Der Fischerort Garrucha, eine Kleinstadt in der Provinz Almería, lohnt sich für einen Stopp.
Nachdem heute der Vormittag mit etwas Regen ein größeres Ausflugsprogramm vermiest, machen wir uns am Nachmittag bei trockenem Wetter auf in den Nachbarort Garrucha. Wir haben für die ersten vier Wochen unserer Überwinterung in Andalusien Mojácar als Standort ausgewählt. Danach geht es für weitere vier Wochen in die Nähe von Marbella. Soviel wie möglich von der Gegend sehen, das ist unser Hauptmotto.
Der Wettergott zeigt sich in Andalusien seit unserer Ankunft etwas launisch. Er überschüttet die Region in Teilen mit massivem Regen samt Überschwemmungen und pustet mit mehreren Stürmen ordentlich einiges durcheinander. Bereits letzte Woche haben wir den Vorgeschmack auf solch einen Sturm bekommen. Und nachdem in Garrucha wohl auch eine Palme gefallen ist, haben wir die Sturmwarnungen, die auch über unsere Handys kamen, sehr ernst genommen. Dann wird halt etwas gearbeitet. Denn die Arbeit reist bei uns beiden immer mit. Nur so können wir für mehrere Monate den Standort wechseln. Kommt jetzt mit zu
unserem Besuch in Garrucha in der Provinz Almería
den wir in zwei Teilen absolviert haben. Schließlich ist es von unserer Wohnung nur ein Katzensprung. Hauptsächlich haben wir den Strandbereich besucht. Den Besucher lädt Garrucha (von Mojácar kommend) auf einem großen Parkplatz vor dem Ort ein, das Auto abzustellen (der Parkplatz ist unbewacht). Und damit ist man schon mit wenigen Schritten
an der Strandpromenade in Garrucha
die man ca. zwei Kilometer am Meer entlanglaufen kann. Wunderschön verläuft entlang der Strecke ein balustradenförmiges weißes Marmorgeländer. Der Bodenbelag gibt der Promenade mit ihrem Fliesenmuster einen eleganten Touch, und die vielen Bars, Restaurant und Cafés laden zum Verweilen ein. Aber nicht für uns, wir sind wohl noch zu früh und außerhalb des lohnenden Betriebs.




Direkt an diesem großen Parkplatz befindet sich
das Castillo de Jesús Nazareno oder Castillo de las Escobetas in Garrucha
Bereits im 16. Jahrhundert erbauten die Fischer einen Wachturm um die Gegend zu sichern. 1518 wurde der jedoch durch ein Erdbeben zerstört. Als die Zeit der Piratenangriffe begann erließ König Carlos III. ein Konzept, wie sich die Küste gegen diese Angriffe schützen könne. Anfangs geschah das mit provisorischen Militärbaracken. Aber wirklich viel konnten die gegen die Angriffe auch nicht bewirken. Und keiner wollte in einem Ort leben, der nicht richtig geschützt wurde.
Also gab der König 1769 den Auftrag für den Bau einer richtigen Küstenbefestigung. Vor die Burg wurde eine halbrunde Artilleriebatterie gebaut, aus der fünf Kanonen auf die Angreifer gerichtet waren. Damit tat er dem Ort etwas Gutes, denn die Menschen siedelten sich in Garrucha an und der Ort wuchs. Als im 19. Jahrhundert die Angriffe abnahmen, wurde die Burg zur Kaserne für den Zoll- und Grenzschutz und später für die Guardia Civil. Als auch diese Nutzung nicht mehr gebraucht wurde, erfuhr die Festung eine umfassende Renovierung und beherbergt heute ein Interpretationszentrum für Fischerei und Meeresumwelt und wird zudem für Veranstaltungen genutzt.
Wir haben uns die Festung nur von außen angeschaut. Insgesamt haben wir in diesem Urlaub keine große Lust auf Museen.



