigen Stadt wird z.B. in keiner Kirche eine Eintrittsgebühr erhoben, nicht mal in den Petersdom.
Aber Achtung! Am Montag sind die Tore geschlossen. Wie generell in Spanien bei den Sehenswürdigkeiten oder Museen.



Zwischen beiden Toren befindet sich ein kleiner Garten. Vielleicht zeigt sich ja bei eurem Besuch auch der kleine Bewohner 🙂




Bevor meine Besichtigung losgeht, bekommt ihr
ein bisschen Geschichte zur Alcazaba von Almería
Eigentlich müsste man in das Jahr 756 zurück, als die Muslime die Iberische Halbinsel eroberten. Nachdem erfolgreich der damalige Statthalter von Córdoba vertrieben war, wurde das Emirat von Córdoba gegründet. Euch hier die ganzen Zusammenhänge berichten, ihr würdet morgen noch lesen. Die Zusammenfassung bekommt ihr super ausführlich HIER. In der Folge waren immer wieder Aufstände von Berberstämmen zu bewältigen. Ruhe brachte dann Abd ar-Rahmann III. in den ganzen Tumult und durfte sich der erste Kalif von Cordóba nennen. Damit wurde aus dem Emirat das Kalifat von Córdoba in Al-Andalus.
955 gründete der Kalif den maurischen Hafen Al-Mariyya ("Spiegel des Meeres") aus der die spätere Stadt Almería entstand. Al-Mariyya entwickelte sich unter seiner Führung zu einem der wichtigsten Handels- und Kriegshäfen der Region Al-Andalus. Damit war die Stadt natürlich auch Angriffen ausgesetzt. Der 85 Meter hohe Hügel war die perfekte Lage, um mit einer Festung die Stadt zu sichern.
955 gab der Kalif den Auftrag zum Bau der Alcazaba, deren Fertigstellung er allerdings nicht mehr erleben konnte. Er verstarb 961, der Bau wurde erst viele Jahre später fertig. Somit kamen erst seine Nachfolger in den 'Genuss' hier oben residieren zu können, denn sie wurde die sichere Residenz der Stadtoberhäupter.
Eine neue Epoche begann, als der herrschende Kalif 1009 gestürzt wurde, und damit auch das Kalifat von Córdoba ein Ende hatte. Das Reich zerschlug sich in viele Kleinkönigreiche und -fürstentümer. Diese Taifazeit hielt von 1012 bis 1091. Der erste unabhängige Taifa-König war König Hayrán, der den angefangenen Festungsbau fertigstellen ließ. Er war auch der Auftraggeber für den Bau der Stadtmauer, die er zwischen der Alcazaba und dem Hügel San Cristóbal errichten ließ. Man nennt diese Stadtmauer deshalb auch die Hayrán-Mauer. Damit war die Stadt vor Angriffen aus dem Hinterland gut geschützt.
Bis ins 15. Jahrhundert war die riesige Festungsanlage die Residenz der muslimischen Regenten. Bis 1492 die katholischen Truppen unter König Ferdinand II. von Aragón und Königin Isabella I. von Kastilien das Emirat Granada eroberten und der islamischen Herrschaft ein Ende setzten. Während der Zeit der katholischen Könige wurde die Anlage erweitert, bis 1522 ein Erdbeben in Teilen einen Schotterhaufen aus der Alcazaba machten.
Die Anlage ist in drei Bereiche gegliedert, die ich mir jetzt anschauen werde. Damit ihr in etwa eine Vorstellung davon habt, wieeeee groß die Anlage ist - hier
der Übersichtsplan der Alcazaba in Almería
Aber keine Sorge, so richtig verlaufen kann man sich in der Anlage nicht 🙂


Da habt ihr jetzt auch gleich den offiziellen Namen der Festung. Es geht jetzt
in den ersten Burgbezirk der Alcazaba de Almería
Diese Vorburg ist zu einer wunderschönen Gartenanlage geworden. Früher war dieser Bereich ein Schutzbereich für die Bevölkerung, in den sie bei einer Belagerung flüchten konnten. Damit die Menschen hier auch ausreichend mit Wasser versorgt waren, hat dieser Bereich viele Zisternen. Diese Versorgung war auch für die Soldaten notwendig, die in diesem Teil der Festung ihr militärisches Lager hatten.
















Die Festungsmauer, die Muro de la Vela in der Alcazaba von Almerá
kann man besteigen. Aber ihr kennt ja mein Problem mit Höhe und Tiefe seit meinen kleinen Schlaganfällen. Ich hab darauf verzichtet, ob ich von dort oben möglicherweise noch bessere Ausblicke haben könnte.




Auf der Festungsmauer, und sehr gut von den unteren Gärten aus zu sehen, ist
die Glocke Santa Maria la Mayor in der Alcazaba von Almería
König Karl III. hat sie 1763 während seiner Amtszeit gießen lassen. Der Platz dort oben auf der Mauer ist nicht einfach so, denn die Glocke hatte mehrere Funktionen. Zum einen war sie Warnsignal für die Bevölkerung: Achtung es kommen Angriffe. Es war schließlich die Zeit der Piratenangriffe, und so hatten die Menschen noch Zeit sich in Schutz zu bringen.
Sie läutete die Zeit, wann die Tore als Zugang zur Stadt geöffnet sind, und wann geschlossen. Und sie regelten die Bewässerungszeiten in der Landwirtschaft.




