Die Wüste von Tabernas ist die einzige natürliche Wüste in Europa und verzaubert mit ganz besonderen Eindrücken.

"Wüstentour" - das steht heute als große Überschrift auf unserem Tagesplan. Wir lassen uns überraschen, wie die im Detail aussehen kann, als wir am Morgen von unserer Ferienwohnung bei Mojácar aufbrechen und ca. eine Stunde ins Hinterland fahren. Der Wetterbericht meldet für Tabernas zwar nicht unbedingt Wärme, die wir trotz der Jahreszeit an der Mittelmeerküste bereits haben. Aber es soll trocken bleiben, und das ist die Hauptsache.

So unbedingt selbstverständlich ist das dieses Jahr nicht mit der 'Trockenheit' sprich ohne Regen. Als wir von unserem ersten Quartier in Roses an der Costa Brava gen Süden weitergefahren sind, kam dort am nächsten Tag der große Regen samt Unwettermeldungen. Glück gehabt. "Wenn Engel reisen" - dieser Satz wird in den nächsten Wochen unser Begleiter sein. Denn vorweggenommen, wir haben so unheimliches Glück in unseren acht Wochen in Andalusien, wie es nur Glücksengel haben können. Sieben bemerkenswerte Stürme (mit Namen) geben sich in dieser Zeit die Ehre, mit teilweise immensen Überschwemmungen im Landesinneren und im südlichen Andalusien. Zwei Tage sind wir auch in Mojácar aufgrund Sturmwarnung nicht vor die Tür gegangen, Fridolin war sicher in der Tiefgarage. Und das war auch gut so, als wir hörten, dass der Sturm im Nachbarort eine große Palme zu Fall gebracht hat.

Jetzt kommt mit zu

meiner Erkundung der Wüste von Tabernas in Andalusien

bei der wir auf der Anfahrt zunächst nicht den Eindruck haben, das ist Wüstengebiet. Ein kleiner Tipp am Rande: fährt man auf der AP7 gen Almeria, geht es über viele Kilometer durch die Ausläufer der Wüste, und man kann eine Vorstellung davon bekommen, wie es um Tabernas aussieht. Vielleicht habt ihr es mit meinen vielen anderen Beiträgen schon bemerkt: ist eine Burg in der Nähe, dann darf Fridolin zu fast 100% mit einem Stopp rechnen. So war auch

die Burg von Tabernas in Andalusien

unser erstes Ziel. Von oben an dem Mirador (Aussichtspunkt) soll man einen tollen Blick auf die Wüste haben. Für Fridolin haben wir nahe dem Aufgang zur Burg ein Plätzchen gefunden - es kann losgehen - bergauf. Im ersten Moment dachte ich: "Inge, was für eine bescheuerte Idee". Der Wind pfiff mit einer ordentlichen Stärke um unsere Nasen, dazu war es ein richtig kalter Wind. Also, erst einmal richtig einmummeln und dann

die Blicke auf die Burg von Tabernas

einfangen.

Auf dem Weg nach oben, bzw. zum Aussichtspunkt bekommt ihr

ein bisschen Geschichte zur Burg von Tabernas

Schon seit Jahrtausenden soll die Region hier besiedelt gewesen sein. Ich konnte nachlesen, dass man den Stadtname "Tabernas", der der Burg und der Wüste den Namen gab, auf römische Legionen zurückführt, die dort Tavernen für die Versorgung der Truppen betrieben - "tabernae".

Als im 11. Jahrhundert die Mauren die Region besiedelten, wurde auf dem Berg ein Castillo erbaut. Nein, eigentlich war es keine Burg im eigentlichen Sinne, sondern sie hat eher den Stil einer Alcazaba, die - ihr seht es auf dem letzten Foto - sich über den gesamten Berg zieht und quasi die Altstadt (Medina) der kleinen Dorfgemeinde darstellte. Somit lebten die Bewohner innerhalb der Mauer geschützt.