Jeden Tag ans Meer, das ist mein Vorsatz für unsere insgesamt drei Monate in Spanien. Ihr wisst ja bestimmt aus meinen Berichten, ich bin ein Wasserkind und man kann mich vor allem am Meer abstellen und Stunden später wieder abholen. Ist noch eine kleine Strandbar in der Nähe umso besser 🙂
Das Meer und überhaupt das Wasser ist eine Kraftquelle für mich, die mir besonders in der Zeit meiner kleinen Schlaganfälle wieder ins normale Leben zurück geholfen hat. Deshalb geht es jetzt auch nicht an der Promenade entlang, sondern
am Strand von Garrucha
der mit einem feinen Sandstrand aufwartet. Kommt einfach wortlos mit mir mit.




Man kann sie am Strand nicht übersehen, das
Monumento a la Virgen del Carmen, die Mariastatue am Strand von Garrucha
Am Ende der Playa steht sie erhöht auf einem kleinen Mirador. Die Schutzpatronin der Fischer wurde am 16. Juli 2006 in Garrucha eingeweiht, am offiziellen Tag ihrer Verehrung.
Warum ist die Virgen del Carmen, unsere Liebe Frau vom Berge Karmel, die Schutzpatronin der Seefahrer?
Vor allem in Spanien wird die Mutter Maria mit diesem Ehrentitel verehrt.
Ihr Name lässt sich vom Berg Karmel in Israel ableiten, an dem der Prophet Elia gewirkt hat. Hier lebten im Mittelalter die ersten Einsiedler aus dem Orden der Karmeliter, deren Schutzpatron sie ist.
Einer Überlieferung nach, erschien Maria am 16. Juli 1251 einem Karmelitermönch und überreichte im das braune Skapulier, als Zeichen ihres Schutzes. Als die Mönche übers Meer fliehen mussten, versprach ihnen Maria, dass sie als Stern über ihnen leuchtet, und sie so sicher an ihr Ziel bringt.




An der Statue befindet sich
das Wappen von Garrucha
wunderschön in den Marmor eingraviert.
"Ex Mari Orta" - aus dem Meer geboren. In vier Felder ist das Wappen unterteilt und symbolisiert links oben die Lage des Küstenortes: von der Sonne verwöhnt und am Meer. In den anderen Feldern werden Burgen und Türme dargestellt.
Haben diese drei Felder etwa mit der Geschichte des Ortes zu tun?

Ihr kennt mich und meine Berichte - ich bin neugierig, deshalb gibt es jetzt
ein bisschen Geschichte zu Garrucha in Andalusien
die mit "es war einmal" beginnt. Da gab es nämlich einen kleinen Ort Namens Almoraic, erwähnt in einer Chronik aus dem Jahr 1327. Aber bereits in prähistorischer Zeit sollen Siedlungen an dieser Stelle gewesen sein, was durch Funde belegt wurde.
Während der Nasridenzeit, die erst 1492 mit der letzten Übergabe an die katholischen Könige endete, erbauten Fischer zum Schutz vor den christlichen Streifzügen einen Turm, damit sie die Lage überwachen konnten. Dieser fiel aber 1518 einem Erdbeben zum Opfer.
Der Ort, mitten zwischen Mojácar und Vera gelegen, war nicht selbstständige Stadt, und beide streckten die Hand nach dem kleinen Ort aus. So ähnlich, wie wenn an beiden Armen gezogen wird "du gehörst zu mir" - und einig wurden sie sich doch nicht. 1494 mussten die katholischen Könige in diesem Gezeter sogar vermitteln und richteten eine Steuer ein. Für jede im Hafen des Örtchen verkaufte Fischlieferung musste an Mojácar und Vera ein festgelegter Betrag bezahlt werden. Dazu kam, dass auch noch die christlichen Truppen aus diesen Fischfängen versorgt werden mussten.
Viele Menschen lebten trotz dem Handel mit Wein, Espartogras und Marmor nicht in dem Ort, welcher mehr und mehr nach der Nasridenzeit den Ursprungsnamen ablegte und sich Garrucha nannte. Vermutlich hergeleitet aus der Geografie, denn übersetzt bedeutet der Ortsname "die verbrannten Felsen". Trockenes dunkles Vulkangestein prägt die Levante Almeriense, zu der Garrucha gehört. Die Menschen sahen die Region durch die Piratenangriffe einfach nicht als sicher genug, denn wer will schon mit dem Leben bezahlen oder als Sklave verkauft werden?
Der Aufschwung für den Ort kam erst im 19. Jahrhundert durch die Entdeckung des Silbers in den Bergen und dem Stollenabbau. Aus dem Hafen von Garrucha wurde das Mineral weitertransportiert. 1861 wurde dem Ort dann auch seine Eigenständigkeit zugesprochen. Der wirtschaftliche Absturz kam, wie bei vielen anderen Orten auch, mit Ende des Bergbaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Und nun?
Es wurde der Bau eines Fischereihafens genehmigt, der Ort kehrt damit quasi zu seinen Anfängen zurück. Die Fischereiflotte hat sich auf den Fang von Tiefseegarnelen spezialisiert und im Handelshafen wird Gips exportiert, der aus dem Hinterland von Sorbas herangebracht wird. Und da geht es hin - zum
Fischereihafen in Garrucha
der für mich immer ein besonderer Anziehungspunkt in den Fischerorten ist. Ich kann euch nicht sagen, warum das so ist. Vielleicht weil wir Fisch über alles auf unseren Tellern lieben? Mit einer der ersten Handlungen in Spanien ist, dass wir uns ein Lachsstück selber beizen. Mein Mann ist inzwischen der Profi darin, die Stücke mega lecker werden zu lassen. Oder eine Paella oder Pasta mit Meeresfrüchten? Wir lieben es, uns durch die Fischtheke zu futtern.
Heute war noch kein Betrieb an und in der Lonja. Die Fischer waren noch draußen auf dem Meer. Die Boote kommen immer erst am Abend zurück, um dann ihren Fang in Windeseile auszuladen, damit er in der Lonja versteigert werden kann. Die Gamba Roja ist hier der Hauptfang. Wir haben letztes Jahr bei unserem Aufenthalt in Calpe einer Fischversteigerung beigewohnt. Schon interessant, wie schnell die Meeresbewohner die Besitzer wechseln. Wollt ihr zuschauen? HIER kommt ihr zu einem Video über eine Versteigerung.