Im zweiten Burgbezirk spielte sich
das höfische Leben in der Alcazaba von Almería
ab. Hier hatten die Kalifen und deren Hofbeamte ihre Räume. Ein typisch islamisches Wohnhaus kann man besichtigen. Der nach oben offene Innenhof ist der Treffpunkt der Bewohner. Da alle Räume zum Innenhof offen sind, gibt der den Räumen die notwendige Belüftung und das Licht. Man darf sich hier von einem Raum zum nächsten treiben lassen.



Interessant ist auch ein, einem Palastgebäude empfundener Nachbau. Ursprünglich war an dieser Stelle ein Militärquartier, von dem zwar nur noch Überreste vorhanden waren, aber für dieses Projekt,
der Casa del Alcaide in der Alcazaba von Almería
weichen musste. Zwischen 1954 und 1965 wurde nämlich das jetzige Gebäude erbaut, das von der arabischen Bauweise inspiriert, einen andalusischen Palast nachbilden soll. Heute ist er ein Bereich für die Besucher, die hier Getränke erwerben können, denn ansonsten gibt es in der Alcazaba keinerlei Möglichkeit für ein Getränk. Wunderschön inmitten viel Natur der Seerosenteich.




Der dritte Burgbereich in der Alcazaba von Almería
wurde von den Katholischen Königen dazu gebaut. Nachdem sie die Stadt Almería eingenommen hatten, wurde die Festung 1489 um einen Bergfried, einen Turm und den Pulverturm erweitert.
Übrigens wurde die gesamte Anlage 1989 zum Kulturhistorischen Denkmal erklärt. Man tut sich auch gut daran, die Anlage mit guten Schuhen zu begehen 😉


Den Rest dürft ihr selber entdecken. Es gibt auch noch eine Kapelle in dem Bereich, die jedoch von einer Jugendgruppe längere Zeit in Beschlag belegt wurde. Ihr wisst ja, ich mag kein schmückendes Beiwerk in Form von Menschen auf meinen Fotos. Aber hier war uns wirklich die Wartezeit zu lange für ein Foto.
Zwischen dem ersten und zweiten Burgbereich hat man einen herrlichen
Blick auf die Muralla de Jayrán (Stadtmauer) in Almería
König Hayrán ließ sie im 11. Jahrhundert errichten. Sie sperrt von Land das gesamte Tal ab und verbindet die Alcazaba mit der Anhöhe Cerro de San Cristóbal.






Man kann unmöglich von hier
den Blick auf das Castillo de San Cristóbal in Almería
trennen. Die Landesgeschichte ist ja so ein "Ringlein-Ringlein-Spiel" - es wandert von einer Hand in die andere. Erst die Muslime, dann kam es wieder in katholische Hände um dann wieder kurzfristig muslimisch regiert zu werden. 1147 lässt König Alfons VII. den Bau der Burg zum Schutz der Stadt befehlen. Insgesamt sieben Türme hat die Burg, die mit einer dicken Mauer umgeben ist. Drei der Türme mit quadratischer Form sind muslimische, vier kreisförmige christliche Türme. Ja, jede Epoche hatte ihren eigenen Stil.
Heute kommt die Burg ein bisschen verfallen daher. Uns haben deshalb auch die Blicke hinüber gereicht. Vielleicht wollt ihr ja die Burg erkunden?
Zum Castillo habe ich zwei Legenden gefunden. Ihr wisst ja, ich bin da immer auf der Suche nach solchen überlieferten und nicht bestätigten Geschichten 🙂
Es soll eine Weiße Dame durch die Türme des Schloss wandern - sie sucht wohl nach einem geliebten Menschen den sie verloren hat. Die zweite Legende berichtet von einem verborgenen Schatz, der irgendwo innerhalb der Mauern vergraben liegen soll.
Die Statue Sagrado Corazón de Jesús auf dem Cerro de San Cristóbal in Almeria
wurde 1930 in Marmor gefertigt und auf dem Hügel auf einen hohen Sockel gestellt. So überragt die Herz-Jesu-Statue sogar die Ruine des Castillo de San Cristóbal.








Vielleicht fragt ihr euch schon, wo sind
die Blicke von der Alcazaba von Almería auf die Stadt und das Umland
Die schönsten Blicke gibt es vom ersten Burghof und vom Turm im dritten Burgabschnitt (auf den wir allerdings nicht sind). Aber auch so hat man einen schönen Überblick über die Stadt und den Hafen.









Ihr habt anhand der Fülle der Fotos bestimmt schon gemerkt - ihr seid auf einem Reise- UND Fotoblog. Und glaubt ja nicht, dass ihr bei einem Besuch vor Ort nicht noch viel mehr entdecken könnt. Wenn es mal wieder länger bei uns dauert, dann liefere ich mit meiner 'Emma' einen Wettbewerb um
Details aus der Alcazaba von Almería
Aber die vielen Türmchen haben es mir halt angetan 🙂












Na, hab ich euch Lust gemacht, diese prächtige Alcazaba zu besuchen? Es lohnt sich echt.
Wir gehen jetzt nach diesem ausgiebigen Besuch hinunter in die Stadt. Die Kathedrale von Almería ist unser nächstes Ziel.
Das könnte euch auch interessieren

Das Castillo de San Juán de las Águilas