Es ist wie bei allen Bauwerken, ist man nicht ständig am Renovieren oder Ausbessern, verkommt das Bauwerk. Das ist bei Burgen nicht anders, und so dümpelte die Burg 1522 als erbärmlich heruntergekommenes Stückchen Stein dort oben auf dem Berg vor sich hin. Dabei war doch gerade jetzt, zur Zeit der Barbaresken-Piratenangriffe eine ordentliche, intakte Verteidigungsanlage überlebensnotwendig. Also bat die Stadt den Kaiser Karl V. um die Instandsetzung der Festung, der er auch zustimmte. Aber hey Leute, wenn ihr in den Mauern noch Öffnungen lasst, dann ist es doch klar, dass die Burg von der Gegenseite eingenommen werden kann? Mit dem Umbau der Burg verlor diese den Charakter einer Alcazaba und gewann mehr und mehr den Status einer militärischen Burg.

Dann kam der 24. September 1566, der als "Raub von Tabernas" in die Geschichtschroniken einging. Piraten, die bei Agua Amarga (ein wunderschöner besuchenswerter Strand) anlandeten und über die Sierra Alhamilla und Lucainena de las Torres (wir haben diese Stadt besucht) fielen im Morgengrauen in Tabernas ein. Sie plünderten die Stadt und nahmen Gefangene, die sie übers Mittelmeer nach Marokko entführten. Darunter Christen, aber auch Morisken. Wieviel Menschen aus der kleinen Stadt verschleppt wurden? Da sich nach dem Überfall kaum noch Menschen in der Stadt aufhielten, ist von über 600 die Rede.

Ende des 16. Jahrhunderts sollen in Tabernas nur noch 25 Einwohner gelebt haben und 32 Häuser gestanden sein. Man weiß nicht genau, wer den heutigen Zustand der Ruinen herbeigeführt hat. Waren es die Mauren, bevor sie sich den christlichen Truppen geschlagen geben mussten? Man geht zumindest davon aus.

Heute ist die Burg von Tabernas im Besitz der Stadt und ist als Kulturgut mit Denkmalstatus ausgewiesen. Man darf immerhin die Überwachungskontrolle nicht außer Acht lassen, denn von dort oben hatten man den Überblick weit über das Land bis Osten.

Die Blicke vom Aussichtspunkt der Burg von Tabernas auf die Wüste von Tabernas

vermittelt uns einen ersten Eindruck, was uns bei unserem nächsten Halt erwartet.

Ihr seht es auf den Fotos - die Berge im Hintergrund haben noch richtig viel Schnee. Den Ort Tabernas haben wir nicht besucht, und sind am Rand der Stadt wieder zurück auf die Straße Richtung Wüste. Aber wohin da?

Die Westernstädte in der Wüste von Tabernas in Andalusien

Streng genommen ist es ja eine Halbwüste. Fast könnte man bei der Kulisse vieler Westernfilme denken, die sind in Amerika gedreht worden. Denkste. Seit den 1950er Jahren wurden viele Western hier in der Wüste von Tabernas gedreht. Dafür wurden im Lauf der Jahre 14 Westerndörfer gebaut. Jeder Regisseur hatte ja seine eigene Vorstellung, wie "sein" Westerndorf aussehen soll. Der Film wurde gedreht und entweder wurden die Kulissen dann für den nächsten Film umgebaut, oder man überließ sie dem Verfall.

Heute sind noch drei dieser Westerndörfer gut erhalten. Das "Western Leone", das "Oasys Mini-Hollywood" und das "Fort Bravo" (früher Texas Hollywood) das auch heute noch als Drehort dient. Sollen wir eines davon anschauen? Wir wollen ja 'Wüste' sehen. Schlussendlich haben wir uns mit Blick auf die jeweiligen Webseiten und den Eintrittspreisen dagegen entschieden.

Wenn ihr jetzt Filme seht wie z.B. "Spiel mir das Lied vom Tod", "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug", "Zwei glorreiche Halunken" oder "Der Schuh des Manitu" - allen diente die Wüste von Tabernas als Filmkulisse.

Wir suchten abseits der Westernstädte den Weg in die Wüste. Fündig wurden wir gegenüber dem Besucherparkplatz von Fort Bravo, wo einige andere Menschen wohl den gleichen Gedanken wie wir haben. Auf eigene Faust

die Wüste von Tabernas erkunden

Ich sag's euch, pfiff der Wind schon auf dem Weg zur Burg von Tabernas ziemlich heftig, gibt er hier nochmal eine Zugabe. Ich packte mich warm ein, bevor wir uns auf den Weg in die Wüste machen. Mein Mann musste das natürlich festhalten 🙂 Man kann den Weg nicht verfehlen ... immer geradeaus, dem Trampelpfad nach.