Ein paar
Blicke auf den Sporthafen von Garrucha
dürfen natürlich auch nicht fehlen.






Egal wo man an dem Küstenabschnitt steht, sie sind nicht zu übersehen - die großen Schiffe, die auf die Einfahrt in den Hafen warten.
Der Frachthafen von Garrucha
kann man nur von dem Kai gegenüber beobachten. Lastwagen, die emsig wie Ameisen aus Sorbas hin- und herfahren, bringen Gips in den Frachthafen, der von hier aus exportiert wird. Rund eine Million Tonnen sollen es jedes Jahr sein. Hier kann jetzt meine 'Emma' zeigen, was sie kann und mir den Verladevorgang etwas näher herholen. Auch, damit ich die Fotos später meinem Enkel zeigen kann.
Ja, ihr habt schon richtig gelesen - alle meine treuen Begleiter bekommen bei mir Namen. Sind ja quasi Familienmitglieder, und jagen mir gehörigen Schreck ein, wenn es ihnen nicht gut geht. So wie 2024 in der Toskana Emma und Fridolin. Emma hat in diesem Urlaub tatsächlich komplett ihren Dienst eingestellt. Eine super Firma konnte sie mir aber letztes Jahr wieder ins Leben zurückholen.








Langsam haben wir den Rückweg zu Fridolin angetreten. In der Hoffnung, noch irgendwo eine Kaffeetankstelle zu finden.
Pech für uns, die Lokale waren entweder geschlossen oder noch in tiefem Winterschlaf.


Der Rückweg führt uns durch einen kleinen Park.
Das Fischerdenkmal (Monumento al Pescador) in Garrucha
ehrt die Fischertradition in der Stadt. Direkt am Hafen wurde es im April 1991 enthüllt. Zwei Fischer spiegeln ihren Alltag wider, alles andere als leichte Arbeit.




Es lohnt sich, in dem kleinen Ort einen Stopp einzulegen, um vielleicht auch einen Tag dort am Strand zu verbringen. An den vielen Spielplätzen entlang der Strandpromenade bekomme ich das Gefühl, Kinder sind hier herzlich willkommen. Nachdem unsere Kaffeegelüste immer noch unbefriedigt anhalten, fahren wir noch zu unserer kleinen Strandbar, um den Nachmittag in direkter Nähe zu unserer Ferienwohnung ausklingen zu lassen.
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