Am Tag davor hatte ich ein Video-Telefonat mit meinem 8-jährigen Enkel, dem ich von unseren Vorhaben heute erzählt habe. "Oma" sagt er da ziemlich ernst zu mir, "Oma, da musst du aber auf Schlangen aufpassen." "Meinst du, da gibt es Schlangen?" "Ja Oma, die leben in der Wüste und verstecken sich unter Steinen oder dem Gebüsch." Und schon ließ er mich kurz allein am Telefon zurück um ein Buch zu holen, schlägt zielsicher eine Seite auf und zeigt mir diverse Wüstenbewohner. "Aber meinst du, die gibt es auch hier in dieser Wüste? So mitten in Europa?" - "Oma, pass einfach bitte auf." - Ich liebe ihn. Aber ins Nachdenken gebracht, habe ich dann doch noch Google bemüht, denn Schlangen mag ich so überhaupt gar nicht. Was soll ich sagen, er hatte recht. Es lebt tatsächlich eine Schlangenart in der Wüste von Tabernas.

Bevor ich euch mit ganz vielen Eindrücken aus der Wüste flute, gibt es

ein paar Infos zur Entstehung der Halbwüste von Tabernas in Andalusien

Eine Halbwüste nennt man die Wüste von Tabernas deshalb, da es doch geringfügig im Jahr Niederschlag gibt. Im Gegensatz zu einer reinen Trockenwüste. Die Entstehung dieser spektakulären, einzigartigen Landschaft ging nicht von heute auf morgen, und nicht durch Menschenhand.

Es war einmal: vor ungefähr 8 Millionen Jahren ein Meeresbecken. Es war aber auch die Gebirgskette der Sierra Alhamilla da, die nach Süden hin dieses Becken einengte. Vor etwa zwei Millionen Jahren zog sich das Meer aus dieser Region zurück, und bildete die heutige Küstenlinie des Mittelmeeres. Zurück blieben abgelagerte Sedimente, harte Kalksteinbänke, die ständig der Erosion ausgesetzt wurden. Auf einer Länge von über 20 Kilometern und über 10 Kilometern Breite entstand das Tabernas-Becken. Eine Senke, begrenzt von der Sierra Alhamilla und der Sierra de los Filabres. Sporadisch wasserführende Ramblas entstanden, hinterließen tiefe Rinnen, formten Schluchten und Canyons und gaben aufgrund sporadischer Wasserlieferung verschiedenen Wüstenpflanzen eine Heimat. Innerhalb der letzten 100.000 Jahre formte sich so eine bizarre Landschaft, die atemberaubend schön ist. Kilometerweit sind die Ausblicke in eine Landschaft, in der (zum Glück) der Mensch keine Hand anlegt.

Ich nehme euch jetzt wortlos mit auf unserem Weg ein Stück durch die Wüste, die mir viel Aufmerksamkeit abverlangt hat. Nicht nur, dass ich (wie mein Enkel 'befohlen' hat) Ausschau hielt, ob ich irgendwo so ein kriechendes Schlangentier sehe, nein, ich musste vor allem beim Weg aufpassen. Das sind meine Übungen auf Reisen. Meine Höhe-und-Tiefen-Angst und meine Balance um über ausgewaschene Wege zu steigen - die Überbleibsel meiner kleinen Schlaganfälle vor einigen Jahren. Aber, dann macht Frau eben langsam. Mein Mann gibt mir an kritischen Stellen seine Hand und hilft mir - und Frau ist stolz wie Bolle, wenn sie es mal wieder geschafft hat 🙂

Meine Eindrücke in der Wüste von Tabernas in Andalusien

In einem Fotoblock zeige ich euch meine Spielerei - die Wüste in Schwarz-weiß. Und falls ihr es aufgrund der Menge der Fotos noch nicht wisst -ihr seid auf einem Reise- UND Fotoblog.

Hab ich euch mit meinen Eindrücken Lust gemacht, die Wüste von Tabernas selber zu erkunden? Mein Fazit nach dieser Woche ist bereits jetzt, die gesamte Gegend um Mojácar ist absolut entdeckenswert.

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